In den Badeorten bleiben die Stammgäste aus Österreich heuer aus

© EPA/ANTONIO BAT

Reportage
07/05/2020

Wahl in Kroatien: Der Corona-Bonus hat tatsächlich gewirkt

Das Kalkül des Premiers ist beim vorgezogenen Urnengang aufgegangen: Die regierende HDZ ist erneut stärkste Kraft.

von Uwe Mauch

Katarina sitzt gebannt vor ihrem Fernseher, als nach 19 Uhr die ersten landesweiten Hochrechnungen verlautbart werden. Die Pensionistin lebt in einer kleinen Wohnung im Osten der kroatischen Hauptstadt Zagreb. Und es tut hier nichts zur Sache, für welche Partei sie heute gestimmt hat. Interessant ist nur, dass sie jetzt einer US-Krimiserie den Vorzug gibt.

Nur nebenbei nimmt sie daher zur Kenntnis, dass auch dieser Wahlabend zu einem Krimi wird.

Entgegen der Prognosen hält die regierende konservative HDZ (Hrvatska Demokratska Zajednica, Mitglied der Europäischen Volkspartei) ihren Mandatstand. Am Ende wird die Partei von Andrej Plenković sogar deutlich vor der „Restart Koalition“ liegen, die der wenig beliebte Sozialdemokrat Davor Bernardić angeführt hat.

Nur der Einzug des Volksliedsängers Miroslav Škoro mit seiner „Heimatbewegung“ in den Zagreber Sabor (Parlament) entlockt Katarina eine Geste der Ablehnung. Wie erwartet könnte Škoros Domovinski Pokret in einer künftigen Regierung vertreten sein.

Katarina begründet ihre Politikverdrossenheit so: „Keine von diesen Parteien wird dafür sorgen, dass ich mehr Pension bekomme.“ Die Akademikerin lebt nach einem arbeitsreichen Berufsleben in einem kroatischen Konzern von weniger als 600 Euro Pension pro Monat. Weihnachts- und Urlaubsgeld? „Gibt es bei uns nicht.“

Mittelfinger für Škoro

Immerhin machte sie am Vormittag von ihrem Wahlrecht Gebrauch, im Gegensatz zu vielen Landsleuten. Die Wahlbeteiligung von weniger als 50 Prozent erreichte erneut einen Negativrekord.

„Vor allem die noch immer weitverbreitete Vetternwirtschaft im Land hielt viele Kroaten von der Wahl ab“, so ein hochrangiger österreichischer Diplomat in Zagreb. Dass die langjährige Regierungspartei HDZ im Wahlkampf gegen Korruption gewettert hat, mag nicht allen im Land geschmeckt haben.

Der Wahlkampf war ebenso kurz wie ereignislos. De facto erhitzten sich nur zwei Mal die Gemüter: 14 Tage vor der Wahl streckten unzählige Frauen, darunter auch Ex-Präsidentin Kolinda Grabar Kitarović, in den sozialen Medien ihren Mittelfinger aus. Dieser galt dem strammen Polit-Quereinsteiger Miroslav Škoro, der das Recht auf Abtreibung selbst nach einer Vergewaltigung infrage stellt.

Dann musste sich Premier Plenković dafür verteidigen, dass er nach einem „Meet and Greet“ mit dem serbischen Tennisstar Novak Djoković in Zadar seine Wahlkampftour fortsetzte. Djoković hatte zuvor bekannt gegeben, dass er sich bei dem von ihm organisierten Tennisturnier mit dem Coronavirus infiziert hat.

Ganz andere Sorgen

An den meisten Kroaten ging dieses Polit-Hickhack jedoch vorbei. Sie haben andere Sorgen. Katarina hatte Glück im Unglück: Ihre kleine Wohnung wurde beim Erdbeben am 22. März nicht beschädigt. Zehntausende in Zagreb verloren an jenem Sonntag buchstäblich das Dach über ihrem Kopf. Viele können noch immer nicht in ihre Wohnung zurück, leben in engen Ausweichquartieren.

Weniger Österreicher

Noch mehr Menschen bangen landesweit um ihren Arbeitsplatz, der vom Tourismus abhängt. Der zuständige Minister Gari Cappelli hatte im Interview mit dem KURIER erklärt: „Wenn wir ein Drittel des Umsatzes des Rekordjahres 2019 schaffen, dann sind wir gut, sehr gut sogar.“

Das war allerdings noch, bevor die Corona-Infektionszahlen in Kroatien wieder anstiegen. Schmerzlich registrieren unzählige Hotel- und Campingplatzbetreiber sowie private Zimmervermieter das Ausbleiben der Stammgäste aus Österreich. Bis zur Vorwoche schien der wirtschaftliche Schaden einigermaßen überschaubar, weitere Stornos wären nun katastrophal.

Auch Katarina sieht am Ende eines langen Wahltags unsicheren Zeiten entgegen. Premier Plenković hat auf den Corona-Bonus seiner Regierung gesetzt – und gewonnen. Für Katarina hat er nach dem Lockdown „einen guten Job gemacht“. Vor der ökonomischen Krise im Herbst fürchtet sie sich dennoch.

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