Politik | Ausland 25.02.2015

Geld und gewaltiger Druck für Charlie-Hebdo-Team

Ein Dschihadist, der Papst, ein Banker, Ex-Präsident Sarkozy, Rechtspopulistin Marine Le Pen – sie alle jagen "Charlie Hebdo". © Bild: REUTERS/ERIC GAILLARD

So viele Käufer hatte das Satire-Magazin "Charlie Hebdo" noch nie. Aber die Angst ist jetzt immer da.

Mit 2,5 Millionen Exemplaren kam Charlie Hebdo am Mittwoch auf den Markt. Die Nachfrage war groß, aber die Franzosen rissen den Verkäufern die Magazine nicht mehr aus der Hand wie gleich nach dem Anschlag am 7. Jänner mit zwölf Toten. Ein paar Wochen haben die Überlebenden des Satire-Magazin danach pausiert, so weit das möglich war. Sie leben unter Polizeischutz, traumatisiert und mit Drohungen von islamistischen Fanatikern. Erst am Wochenende hatte eine französisch-marokkanische Mitarbeiterin neue Morddrohungen erhalten.

Albträume, jede Nacht

Der neue Herausgeber Laurent Sourisseau, besser bekannt als Riss, lebt ebenfalls in Todesangst, wie er im französischen Radio erzählt hat. Er war beim Anschlag während der Redaktionssitzung angeschossen worden. "Im Krankenhaus fürchtete ich, dass die Täter zurückkehren und mich erschießen könnten." Diesen Albtraum durchlebe er jede Nacht aufs Neue. Insofern könne er gut verstehen, dass er auf der Suche nach dringend nötigen neuen Mitarbeitern so oft auf Angst stoße. "Sie fragten, ob sie an den Redaktionskonferenzen teilnehmen müssten oder unter einem Pseudonym veröffentlichen dürfen." Der künftige Redaktionssitz wird junge Talente auch nicht gerade anlocken. Ein Gebäude, das infrage kommt, wird von Parisern als eine Mischung aus Bunker und Luftschutzkeller beschrieben.

Dabei ist der Druck groß: Wurden vor dem Attentat insgesamt nur 60.000 Stück gedruckt, gibt es jetzt 200.000 neue Abonnenten – und sie sollen jede Woche ein Heft bekommen. Zum Neustart war ein Cover mit Ex-Präsident Sarkozy geplant. Aber dann fielen die Schüsse in Kopenhagen. Jetzt zeigt das Titelblatt mit dem Satz "Es geht wieder los" eine Meute von Hunden in Gestalt von Sarkozy, der Rechtspopulistin Marine Le Pen, dem Papst und einem bewaffneten Islamisten. Sie alle jagen einen kleinen Kläffer mit einem Charlie Hebdo-Heft im Maul.

Die Satiriker plagt noch ein ganz anderes Problem: zu viel Geld. Einen Teil bekommen die Hinterbliebenen, ein Teil soll in eine Stiftung für Talente fließen. Doch es bleiben Millionen-Erlöse der verkauften Millionenauflagen. Eine Neuaufteilung der Anteile ist heikel. "Diese Millionen sind ein Albtraum, sie können uns töten", warnte Patrick Pelloux bereits.

Erstellt am 25.02.2015