Wie wirkt sich die Hormus-Blockade auf Österreich aus?

Weltweite Handelsströme um 1,2 Billionen Dollar jährlich sind betroffen. Direkte Auswirkungen auf Österreich sind begrenzt.
Ein großes Frachtschiff fährt auf dem Meer, im Hintergrund sind weitere Schiffe und zahlreiche Vögel zu sehen.

Eine längere Blockade der Straße von Hormus als eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten könnte die weltweiten Handelsströme im Wert von 1,2 Billionen Dollar (1 Billion Euro) beeinträchtigen. Österreich ist von der Blockade direkt kaum betroffen, sondern eher über steigende Energiepreise in Europa, so das Ergebnis einer Studie des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII), des Complexity Science Hub (CSH) und der TU Delft.

Die Straße von Hormus ist vor allem für den globalen Ölhandel relevant. Eine längere Schließung dieser Schifffahrtsroute könnte sich maßgeblich auf globale Lieferketten auswirken. Vor allem der maritime Handel des Iran, der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Katar, Kuwait und Bahrain wäre von einer längeren Sperre betroffen. Diese fünf Golfstaaten exportieren im Wert von rund 1,2 Billionen Dollar, wobei 800 Mrd. Dollar auf Energieprodukte wie Rohöl, Flüssiggas und raffinierte Erdölprodukte entfallen. 

"Die Straße von Hormus ist einer der kritischsten Engpässe der Weltwirtschaft", erklärt Studienautor und ASCII-Direktor Peter Klimek. "Eine längere Blockade würde nicht nur Energiemärkte treffen, sondern auch zahlreiche globale Lieferketten unter Druck setzen."

Wirtschaftliche Folgen

Kurze Blockaden von bis zu zwei Wochen hätten nur begrenzte wirtschaftliche Folgen, dauert die Blockade jedoch länger als vier Wochen, können sich Verzögerungen entlang der globalen Lieferketten aufschaukeln. Bei einer Unterbrechung von 56 Tagen komme es zu Staus in Häfen und verschobene Fahrpläne würden sich entsprechend negativ auswirken. Diese Szenarien wurden anhand von 10.000 simulierten Tankern und 1.315 Häfen weltweit untersucht.

Kurzfristig rechnen die Studienautoren mit Preissteigerungen und Marktvolatilität - aber nicht mit Lieferausfällen und Versorgungsengpässen. Kurzfristige Engpässe könnten über strategische Reserven, Lagerbestände und alternative Lieferanten abgefedert werden. Langfristige Blockaden hingegen könnten zu anhaltend hohen Energiepreisen, steigenden Produktionskosten und sinkender Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Industrien führen. "Die wirtschaftlichen Folgen steigen dann überproportional an", erklärt Stefan Thurner, Studienautor und Präsident des CSH.

Kaum direkter Handel

Dabei komme Österreich im direkten Handel glimpflich davon. Das direkte Engagement mit den fünf Golfstaaten beträgt nur 300 Mio. Dollar. Rund 200 Mio. Dollar jährlich entfielen im Schnitt der Jahre 2022 bis 2023 auf die VAE. Der Handel betraf vor allem Industrieausrüstungen, Maschinen sowie den Reexport über Dubai. Rund 50 Mio. Dollar entfielen auf den Handel mit Bahrain (Aluminiumprodukte). Aus dem Iran kamen Teppiche und Pistazien im Wert von 20 Mio. Dollar. Der Handel mit Katar belief sich ebenfalls auf 20 Mio. Dollar, mit Kuwait auf 5 Mio. Dollar.

Österreich ist somit nicht von Importen aus diesen Golfstaaten abhängig. "Die aktuelle Studie zeigt, dass Österreich durch die Lage in der Straße von Hormus derzeit nicht unmittelbar von Versorgungsengpässen bedroht ist", merkt Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) dazu an. Allerdings wirkt sich die Blockade indirekt über steigende Energiepreise aus. Sollten italienische, belgische oder britische LNG-Lieferungen unterbrochen werden und die europäischen Gaspreise entsprechend steigen, würden die Energiekosten über die Pipeline-Verbindungen mit Deutschland und Italien steigen. 

Österreich importiert das Erdgas über Pipelines aus Russland und Norwegen sowie aus eigener Produktion, bezieht aber direkt kein LNG aus den Golfstaaten. "Sollten LNG-Lieferungen nach Ländern wie Italien, Belgien oder Großbritannien ausfallen und die europäischen Gaspreise steigen, könnten sich diese Effekte über die integrierten Energiemärkte auch in Österreich bemerkbar machen", sagt Klimek.

Italien importiert um knapp 10 Mrd. Dollar

Die Importe der EU aus den fünf Golfstaaten machen jährlich rund 47 Mrd. Dollar aus. Wobei Italien mit 9,8 Mrd. Dollar der größte Importeur ist - großteils von Flüssiggas und Propangas aus Katar. Nach Belgien liefert Katar über das LNG-Terminal in Zeebrugge Flüssiggas im Wert von 5,8 Mrd. Dollar. Und über Antwerpen läuft der Diamantenhandel mit den VAE. Frankreich importiert aus den fünf Golfstaaten Waren im Wert von 8,1 Mrd. Dollar, Deutschland kommt hier auf rund 5,7 Mrd. Dollar.

Stärker als Europa ist Asien von einer Blockade betroffen. So importiert China jährlich Waren im Wert von rund 97 Mrd. Dollar, gefolgt von Indien mit 74 Mrd. Dollar. Die Importe Japans belaufen sich auf 63 Mrd. Dollar, Südkorea kommt auf 30 Mrd. und Thailand auf 22 Mrd. Dollar. Wobei diese Länder vor allem Rohöl, Flüssiggas und raffinierte Erdölprodukte von den fünf Golfstaaten beziehen.

Allerdings exportieren diese Golfstaaten auch 8 bis 10 Prozent der globalen Düngemittelproduktion im Wert von 13,5 Mrd. Dollar. Und zwischen 2019 und 2023 stammten rund 31 Prozent der weltweiten Harnstoffexporte aus der Golfregion. Weiters werden Spezialgase für die Halbleiterproduktion wie Neon, Helium oder Argon im Wert von 3 Mrd. Dollar exportiert.

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