Iran-Experte nach neuerlichen Angriffen: "Situation ist schlecht"
Die jüngsten Angriffe zwischen Iran und Israel markieren nach Einschätzung von Walter Posch keine grundlegende Verschiebung der Kräfteverhältnisse im Nahen Osten, so der Iran-Experte in der ZiB2.
Iran stand unter Zugzwang
Posch erklärte, Teheran habe unter Erwartungsdruck seiner Verbündeten gestanden. In den Reihen der Hisbollah und unter deren Sympathisanten sei die Frage laut geworden, warum der Iran nicht eingreife. Zugleich sprach Posch von inneriranischen Machtverschiebungen nach dem Tod von Ayatollah Khamenei, weg von religiösen Entscheidungsträgern hin zu den Generälen der Revolutionsgarde. Damit sei eine Schwelle überschritten worden: Erstmals habe Iran nicht auf einen israelischen Angriff reagiert, sondern die Hisbollah aktiv unterstützt.
Israel könne nun, so Posch, argumentieren, vom Iran über dessen Proxys angegriffen zu werden und sich zu verteidigen.
Keine Änderung der Machtbalance
An der regionalen Lage habe sich dennoch wenig geändert. "Im Prinzip hat sich ja an der Machtbalance gar nichts verändert", sagte Posch. Keine der beteiligten Seiten – Iran, Hisbollah, Israel, Houthis oder USA – könne vor oder zurück. Es habe zwar Schäden gegeben, aber "zu wenigen menschlichen Verlusten Gott sei Dank".
Auch die jüngsten Schläge seien kein Wendepunkt, sondern Teil eines festgefahrenen Schlagabtauschs. "Keine der Seiten kann jetzt zurückgehen", betonte Posch.
Waffenstillstände seien derzeit nicht mehr als Unterbrechungen. "Das sind Feuerpausen eigentlich, bevor es weitergeht", sagte Posch. Es fehle an diplomatischen Lösungen, alle Seiten setzten darauf, dass der Gegner zuerst nachgebe. Entsprechend düster sei die Ausgangslage für Gespräche: "Also die Situation ist schlecht und gleichzeitig wissen sie, dass nichts anders rausgeht. Militärisch kommt niemand weiter."
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