Iran-Experte in ZiB2: "Das wird jetzt zum Zeichen der Schwäche"
Bei den Massenprotesten im Iran könnten nach Informationen des Time-Magazin allein an zwei Tagen bis zu 30.000 Menschen getötet worden sein. Das Magazin beruft sich auf zwei ranghohe Beamte des iranischen Gesundheitsministeriums.
Demnach sollen am 8. und 9. Jänner so viele Menschen getötet worden sein, dass die Behörden mit der Beseitigung der Leichen überfordert gewesen seien. Dazu gehen iranische Sicherheitskräfte nach Angaben einer UN-Expertin offenbar gegen verletzte Demonstranten vor.
Der Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" ist indes im Zuständigkeitsbereich des Regionalkommandos des US-Militärs Centcom angekommen, das den Nahen Osten inklusive des Irans umfasst. Die Flugzeugträgerkampfgruppe werde aktuell im Nahen Osten eingesetzt, "um die regionale Sicherheit und Stabilität zu fördern", teilte Centcom auf der Plattform X mit. Am Montag war der Flugzeugträger demnach im Indischen Ozean unterwegs. Nähere Angaben zur Position gab es nicht.
Walter Posch in der ZiB2
Am Montag-Abend war dazu Walter Posch, Iran-Experte und Islamwissenschafter von der Landesverteidigungsakademie, zu Gast in der ZiB2. Wie wahrscheinlich ist denn ein Angriff auf den Iran, sowie ein Gegenschlag? "Noch sind wir auf der Ebene der politischen Propaganda und der Drohungen", meint Posch, der damit rechnet, dass noch ein zweiter US-Flugzeugträger folgen wird.
Man wisse allerdings nicht genau, was die USA vorhaben. "Einen echten Regimewechsel, ein massives Eingreifen oder doch eine Bombenkampagne für einige Tage als Drohung?" Die Iraner würden die Anwesenheit der Amerikaner jedenfalls sehr ernst nehmen: "Die Armee ist auf Alarmbereitschaft, die Luftabwehr ist auf Alarmbereitschaft und damit machen sich die Iraner auch verwundbarer. Sobald sie ihre Radars einschalten, fällt das ja auf und man weiß, wie sie arbeiten."
Wie ist die Lage im Iran?
Man weiß weder etwas über Todes- oder Opferzahlen, laut Posch würde sich das Bild aber verdichten, wer wann und wo die Eskalation begonnen habe. "Und dass das Regime jetzt absolut durchschlagen will, um durchzugreifen, das haben sie angekündigt und getan." Auffällig sei, dass vor allem die Sunniten, die auch bewaffnet wären, auffallend still sind, sagt der Experte. "Das Regime mag jetzt diese Schlacht gewonnen haben, aber es ist ein Pyrrhussieg, weil die Ursachen der Proteste ja nicht verschwinden."
Dazu ist im Iran seit fast zweieinhalb Wochen das Internet blockiert. Das gefährdet hunderttausende Betriebe, aber auch Spitäler und öffentliche Einrichtungen. "Es ist das Land mit der Ausnahme des Sicherheitsapparates zum Erliegen gekommen. Und was letzte Woche noch wie ein energisches Durchgreifen ausgeschaut hat und wo der Staat sozusagen zeigt, wie stark er ist, wird jetzt zum Zeichen der Schwäche." Der Sicherheitsapparat gehe allerdings davon aus, dass man dies noch mindestens ein Monat durchhalten könne.
Wie geht es im Iran weiter?
Mit Ausnahme der wirtschaftlichen Parameter und des fehlenden Einverständnisses der Bevölkerung würde das Regime im Iran aber nach wie vor fest im Sattel sitzen, so Posch.
Er vergleicht die Situation aktuell mit dem Prager Frühling: "Mit der Zeit danach, dieser bleienden Zeit, wo sie dann auch, allerdings war damals die Tschechoslowakei ein prosperierendes Land, das sich dann einfach zurückentwickelt hat. Nur die Nomenklatura, die Machtschicht hat sich sozusagen eingerichtet in den eigenen Niedergang." Das sieht der Experte jetzt auch.
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