Politik | Ausland
02.11.2017

Wie Russland die US-Wahl durch Werbung manipulierten wollte

Der US-Kongress veröffentlichte Social Media-Werbeanzeigen, die aus Russland stammen sollen. Das erklärte Ziel war die Spaltung der US-Gesellschaft.

Eine Veröffentlichung des US-Repräsentantenhauses gewährt Einblicke in die mutmaßliche russische Propagandawelle, mit der die US-Wahl beeinflusst worden sein soll. Insgesamt haben US-Abgeordnete rund 3.000 Werbeanzeigen von Facebook übermittelt bekommen. Diese betreffen auch Instagram, das zu Facebook gehört. US-Geheimdienste waren nach der Präsidentschaftswahl vergangenen Herbst übereinstimmend zu dem Ergebnis gekommen, dass Russland versucht hat, das Wahlergebnis zu beeinflussen. - derstandard.at/2000067035013/Mit-diesen-Anzeigen-wollte-Russland-angeblich-die-US-Wahl-manipulierenEine Veröffentlichung des US-Repräsentantenhauses gewährt Einblicke in die mutmaßliche russische Propagandawelle, mit der die US-Wahl beeinflusst worden sein soll. Insgesamt haben US-Abgeordnete rund 3.000 Werbeanzeigen von Facebook übermittelt bekommen. Diese betreffen auch Instagram, das zu Facebook gehört. US-Geheimdienste waren nach der Präsidentschaftswahl vergangenen Herbst übereinstimmend zu dem Ergebnis gekommen, dass Russland versucht hat, das Wahlergebnis zu beeinflussen. - derstandard.at/2000067035013/Mit-diesen-Anzeigen-wollte-Russland-angeblich-die-US-Wahl-manipulierenEine Veröffentlichung des US-Repräsentantenhauses gewährt Einblicke in die mutmaßliche russische Propagandawelle, mit der die US-Wahl beeinflusst worden sein soll. Insgesamt haben US-Abgeordnete rund 3.000 Werbeanzeigen von Facebook übermittelt bekommen. Diese betreffen auch Instagram, das zu Facebook gehört. US-Geheimdienste waren nach der Präsidentschaftswahl vergangenen Herbst übereinstimmend zu dem Ergebnis gekommen, dass Russland versucht hat, das Wahlergebnis zu beeinflussen. - derstandard.at/2000067035013/Mit-diesen-Anzeigen-wollte-Russland-angeblich-die-US-Wahl-manipulierenSie zeigen, welche Themen die angeblichen russischen Agenten ansprechen wollten, um die US-Gesellschaft zu polarisieren. Oft knüpften sie an vorhandene, legitime Konflikte an; etwa Proteste gegen Polizeigewalt. So war eine Plattform namens "Black Matters" offenbar von russischen Spionen gesteuert worden. - derstandard.at/2000067035013/Mit-diesen-Anzeigen-wollte-Russland-angeblich-die-US-Wahl-manipulieren

Für großes Aufsehen sorgt die aktuelle Veröffentlichung des US-Kongresses. Diese gewährt nämlich Einblicke in die mutmaßliche russische Propaganda, mit der die US-Wahl beeinflusst worden sein soll. Insgesamt wurden rund 3.000 Werbeanzeigen von Facebook übermittelt.

Diese betreffen auch die Plattform Instagram sowie den Nachrichtendienst Twitter. US-Geheimdienste waren sich bereits kurz nach der Präsidentschaftswahl sicher, dass Russland versucht hat, das Wahlergebnis zu beeinflussen.

Die bisher publizierten Werbeanzeigen spiegeln jene Themen wider, die die angeblichen russischen Agenten ansprechen wollten, um die Wählerschaft zu polarisieren, so etwa Proteste gegen Polizeigewalt. Die entsprechende Plattform namens "Black Matters" soll von russischen Spionen gesteuert worden sein.

Antimuslimische Ressentiments wurden ebenfalls unterstützt. Eine Gruppe namens "United Muslims of America" warb auf spezielle Weise für die Wahl von Hillary Clinton.

Antimuslimische Ressentiments wurden hingegen durch andere Werbeanzeigen und Facebook-Aktivitäten unterstützt. Eine Gruppe namens "United Muslims of America" warb etwa für die Wahl von Hillary Clinton. - derstandard.at/2000067035013/Mit-diesen-Anzeigen-wollte-Russland-angeblich-die-US-Wahl-manipulieren

Der Demokrat Mark Warner zeigte zudem Facebook-Anzeigen, die Hillary Clinton als eine Kontrahentin von Jesus Christus zeigen. Die verantwortliche Seite "Army of Jesus" hatte demnach mehr als 210.000 Likes.

Andere der veröffentlichen Facebook-Posts kamen auch auf Zehntausende Reaktionen und wurden mutmaßlich von viel mehr Nutzern gesehen.

Laut Facebook erreichten die Anzeigen auf Facebook und Instagram bis zu 146 Millionen Menschen. Zusätzlich zu den einzelnen Anzeigen haben die Demokraten nun auch zugehörige Daten publiziert, die beispielsweise zeigen, an wen die Werbung gerichtet und dass sie in russischer Währung bezahlt wurde.

Höher als zuerst gedacht

Nach Angaben von Facebook ist die Verbreitung der aus Russland stammenden Polit-Anzeigen zur Spaltung der US-Gesellschaft deutlich größer gewesen, als zunächst berichtet wurde. Facebook könne zugleich nicht sagen, wie viele von ihnen die Anzeigen bewusst wahrgenommen oder ungelesen durchgescrollt hätten. Die neue Schätzung von 146 Millionen Menschen berücksichtigt das Teilen von Inhalten durch Nutzer untereinander.

