Der Wunsch nach zwei Kindern ist da – aber sie sind zu teuer

Kinder in einem Park in Fuyang in der ostchinesischen Provinz Anhui.
Wo auf der Welt welche Maßnahmen die Geburtenrate ankurbeln sollen. Und warum es (nicht) gelingt.

Ohne jegliche Migration wird Europa mittelfristig von der Last der nach oben hin immer breiter werden Bevölkerungspyramide erschlagen. Kein einziger EU-Staat erreicht die für den Erhalt der Bevölkerung notwendige Marke von 2,1 Geburten pro Frau, die durchschnittliche EU-Bürgerin bringt gerade einmal 1,38 Kinder zur Welt. Am gebärfreudigsten sind noch die Bulgarinnen mit durchschnittlich 1,8 Nachkommen; in Malta ist die Fertilitätsrate mit 1,06 am niedrigsten. Europäische Frauen bekommen nicht nur weniger Kinder, sondern auch später, im Schnitt mit 31 Jahren.

Versuche, mit Maßnahmen wie einem großzügig bezahlten Mutterschaftsurlaub (in Bulgarien bis zu drei Jahre) oder stark subventionierter Kinderbetreuung dem Trend entgegenzusteuern, gibt es vielerorts. Besonders stark tut das die nationalkonservative Regierung in Ungarn: Sie befreit Frauen mit mindestens drei Kindern lebenslang von der Einkommenssteuer, Großfamilien erhalten günstigere Zinssätze beim Wohnungskauf.

Steuererlass in Ungarn, liberales Frankreich

Die Geburtenrate hat sich unter Viktor Orbán leicht erhöht, von 1,25 (2010) auf 1,53 (2016) und schwankt seitdem zwischen 1,5 und 1,6. Doch auch die dritthöchsten Geburtenrate in der EU konnte nicht verhindern, dass die Bevölkerungszahl zuletzt unter die psychologisch relevante Schwelle von 9,5 Millionen Menschen fiel. Der Grund: Abwanderung und fehlende Zuwanderung.

In Frankreich lag die Geburtenrate lange auf einem vergleichsweise hohen Niveau.

In Frankreich lag die Geburtenrate lange auf einem vergleichsweise hohen Niveau.

In skandinavischen Ländern wie Schweden und in Frankreich liegt die Geburtenrate ähnlich bei 1,5 und ist am Sinken, jedoch von einem lange hohen Niveau zwischen 1,98 und 1,7 Kindern pro Frau in den 2010er-Jahren. Soziologen führen die vergleichsweise hohen Raten auf flexiblere und liberalere Familiennormen zurück – viele Frauen sind aufgrund der gesellschaftlich akzeptierten frühen Kinderbetreuung nur wenige Monate nach der Geburt schon wieder berufstätig, und werden dafür nicht als "schlechte Mütter" angeprangert.

Nur Afrika wächst

Das Phänomen ist weltweit zu beobachten, grob lässt sich sagen: Je weiter ein Staat wirtschaftlich entwickelt ist, desto niedriger ist die Geburtenrate. Afrika ist der einzige Kontinent, dessen Bevölkerung noch wächst (4,05 Kinder pro Frau). Im Rest der Welt ist die Geschichte fast immer dieselbe: Die meisten Familien wünschen sich Studien zufolge mindestens zwei Kinder, entscheiden sich aber aufgrund immer längerer Ausbildungszeiten, immer höherer Arbeits- und Kostenbelastung dagegen.

Am deutlichsten zeigt sich das in Ostasien: Japan (1,23), China (1,02), Singapur (0,96) und Taiwan (0,86) weisen einige der niedrigsten Geburtenraten der Welt auf, Südkorea (0,75) bildet das globale Schlusslicht. In all diesen Ländern sind lange Arbeitszeiten und wenig Urlaubstage üblich, die Lebenskosten zudem extrem hoch: Ein Kind verschlingt in Japan bis zum 18. Lebensjahr im Schnitt 4,26 durchschnittliche Jahresgehälter; in China 6,3, in Südkorea sogar 7,79.

In China ist die Lage besonders dramatisch: Lange das bevölkerungsreichste Land der Welt, verzeichnete die Volksrepublik 2025 die wenigsten Geburten seit der Staatsgründung 1949: 7,92 Millionen. Das sind nur 5,6 Kinder pro 1.000 Einwohner.

Chinas Männerüberschuss

Der Hauptgrund dafür liegt in der Ein-Kind-Politik: Zwischen 1979 und 2015 erlaubte der Staat Familien nur in Ausnahmefällen, mehr als ein Kind zu bekommen, um die Versorgungssicherheit im Land zu gewährleisten. Die Folgen waren verheerend: Vor allem auf dem Land bevorzugten die meisten Familien Söhne, ca. 30 Prozent aller Mädchen wurden abgetrieben. Heute besteht somit ein enormes Geschlechter-Ungleichgewicht, auf 100 Frauen kommen 115 Männer (51,24 Prozent), was einen Männerüberschuss von ca. 35 Millionen bedeutet. Die vielen, zwangsläufig alleinstehenden Männer werden in China "kahle Äste" genannt.

Der Staat versucht längst, mit finanziellen Anreizen für Mehrkindfamilien gegenzusteuern, doch vergeblich – auch hier zeigt sich eine globale Gemeinsamkeit: In die Familienplanung des Volkes lässt sich nicht so einfach hineinregieren.

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