Politik | Ausland
26.05.2017

Weiß-blaue Merkel-Fans

Ein Club aus CSU-Granden wie Theo Waigel unterstützt Merkel.

Einfach hat man es nicht mit dieser CSU. Zuerst das Geschimpfe über die "Herrschaft des Unrechts" und die "permanenten Rechtsbrüche" von Angela Merkel, und jetzt: ein Fanclub für die ungeliebte Kanzlerin?

Ja, dass das etwas komisch klingt, ist den Herren am Podium durchaus klar. Ex-Finanzminister Theo Waigel, der Mann mit den markanten Augenbrauen, sagt bei der Präsentation der Wählerinitaive für Angela Merkel deshalb gleich, dass das im "Einvernehmen mit der Partei" geschehe; Horst Seehofer sei als einer der ersten informiert worden, setzt er im Münchner Presseclub nach.

Freilich: Wenn die einen meinen, Merkel sei "Simply the best", und andere versichern, sie stünden voll hinter ihr, weil sie sich "in Würde abkanzeln ließ", so sind das veritable Spitzen gegen den jetzigen Parteichef. Dass er sie bei seinem Parteitag während der Flüchtlingskrise aussehen ließ wie ein Schulmädchen, hat sie ihm bis heute nicht verziehen; das war auch kürzlich bei einer ihrer seltenen Visiten in München spürbar. Zu zweit am Podium sah man die beiden Parteichefs nicht; Seehofer stichelte vom Publikum aus, Merkel verzog keine Miene.

"Brücke bauen"

Dass Waigels Altherren-Club jetzt eine Kampagne für Seehofers ewige Feindin startet, hat aber weniger parteiinterne Gründe denn wahltaktische. Denn in Bayern gibt es mehr Menschen, die sich hinter Merkel stellen, als man glauben möchte – nur wählen können sie die CDU-Chefin nicht. Wer in Bayern lebt und Merkel als Kanzlerin will, muss im Herbst die CSU wählen; und wer sie nicht will, aber die CSU schon, bekommt Merkel mitgeliefert. "Wir bieten uns als Brücke an", sagt Waigel deshalb.

Ein Dilemma, das es aufzulösen gilt, befindet Rainer Roth, Rechtsanwalt aus Nürnberg. Er, früher SPD-Mitglied, später widerwilliger FDP- und CSU-Wähler, würde gerne sein Kreuz bei Merkels CDU machen, gerade wegen ihrer Flüchtlingspolitik, wie er in Interviews sagt. Gemeinsam mit seiner Frau, die schon in jungen Jahren mit einer öffentlichen Rebellion gegen CSU-Urgestein Franz Josef Strauß für Schlagzeilen gesorgt hatte, will er vor Gericht das Recht auf eine bayerische CDU erstreiten – allein, bisher sind die beiden gescheitert. Auch Michael Kosmala, ein Ex-CSUler, hat Ähnliches erlebt, als er im Frühling einen CDU-Landesverbands in Bayern gründen wollte. Ihm machte jedoch nicht nur das Gericht einen Strich durch die Rechnung, sondern auch die Bundes-CDU – sie ließ seine Initiative im Netz verbieten.

Arbeitsteilung

Warum man in Berlin so drastisch auf die eigentlich gut gemeinte Unterstützung reagiert, hat simple Gründe – und die haben wiederum mit Seehofer zu tun. Denn obwohl der Bruch zwischen ihm und Merkel echt ist, sichert er mit seiner kritischen Position nach rechts hin ab; und Merkel kann währenddessen im Lager der liberalen Wähler fischen – obschon die CDU ihren Wahlkampf auf innere Sicherheit und Überwachung trimmt, gilt Merkel noch immer als das freundliche Gesicht der Flüchtlingspolitik. Eine eigene Bayern-CDU würde eine Auflösung dieses Gespanns bedeuten – und damit auch gegenseitige Konkurrenz.

Das ist den Beteiligten klar. Seehofer nimmt es deshalb auch gelassen, als er gefragt wird, ob er Waigels Initiative nicht unterstützen wolle: "Ich brauche da nicht beitreten. Ich marschiere ja meilenweit voraus", sagt er. Ob man das sarkastisch nimmt oder nicht, bleibt einem selbst überlassen.