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Welt-Wohlstandsindikator hat erstmals Rückschritt verzeichnet

Direktor des UNO-Entwicklungsprogramms glaubt auch nicht mehr, dass die Nachhaltigkeitsziele der UNO erreichbar sind: "unrealistisch". Lösung: "Geld ausreichend vorhanden, muss nur umgeleitet werden"

01/22/2023, 08:14 AM

Um die Welt und konkret die UNO-Nachhaltigkeitsziele ist es nicht gut bestellt.

Zwar seien viele Fortschritte erzielt worden, doch diese fielen den multiplen Krisen der vergangenen Jahre zum Opfer. Umso wichtiger ist für den Belgier Steve Utterwulghe, Direktor des UNO-Entwicklungsprogramms (UNDP) für öffentliche Partnerschaften, globale Zusammenarbeit: "Wir können die Probleme nur gemeinsam lösen", sagt er im APA-Interview. Seinen Wien-Besuch der vergangenen Tage nutzte er, um intensiv dafür zu werben.

Polykrise - das neue Normal?

"Wir erleben eine Polykrise, und alle diese Krisen sind miteinander verbunden. Niemand kann sie alleine lösen. Die Staaten müssen zusammenkommen, um die Herausforderungen gemeinsam zu meistern", betont Utterwulghe. Die Rückschritte der vergangenen Jahre in einigen Ländern seien bedenklich, "das sollte uns allen Sorgen machen".

Rückschritte bei Entwicklungsindex

Zwei Jahre in Folge wurden erstmals in der Geschichte des Index der menschlichen Entwicklung (Human Development Index/HDI) des UNDP Rückschritte verzeichnet. Die zunehmenden globalen Turbulenzen haben in 90 Prozent der Länder zu beispiellosen Rückschlägen geführt.

Bei diesem Index "führt" Norwegen vor der Schweiz und Island, Japan, Deutschland, Hong Kong, Australien, Singapur, Kanada, USA, Dänemark und auf Platz 12: Österreich.

Der Human Development Index (HDI) ist ein von der Vereinten Nationen entwickelter Index, der die sozioökonomische Entwicklung eines Landes misst. Er berücksichtigt dabei drei Aspekte: die Lebenserwartung, das Bildungsniveau und das Pro-Kopf-Einkommen. Der HDI dient dazu, Länder miteinander zu vergleichen und ihre Entwicklung im Laufe der Zeit zu beobachten.

"Es ist unrealistisch zu glauben, dass wir nach all diesen Entwicklungen die Sustainable Development Goals (SDGs/Nachhaltigkeitsziele, Anm.) erreichen können. Uns bleiben dafür nur mehr sieben Jahre, bis 2030", so Utterwulghe. "Wir können den Zielen aber wieder näher kommen, sogar auf ein Vor-Covid-Niveau, das haben auch wissenschaftliche Berechnungen bestätigt", ist der Belgier um Optimismus bemüht.

Mehr grün, mehr digital

Das UNO-Entwicklungsprogramm will spezielle Bereiche wie etwa "grüne Transformation" oder "Digitalisierung" gezielt fördern, um damit eine "exponentielle Beschleunigung" der nachhaltigen Entwicklung zu erreichen. Das Projekt "SDG Push" soll zunächst in fünf Ländern durchgeführt werden.

Natürlich braucht es, um den Plan der im Jahr 2015 beschlossenen Nachhaltigkeitsziele, weiter zu verfolgen, auch ausreichend finanzielle Mittel. Doch es sei gar nicht "das Geld, das fehlt", meint Utterwulghe. Die Corona-Pandemie oder der Ukraine-Krieg hätten gezeigt, dass genügend Geld vorhanden sei, es müsse nur "umgeleitet werden", so der UNO-Spitzendiplomat etwa mit Blick auf die milliardenschweren Hilfen für die Ukraine.

Den Beitrag Österreichs als Geber von Entwicklungshilfe und "Vorreiter" in einigen Bereichen der UNO-Nachhaltigkeitsziele schätze er sehr. Auch wenn die Quote für die öffentliche Entwicklungshilfeleistungen (ODA) 2021 nur bei 0,31 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) und damit unter dem OECD-Durchschnitt lag - die Strategie, mit den eingesetzten Mitteln, die maximale Wirkung zu erzielen, sei eine "willkommene". "Und ich habe gehört, dass es einen Plan gibt, die Mittel bis 2030 auf 0,7 Prozent zu erhöhen. Diese Bestreben schätzen wir."

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