© APA/AFP/POOL/PETER NICHOLLS

Analyse
12/04/2019

Was die NATO von einem chinesischen General lernen kann

Am 70. Geburtstag der NATO scheiden sich zwischen den Staatschefs die Geister. Trump beschimpfte Trudeau als "doppelzüngig".

von Armin Arbeiter

„Wenn Du Deinen Feind kennst und dich selbst kennst, brauchst du das Ergebnis von hundert Schlachten nicht zu fürchten“, schrieb der chinesische General Sunzi in seinem Werk „Die Kunst des Krieges“.

Rund 2.500 Jahre später versucht die NATO, genau diesen Feind auszumachen – doch derer gibt es viele. „Es ist der internationale Terrorismus“, ist der französische Präsident Emmanuel Macron überzeugt. Dem widersprach der litauische Präsident, Gitanas Nauseda – Russland sei die größte Bedrohung. Gleichzeitig veröffentlichten die Staats- und Regierungschefs der NATO-Staaten eine Gipfelerklärung, in der erstmals Sunzis Nachfahren – die Volksrepublik China – als Bedrohung eingestuft werden.

Doch nicht nur die Definition des „größten Feindes“ sorgte am 70. Geburtstag des Verteidigungsbündnisses für Diskussionen: US-Präsident Donald Trump und Macron lieferten sich einen Schlagabtausch über die NATO – mit ungewohnten Rollen. Während Macron seine Kritik („hirntot“) an der NATO verteidigte, verteidigte Trump das Bündnis, das er ansonsten immer hart kritisiert hatte.

Zusätzliches Öl in die lodernden Debatten goss der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der eine Unterstützung seiner Nordsyrien-Offensive forderte. Ansonsten werde die Türkei weitere NATO-Hilfe für die baltischen Staaten blockieren.

Es schien, als hätte der britische Premier Boris Johnson seinen Sunzi bei sich gehabt, als er am Mittwoch beschwichtigend meinte: „Es gibt sehr viel mehr, das uns eint als das uns trennt“, die NATO stehe in „felsenfester Einheit“ zusammen. „Säe Zwietracht zwischen Deinen Feinden“, empfiehlt General Sunzi.

Zu diesem Zeitpunkt war bereits ein Video aufgetaucht, in dem Johnson mit einigen Amtskollegen – darunter dem kanadischen Premier Justin Trudeau und Macron -  zusammensteht, um über Trumps lange Pressekonferenz zu witzeln.

einen Twitter Post Platzhalter.

Wir würden hier gerne einen Twitter Post zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Twitter zu.

Bei einem persönlichem Angriff auf diesem Level wollte sich der US-Präsident nicht zweimal bitten lassen. Zum Abschluss sagte er noch in Richtung Trudeau, dass dieser "doppelzüngig" sei. Trudeau sei nur unzufrieden gewesen, weil Trump ihn auf unzureichende Verteidigungsausgaben angesprochen habe. Seine eigentliche Pressekonferenz zum Abschluss des Spitzentreffens sagte Trump am Mittwoch kurzerhand ab, "weil wir so viele in den vergangenen zwei Tagen gemacht haben", schrieb Trump auf Twitter.

Damit verstieß auch Trump gegen eine wichtige Regel Sunzis: "Wenn Dich Dein Feind hinterrücks lästert, so lobe ihn angesichts".

 

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.