Politik
05.12.2011

Bär zum zweiten Mal ausgestorben

Das letzte Tier aus der heimischen Population ist verschwunden. Schuld hat auch sein größter Feind - der Mensch.

Von Moritz fehlt jede Spur. Der letzte Braunbär in den nördlichen Kalkalpen ist wie vom Erdboden verschluckt. Er war das letzte in Österreich geborene Exemplar seiner Spezies. Jetzt dürfte es Gewissheit sein: Die heimische Bärenpopulation, die bereits im 19. Jahrhundert ausgerottet wurde, ist zum zweiten Mal aus den Wäldern verschwunden.
Kot, Haare des Fells, Sichtungen. Moritz ist seit einem Jahr vom Bildschirm des Monitorings der Naturschutzorganisation WWF verschwunden. Der WWF war die treibende Kraft hinter der Wiederansiedlung des Braunbären. Mit kriminalistischen Methoden spürte man über zwei Jahrzehnte lang den Tieren nach. Die Population entwickelte sich: Der im Jahr 1972 eingewanderte Ötscherbär bekam Ende der 80er-Jahre eine Gefährtin, es folgten Nachwuchs, weitere Aussetzungen und schließlich zählte man bis zuletzt 35 Bären.

Über jedes Tier entstand ein Dossier. Auch jenes von Moritz wird nun geschlossen. "Zuletzt fanden wir vor rund einem Jahr gesicherte Hinweise, dass Moritz noch am Leben ist", sagt Christian Pichler vom WWF.

Ein genetischer Tatzenabdruck im April 2011 konnte nicht mehr zugeordnet werden. "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Moritz noch auftaucht", sagt auch Georg Rauer, Bärenanwalt für NÖ, die Steiermark, Salzburg und OÖ. Man könne durchaus sagen, dass der Bär hierzulande "ausgestorben ist".

Abschüsse

Das Schicksal vieler Tiere ist ungeklärt. Von den 35 Bären verschwanden 21 auf mysteriöse Art und Weise - vermutlich landeten einige als Trophäen in Kellerstuben. Zwar stieß die Rückkehr der Raubtiere auf hohe Akzeptanz in der Bevölkerung, jedoch nicht in allen Teilen. Nur wenige illegale Abschüsse sind dokumentiert. In Kärnten stand am Donnerstag ein 48-Jähriger als mutmaßlicher Bärentöter vor Gericht. Das Tier stammte aus der slowenischen Population. Wissenschaftlich dokumentiert ist ihr Bestand nicht. Es handelt sich um fünf bis acht männliche Jungtiere, die zu- und wieder abwandern. Gibt die Kärntner Landesregierung grünes Licht, wird auch ihr Vorkommen genetisch erfasst und genau dokumentiert.

Tod von Bär Roznik: Prozess erneut vertagt

Wer tötete Bär Roznik? Am Donnerstag musste sich zum zweiten Mal ein 48-Jähriger aus Bad Eisenkappel vor dem Klagenfurter Landesgericht verantworten. Der pensionierte Landwirt beteuerte erneut seine Unschuld. Der Krimi um das tote Tier begann im Juni 2009: Nächst der Grenze, im slowenischen Logartal, wurde ein Bären-Kadaver entdeckt. Dem Tier waren die Tatzen und der Kopf abgetrennt sowie das Fell abgezogen worden. Eine Prämie von 10.000 Euro für Hinweise wurde ausgelobt - mit Erfolg. Die Spur führte zu dem 48-Jährigen, einem frühpensionierten Fleischhauer und leidenschaftlichen Jäger. In seinem Auto sollen Ermittler Faserspuren einer verwendeten Decke gefunden haben. Außerdem belasten Familienmitglieder den Verdächtigen. Sein Verteidiger sprach von einem Indizienprozess. Der Verfahren wurde zum zweiten Mal vertagt. Ein Zeuge fehlte. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu drei Jahre Haft. Die Jägerschaft schloss den Mann bereits aus. Der Beschluss ist nicht rechtskräftig.

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