Iran-Krieg, Tag 19: USA müssen Flugzeugträger abziehen, Bomben auf iranisches AKW
Die Lage im Iran-Krieg bleibt unübersichtlich. Wir versuchen täglich, Ihnen die wichtigsten Ereignisse der vergangenen 24 Stunden auf einen Blick zusammenzufassen.
© VIA REUTERS/U.S. NAVAL FORCES CENTRAL COMMAN
Seit 28. Februar tobt ein neuer Krieg im Nahen Osten. Israel und die USA setzen ihre Luftangriffe gegen den Iran unentwegt fort, der reagiert mit großflächigen Drohnen- und Raketenangriffen auf fast alle Staaten der Region. Dieses Briefing bietet einen Überblick über die wichtigsten Geschehnisse der letzten 24 Stunden in betroffenen Ländern.
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Iran
- Bomben auf Atomanlage. Laut der IAEO wurde das iranische Kernkraftwerk Bushehr getroffen. Es habe weder Schäden am Kraftwerk noch Verletzte unter den Mitarbeitern gegeben, doch IAEO-Chef Rafael Grossi forderte erneut „größtmögliche Zurückhaltung“, um das Risiko eines nuklearen Unfalls zu minimieren. Die Atomanlage Buschehr, das einzige iranische Kernkraftwerk, liegt 760 Kilometer südlich von Teheran am Golf. Sein Reaktor russischer Bauart liefert seit 2011 Strom, der russische Atomkonzern Rosatom baut derzeit einen zweiten Block.
- Angst vor Hungerkrise. Die Vereinten Nationen warnten, dass der Krieg der USA und Israels gegen den Iran zu neuen Rekordwerten unter Hungerleidenden führen kann. Die Unterbrechung der Schifffahrtswege verzögert bereits die Lieferung lebensrettender Nahrungsmittelhilfe, die Transportkosten sind um 18 Prozent gestiegen. Auch die höheren Ölpreise treiben die Betriebskosten der Organisation in die Höhe.
- Bunkerbrecher-Munition an der Straße von Hormus. Die USA setzen Panzerbrecher-Munition gegen iranische Stellungen an der Straße von Hormus ein. Die Spezialmunition mit besonderer Durchdringungskraft kommt etwa bei Angriffen auf besonders verstärkte Einrichtungen oder unterirdische Bunkeranlagen zum Einsatz.
- Warum das wichtig ist: Der Iran hat die Meeresenge seit Kriegsbeginn effektiv blockiert. Präsident Trump hatte in den letzten Tagen Mühe, Unterstützung von Verbündeten zu gewinnen, um Schiffe durch die gefährlichen Gewässer zu eskortieren. Deutschlands Kanzler Merz erteilte ihm eine Absage, auch der irische Premier Micheál Martin widersprach am Dienstag bei einem Treffen im Weißen Haus.
USA
- USA müssen die USS Gerald R. Ford abziehen. Die USA müssen ihre schwimmende Festung aus dem Golf abziehen: Das Schiff mit rund 5000 Matrosen - das weltweit größte seiner Art - soll vorübergehend in eine Bucht bei Kreta einlaufen. Wie lange es dort bleiben soll, ist unklar. Hintergrund dürfte ein Feuer sein, das vor wenigen Tagen im Hauptwäscheraum ausgebrochen war. Fast 200 Matrosen mussten wegen Rauchvergiftungen behandelt werden, mehr als 600 Personen hätten nun kein Bett mehr. Die Crew ist bereits seit zehn Monaten im Einsatz - vor dem Irankrieg war das Schiff bereits am US-Angriff auf Venezuela beteiligt, danach gab es massive Probleme mit den Sanitäranlagen.
- Trumps Terrorabwehr-Chef tritt aus Protest zurück. Joe Kent, der Chef des Nationalen Terrorabwehrzentrums NCTC, ist zurückgetreten. Trump selbst hatte ihm den Posten zuerkannt, er ist damit der erste der MAGA-Riege, der aus Protest gegen den Irankrieg seinen Job hinwirft. Kent selbst stammt aus dem rechten Spektrum der Republikaner, ist selbst Ex-Elitesoldat, hat aber einen schlagzeilenwirksamen Hang zu Verschwörungstheorien. Er schob in seinem Rücktrittsschreiben die Schuld für den Iran-Angriff Israel zu - ebenso wie für die Kriege im Irak und in Syrien.
- Warum das wichtig ist: Der Rücktritt Kents zeigt, wie groß das Risiko ist, das Trump mit dem Irankrieg eingegangen ist. Unter seinen Unterstützern wird die Kritik immer lauter, auch die einflussreichen rechten Podcaster Joe Rogan und Tucker Carlson stellten sich gegen den US-Präsidenten und beglückwünschten Kent zu seiner Entscheidung.
Libanon
- Israel bombardiert Beirut, Gebäude stürzen ein. Ein israelischer Luftangriff hat ein Gebäude im Stadtteil Bachoura im Zentrum von Beirut getroffen. In einem Video ist zu sehen, wie das gesamte Gebäude einstürzt - das ist in den vergangenen zwei Wochen noch nie passiert. Der Angriff erfolgte nur eine Stunde, nachdem das israelische Militär die Bewohner aufgefordert hatte, ein Gebäude zu räumen - es werde angeblich von der vom Iran unterstützten Miliz Hisbollah genutzt.
Israel
- Vergeltung für Tod Ali Larijanis. Die Revolutionsgarden des Iran erklärten, man habe am Mittwochmorgen einen groß angelegten Raketenangriff auf Tel Aviv gestartet - als Vergeltung für die Ermordung von Ali Larijani, dem Vorsitzenden des Obersten Nationalen Sicherheitsrats des Landes, durch Israel. Die Revolutionsgarden behaupteten, ihre Raketen hätten die israelischen Abwehrsysteme durchbrochen; Israel hat das nicht kommentiert. Iranische Staatsmedien bestätigten indes den Tod von Sicherheitschef Ali Larijni bestätigt - er sei zum „Märtyrer“ geworden.
- Warum das wichtig ist: Ali Larijani ist nur der letzte in einer Reihe hochrangiger iranischer Führer, die die Israelis gezielt getötet haben. Laut Berichten von US-Medien sind weitere derartige Attacken in Planung, das soll die iranische Führung persönlich in Angst versetzen und sie zu Einlenken und Verhandeln bewegen.
Golfstaaten
- Neue iranische Angriffe. Mehrere Golfstaaten, darunter Kuwait, Katar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, teilten am frühen Mittwoch mit, dass sie Raketen und Drohnen abgefangen hätten; das Verteidigungsministerium der Vereinigten Arabischen Emirate gab den Iran als Urheber an.
- Drohne bei VAE-Stützpunkt. Ein iranisches Geschoss schlug am frühen Mittwoch in der Nähe eines Militärstützpunkts in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein, auf dem australische Truppen stationiert sind. Verletzte gab es keine.
- Warum das wichtig ist: Der Stützpunkt Al Minhad dient als Hauptquartier für die australischen Operationen im Nahen Osten. Australien hat eine Beteiligung an von den USA geführten Angriffen auf den Iran ausgeschlossen, jedoch ein Aufklärungsflugzeug und Luft-Luft-Raketen in die Vereinigten Arabischen Emirate entsandt, um die Verteidigung der Golfstaaten zu unterstützen. Präsident Trump beklagte sich am Dienstag in einem Social-Media-Beitrag über die mangelnde Beteiligung der Verbündeten, darunter auch Australiens.
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