Direkt sei von 2015 bis 2017 die von der russischen "Internet Research Agency" gebuchte Werbung 11,4 Millionen Nutzern angezeigt worden. Bei Facebook kann man dafür bezahlen, dass Beiträge in den Nachrichtenstrom von Nutzern eingefügt werden.

Bei den russischen Anzeigen ging es darum, Spannungen zwischen sozialen und ethnischen Gruppen in den USA anzuheizen. So wurde dort zum Beispiel die Diskriminierung von Afroamerikanern kritisiert – aber auch die Angst vor muslimischen Einwanderern geschürt. Facebook hatte vor einigen Wochen erklärt, es seien Anzeigen für 150.000 Dollar (rund 130.000 Euro) entdeckt worden – nur ein Bruchteil der gesamten Wahlkampfausgaben in der Präsidentschaftskampagne 2016. Das Onlinenetzwerk machte zunächst aber keine Angaben dazu, wie viele Nutzer am Ende diese Werbung gesehen haben könnten.

Auch Twitter vor Kongress

Facebook hat in Nordamerika nach jüngsten Angaben 236 Millionen monatlich aktive Nutzer – und für Trump stimmten bei der Präsidentenwahl insgesamt knapp 63 Millionen Amerikaner. Die Facebook-Stellungnahme gehört zu einer Anhörung im US-Kongress zu russischen Aktivitäten in sozialen Medien im vergangenen US-Wahlkampf. Dazu ist am Mittwoch neben Facebook unter anderem auch Twitter geladen. Vertreter des Kurznachrichtendienstes würden den Abgeordneten mitteilen, dass nun rund 2.700 Profile mit Verbindung zur Internet Research Agency entdeckt worden seien, berichtete der Technologie-Blog "Recode" am Montag. Zunächst war von 200 Nutzerkonten die Rede gewesen.

US-Justiz: Vorgehen gegen russische Regierungshacker

Auch im Fall der Hacker-Angriffe gibt es Neuigkeiten: Die US-Justiz hat laut einem Zeitungsbericht mehr als sechs russische Regierungsmitarbeiter identifiziert, die an den Hackerangriffen während des US-Präsidentschaftswahlkampfs beteiligt gewesen sein sollen.

Die Ermittler hätten Beweismaterial über diese Verdächtigen zusammengetragen und könnten möglicherweise im kommenden Jahr formale Beschuldigungen gegen sie erheben, berichtete am Donnerstag die Zeitung "Wall Street Journal" unter Berufung auf Insider. Die Namen der Verdächtigen wurden nicht genannt. Die Hacker aus dem russischen Geheimdienst- und Militärapparat sollen dem Bericht zufolge an der Cyberattacke auf die Parteizentrale der US-Demokraten im vergangenen Jahr verwickelt gewesen sein.

Bisher keine Details

Die Cyberpiraten erbeuteten dabei Mailverkehr, der dann auf der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlicht wurde. Die Mails enthielten für die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton unangenehme Interna. Clinton macht die mutmaßlichen russischen Einmischungen für ihre überraschende Wahlniederlage gegen Donald Trump mitverantwortlich.

Die US-Geheimdienste waren bereits im Vorfeld der Wahl im November 2016 zu dem Schluss gelangt, dass die russische Regierung hinter den Hackerangriffen steckt, von denen auch Clintons Wahlkampfmanager John Podesta betroffen war. Sie haben aber bislang keine detaillierten Informationen dazu veröffentlicht, wie sie zu diesem Schluss gelangten. Die mutmaßlichen russischen Interventionen werden vom früheren Chef der Bundespolizei FBI, Robert Mueller, untersucht. Das Justizministerium setzte ihn als Sonderermittler ein. Auch mehrere Kongressausschüsse nehmen die russische Rolle im US-Wahlkampf unter die Lupe. In den Untersuchungen geht es vor allem auch darum, ob es Absprachen zwischen Moskau und Trumps Wahlkampfteam über die mutmaßlichen russischen Eingriffe gab.

Russland bestreitet

Auf Antrag Muellers wurde inzwischen gegen drei frühere Mitarbeiter des Trump-Teams Anklage erhoben, darunter gegen den früheren Kampagnenchef Paul Manafort. Die russische Regierung bestreitet unterdessen weiterhin jegliche Intervention bei den US-Wahlen. Auch Trump hat wiederholt angezweifelt, dass Moskau hinter den Hackerangriffen steckt. Die ganze Affäre bezeichnet er als gigantische "Hexenjagd", die vom Versagen Clintons und der Demokraten im Wahlkampf ablenken solle.

Das mögliche Vorgehen der US-Justiz gegen russische Regierungsmitarbeiter würde der Affäre eine zusätzliche Dimension verleihen. Formale Beschuldigungen, wie sie laut "Wall Street Journal" inzwischen erwogen werden, sind im US-Justizwesen die Vorstufe einer Anklageerhebung. Zwar sei es "höchst unwahrscheinlich", dass die betroffenen russischen Regierungsmitarbeiter von den US-Behörden festgenommen werden könnten, sagten mit den Untersuchungen vertraute Insider dem Blatt. Allerdings könne ihnen durch die juristische Verfolgung das Reisen erschwert werden.