© REUTERS/BRENDAN MCDERMID

Politik Ausland
02/23/2021

Wie El Chapos Frau den Kokain-Konzern weiterführte

Die Ehefrau des Drogenbosses wurde nun auch festgenommen. Sie gilt als "Erbin" des Imperiums.

von Tobias Käufer

Netflix hat Emma Coronel Aispuro (31) weltberühmt gemacht. Doch ihre Prominenz wird der Ehefrau von Drogenboss El Chapo (der Kurze) jetzt wohl nicht mehr helfen – zum Glück.

Kein mexikanisches Medium, das nicht mit einem Bild der wohl berühmtesten Kokain-Erbin auf die Nachricht des Tages reagierte. Emma Coronel Aispuro (31), Schönheitskönigin, Ehefrau des wohl ehemals mächtigsten und reichsten Drogenbarons der Welt, Joaquin „El Chapo“ Guzman, ist nun selbst ein Fall für die Gerichte. Ihre Verhaftung am Montag auf dem internationalen Flughafen Dulles nahe Washington in den USA gibt dem blutigen Drogenkrieg in Mexiko eine neue Wendung. Denn El Chapo wird von vielen armen Mexikanern immer noch wie ein Held verehrt. Mit Masken und anderen Gimmicks, wird „dem Kurzen“ gehuldigt.

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Die Beziehung der Eheleute Guzman war zentraler Bestandteil der global erfolgreichen Netflix-Serie „El Chapo“ gewesen, die – an tatsächlichen Ereignissen orientiert – gelegentlich auch einmal Fiktion mit Realität vermischte.

Emma Coronel spielte mit diesem Image, ließ sich auch mal mit Krone fotografieren, legte Wert auf aufwendigen Personenschutz und kokettierte mit ihrem Reichtum. Seit dieser Woche sieht es nun schlecht aus für die Zukunft des Ehepaares Guzman. Denn die US-Justiz wirft Coronel vor, ihrem Mann und Vater der neunjährigen Zwillingstöchter, bei einem seiner spektakulären Tunnel-Ausbrüche geholfen zu haben. Unter anderem soll sie Millionen Dollar Schmiergeld übergeben haben. Doch das ist nicht alles: Nach Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden deutet viel daraufhin, dass Coronel auch als Repräsentantin für das Sinaloa-Kartell tätig war und sich selbst aktiv im Drogenschmuggel engagierte.

Sie nahm in einem der brutalsten, unmenschlichsten und profitgierigsten Geschäfte dieses Planeten eine Art Erbinnenrolle ein.

Zerstückelte Leichen werden gefunden, ein Richter und seine Frau werden zu Hause erschossen, auf den Polizeichef der Hauptstadt wird ein Attentat verübt, bei einem Massaker in einer Entzugsklinik werden 27 Menschen getötet.  Vergangenes Jahr wurden laut offizieller Statistik im Schnitt fast 100 Menschen pro Tag in Mexiko ermordet. Trotz Corona-Krise ist es 2020 nicht weniger geworden.

Nach der Verhaftung der Frau El Chapos, werden dessen Söhne  im Sinaloa-Kartell noch mächtiger. Iván Archivaldo, Jesús Alfredo und Ovidio, bekannt als die Chapitos, müssen sich aber mit abtrünnigen Gruppen herumschlagen, etwa mit dem Cártel Jalisco Nueva Generación (CJNG) von Nemesio Oseguera Cervantes, genannt „El Mencho“. Für Hinweise, die zu El Menchos  Festnahme führen, bietet die US-Regierung zehn Millionen Dollar. 

Ein neueres Geschäft der Kartelle, die Milliarden umsetzen und weltweit vernetzt sind, ist derzeit der Schmuggel von Fentanyl, einem synthetischen Opioid, das 50-mal stärker ist als Heroin. Aber der Drogenhandel ist längst nicht die einzige Einnahmequelle der knapp 200 kriminellen Organisationen, die es nach einem Bericht des Forschungsinstituts International Crisis Group in Mexiko gibt. Darunter sind regionale Gruppen wie das Kartell Santa Rosa de Lima, das mit Benzindiebstahl  begann oder  dem Vertrieb von  Avocados.

 

 

 

Bis zu 3.000 Morde

Guzman, der 2017 an die USA ausgeliefert wurde und zu einer lebenslangen Haft ohne die Möglichkeit der Freilassung verurteilt wurde, soll zwischen 2.000 und 3.000 Morde selbst ausgeführt, verantwortet oder in Auftrag geben haben.

Zu aktiven Zeiten galt er als einer der reichsten Menschen der Welt. Aufgebaut hat der in armen Verhältnissen aufgewachsene Schulabbrecher das Kokain-Imperium auf die konservative Art und wie von seinem Lehrmeister Pablo Escobar (Kolumbien) vorgemacht: korrupt und gewalttätig.

Umstrittener Ruhm

Die Verhaftung Emma Coronels, noch wichtiger aber ihre mögliche Verurteilung, wäre ein wichtiger Erfolg für die Drogenfahnder in Mexiko als auch in den USA. Nicht nur aus dem juristischen Blickwinkel heraus. Denn der Ruhm durch die Netflix-Serie ist umstritten.

Nicht wenige junge Zuschauer sehen den Reichtum und die Macht der Kartelle als ein durchaus erstrebenswertes Ziel an, bewundern die Kartellbosse, die über Leichen gehen für ihren Lifestyle. Sie alle bekommen nun mit, dass dies auch Konsequenzen haben kann.

Für Joaquin Guzman bedeutete dies, dass er den Rest seines Lebens in einer Hochsicherheitszelle in einem fremden Land verbringen muss.

Ähnliches droht nun auch Emma Coronel, auch wenn ihr Anwalt Jeffrey Lichtman erklärte, sie werde auf „nicht schuldig“ plädieren. Nur Netflix könnte profitieren.

Mit einer vierten Staffel.

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