Nahost-Experte Posch über Iran: "Das Regime funktioniert wie eine Matrix"
Die USA und Israel finden keinen klaren Ausweg aus dem Krieg mit dem Iran. Warum das so ist, wie es um Irans militärische Fähigkeiten steht und weshalb das Regime trotz massiver Schläge stabil bleibt, analysierte Militär- und Nahostexperte Walter Posch in der "ZiB2".
Aus Sicht Poschs fehlt es Washington an einer eindeutigen Linie. Auf amerikanischer Seite meine man, "alle Optionen offen halten" zu müssen, sagte er. Zudem spielten Geheimverhandlungen oder indirekte Kontakte mit Teheran eine Rolle. Israel wiederum gehe davon aus, dass der Iran weiter bekämpft werden müsse – mit dem Ziel, zumindest das Raketenarsenal vollständig zu entwaffnen. Auch das iranische Atomprogramm bleibe ein zentraler Punkt des Konflikts.
Atomprogramm bleibt umstritten
Ein iranisches Atomprogramm existiere weiterhin, "im Sinne von Plänen und von rudimentären Organisationsstrukturen". Unklar sei jedoch, wie viel physische Infrastruktur tatsächlich noch vorhanden sei. Die Aussagen der USA und des Iran widersprächen einander seit Monaten. Westliche Staaten gingen davon aus, dass es noch Ziele gebe, während Teheran betone, es sei nichts mehr übrig oder alles gut versteckt.
Militärisch geschwächt, aber nicht wehrlos
Die USA seien nicht im Iran selbst, sondern in der Region aktiv, erklärte Posch. Ziel sei es, ein Einlenken Teherans zu erzwingen. Zwar seien große Teile der konventionellen Streitkräfte zerstört, doch Irans Stärke liege weiterhin bei den Schnellbooten der Revolutionsgarde. Diese machten die Straße von Hormus zum "größten Faustpfand" des Landes. Iran denke dabei an eine Art Mautsystem für die Durchfahrt, was Teil künftiger Verhandlungen werden dürfte.
Warum das Regime hält
Trotz gezielter Tötungen an der Spitze wackle das Regime nicht. "Das Regime funktioniert wie eine Matrix", sagte Posch. Es schließe Lücken rasch mit nachgewachsenen Kadern. Zwar spiele der Iran militärisch vor allem Vergeltung, doch Posch warnte: "Vergeltung ist auch keine Politik." Eine Prognose über ein mögliches Kriegsende wagte er nicht.
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