Lateinamerika: Wo die Trumpisten regieren, und wer (noch) dagegenhält
US-Präsident Donald Trump erhält in der Region immer mehr Zuspruch und Zulauf
Sie sind die beiden politischen und wirtschaftlichen Schwergewichte Südamerikas, und unterschiedlicher könnten die Reaktionen auf den nächtlichen US-Militärschlag gegen Venezuela nicht sein. "Die Bombardierung von venezolanischem Gebiet und die Gefangennahme seines Präsidenten (Nicolas Maduro samt Verschleppung nach New York; Anm.) überschreiten auf inakzeptabel Weise eine Grenze“, schrieb der linksgerichtete brasilianische Staatschef Luiz Inacio Lula da Silva auf der Plattform X. Dort kommentierte auch der Präsident Argentiniens, Javier Milei, im (Schreib-)Stil seines großen Vorbildes Donald Trump die Kommandoaktion: "DIE FREIHEIT SCHREITET VORAN. ES LEBE DIE FREIHEIT VERDAMMT NOCH MAL.“
Lateinamerika und ihre Bevölkerungen seien "tief gespalten", meint dazu der kolumbianische Politologe Andres Londono Nino im Gespräch mit der APA. Wobei hinzuzufügen ist, dass das Pendel zuletzt eindeutig in Richtung der „Latino-Trumpisten“ ausschlug. "Kettensägen“-Milei ist längst nicht mehr der einzige Fan von US-Staatschef Donald Trump in der Region.
Trump-Fan: Argentiniens Präsident Javier Milei
Jüngstes Beispiel – Honduras. Dort setzt sich der rechtskonservative Nasry Asfura bei der Präsidentschaftswahl zwar hauchdünn, aber letztendlich doch durch. Er war der erklärte Wunschkandidat des Herrn im Weißen Haus in Washington.
Zuvor war Chile gekippt: Am 14. Dezember setzte sich mit Jose Antonio Kast ein Nationalkonservativer durch, der auf gleicher Wellenlänge wie Donald Trump sendet. Noch allerdings ist es nicht so weit. Voraussichtlich wird er den linksgerichteten Präsidenten Gabriel Boric erst im heurigen März ablösen. Und so konnte dieser noch als offizieller Staatschef die US-Schläge verurteilen: "Als chilenische Regierung bringen wir unsere Besorgnis und Verurteilung der militärischen Aktionen der Vereinigten Staaten in Venezuela zum Ausdruck und fordern eine friedliche Lösung.“
Auch mit einem anderen Wahlausgang im „Hinterhof“ hatte die Trump-Administration im Vorjahr Grund zur Freude. In Bolivien wurde die sozialistische Partei von Langzeitregenten Evo Morales nach fast 20 Jahren an der Macht geradezu pulverisiert. Der neue Machthaber, der Christdemokrat Rodrigo Paz, reiste gleich nach seiner Amtseinführung zu den bis dato geächteten "Yankees“ – um einen Deal für die riesigen Lithium-Vorkommen des Andenstaates anzubahnen.
Neoliberaler Rechter
Ecuador wird seit 2023 von Daniel Noboa geführt, Sohn eines der reichsten Männer des Landes. Er versteht sich zwar als Mitte-Links-Politiker und war zu Beginn seiner Karriere ein Bewunderer des brasilianischen Präsidenten Lula. Doch seine jetzige Praxis weist ihn als lupenreinen neoliberalen Rechten aus. Und als Parteigänger von Donald Trump. Diesem diente er sich insofern an, als er zwei US-Militärbasen wieder eröffnen wollte. Allerdings machte ihm die Bevölkerung bei einem Referendum eine Strich durch die Rechnung.
In Zentralamerika hat der US-Präsident mit Nayib Bukele, der sich gerne als "coolsten Diktator der Welt“ bezeichnet, einen bedingungslosen Gefolgsmann. Dementsprechend nannte Trump den Staatschef von El Salvador, der unter der Vorgänger-Administration von Joe Biden wegen mutmaßlicher Menschenrechtsverletzungen als Gesprächspartner gemieden worden war, einen "höllisch guten“ Präsidenten, der ihm noch dazu abgeschobene Migranten abnimmt und sie in Brutalo-Gefängnisse steckt.
Best friends: El Salvadors Präsident Bukele bei Donald Trump
In Brasiliens Lula sieht er genau das Gegenteil von Bukele: Weil in dem Riesenland am Amazonas dem rechtspopulistischen Vorgänger Jair Bolsonaro wegen Umsturzversuches nach dessen Wahlniederlage der Prozess gemacht worden war (27 Jahre Haft), holte Trump die Zoll-Keule aus dem Sack und brummte Brasilien 50 Prozent Einfuhrabgaben auf – um später freilich viele Ausnahme gewähren zu müssen, etwa für Kaffee.
Im Clinch mit Washington: Brasiliens linksgerichteter Präsident Lula
Gemeinsam mit Kolumbien bildet Brasilien das letzte relevante linke Bollwerk in Südamerika. Allerdings finden in beiden Staaten heuer Präsidentschaftswahlen statt – Ausgang ungewiss.
Weiter nördlich haben nun die linken Diktaturen in Nicaragua und Kuba mit Venezuela den wichtigsten Verbündeten und Energielieferanten verloren. Ob sie in einer "Stand-alone“-Variante überleben können? Auch hier heißt es: Ausgang ungewiss.
Bleibt noch Mexiko, direkter Nachbar der USA im Süden. Hier setzt Präsidentin Claudia Sheinbaum die linke Politik ihres Vorgängers Andres Manuel Lopez fort. Und ist im Fadenkreuz von Donald Trump. Dessen Begründung: Sie tue viel zu wenig, um die illegale Migration über das von ihr regierte Land in die USA zu stoppen. Und auch der Schmuggel von Drogen aus Mexiko nach Amerika sei inakzeptabel – zwei Vorwürfe, die das Weiße Haus auch gegen Kanada im Norden erhebt. Strafmaßnahmen in Form von Trumps Lieblingsinstrument sind die Folge: Zölle.
Mexikos Staatschefin Claudia Sheinbaum
Wobei die Spannungen zwischen den USA und Mexiko beziehungsweise Kanada heuer eine besondere Brisanz erlangen: Alle drei Länder gemeinsam richten die Fußball-Weltmeisterschaft aus.
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