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„Wie in einem Horrorfilm“: Zwei schwere Erdbeben in Venezuela

Die Erschütterungen mit Stärken von 7,2 und 7,5 ereigneten sich in geringer Tiefe, weshalb mit massiven Schäden und Todesopfern zu rechnen ist.
TOPSHOT-VENEZUELA-EARTHQUAKE

Zusammenfassung

  • Zwei schwere Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 haben Venezuela erschüttert, der Notstand wurde ausgerufen und massive Schäden sowie viele Todesopfer werden befürchtet.
  • Nach ersten Angaben starben mindestens 188 Menschen, über 1.500 wurden verletzt, zahlreiche Gebäude stürzten ein und Rettungskräfte suchen weiter nach mehr als 200 Verschütteten.
  • Die USGS hält 10.000 bis 100.000 Todesopfer für möglich, während internationale Hilfe anläuft und auch Nachbarstaaten Unterstützung zugesagt haben.

Innerhalb von einer Minute haben zwei sehr starke Erdbeben Venezuela erschüttert. Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke der Erschütterungen mit 7,2 und 7,5 an. Das zweite Beben, 39 Sekunden nach dem ersten, ereignete sich in einer Tiefe von nur 10 Kilometern, weswegen mit massiven Schäden und Todesopfern zu rechnen ist. 

Die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez rief in einer Ansprache den Notstand aus. Sie sprach von einem „Vorfall mit schwerwiegenden Folgen“. Das doppelte Erdbeben sei eine „wahrhafte Tragödie“ für Venezuela. „Dutzende Gebäude sind eingestürzt, und wir arbeiten derzeit unter Hochdruck an der Rettung von Menschen“, sagte Rodriguez. 

Ersten Erkenntnissen zufolge sind mindestens 188 Menschen ums Leben gekommen und über 1.500 weitere verletzt worden. Die Rettungskräfte suchen unter den Trümmern nach zahlreichen Verschütteten - laut letzten Angaben etwa 200 Personen. Eine von der Opposition im Ausland eingerichtete Website zur Suche nach Vermissten listete am Donnerstag gegen 02.00 Uhr Ortszeit mehr als 6.600 Menschen auf, deren Verbleib ungeklärt war. 

Bis zu 100.000 Todesopfer

Das Epizentrum des ersten Bebens am Mittwoch um 18.04 Uhr lag den Angaben zufolge 24 Kilometer östlich von San Felipe entfernt im Nordwesten des südamerikanischen Landes in einer Tiefe von 21,9 Kilometern. Das zweite Erdbeben ereignete sich nur wenige Kilometer weiter nördlich. Allein in den relativ nahen Städten Puerto Cabello und San Felipe leben nach USGS-Angaben zusammen etwas mehr als 400.000 Menschen.

Die Beben ereigneten sich an einem gesetzlichen Feiertag zur Unabhängigkeit des Landes, weshalb sich viele Venezolaner in ihren Häusern aufhielten. „Hohe Opferzahlen und umfangreiche Schäden sind wahrscheinlich“, teilte USGS mit. Die US-Geologiebehörde schätzt die Zahl der möglichen Todesopfer auf 10.000 bis 100.000. Priorität hätten nun die Rettungsarbeiten, sagte Rodríguez.

Besonders betroffen ist der Bundesstaat La Guaira. Hier gebe es noch keine Opferzahlen, sagte Rodríguez. Der Bundesstaat an der Karibikküste sei „ein Katastrophengebiet“. 

Fotos und Videos zeigten an mehreren Orten eingestürzte Gebäude. Der Zugverkehr im Land wurde eingestellt, der internationale Flughafen der Hauptstadt Caracas wurde wegen Schäden geschlossen. In Krankenhäusern wie dem Hospital de Clinicas in Caracas wurde das Personal für die Nachtschicht verdoppelt, um die Verletzten zu versorgen. Der Unterricht an den Schulen fällt für den Rest der Woche aus. 

„Es war fürchterlich“

In der Hauptstadt Caracas waren die Beben heftig zu spüren. Laut Videos von Augenzeugen waren Feuerwehren in den Straßen von Caracas im Einsatz, die Fassaden einiger Gebäude wurden schwer beschädigt. „Mehrere Wände in meinem Gebäude sind aufgebrochen oder haben Risse bekommen“, sagte eine Augenzeugin in Valencia, westlich von Caracas. „Sobald es zu wackeln aufgehört hat, haben mein Mann und ich das Haus verlassen.“ Die Erschütterungen des Bebens waren auch in Kolumbien zu spüren.

„Ich habe noch nie in meinem Leben so viel Angst gehabt, es war fürchterlich“, berichtete eine 57-Jährige aus dem Osten der Millionenmetropole, die knapp 200 Kilometer von dem Epizentrum der Beben entfernt ist.

Aftermath of an earthquake in La Guaira

Zwei schwere Erdbeben in Venezuela

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Zwei schwere Erdbeben in Venezuela

Aftermath of earthquakes in La Guaira

Zwei schwere Erdbeben in Venezuela

Aftermath of earthquakes in La Guaira

Zwei schwere Erdbeben in Venezuela

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Zwei schwere Erdbeben in Venezuela

Aftermath of earthquakes in Caracas

Zwei schwere Erdbeben in Venezuela

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Zwei schwere Erdbeben in Venezuela

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Zwei schwere Erdbeben in Venezuela

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Zwei schwere Erdbeben in Venezuela

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Zwei schwere Erdbeben in Venezuela

Aftermath of an earthquake in Caracas

Zwei schwere Erdbeben in Venezuela

Aftermath of an earthquake in Valencia

Zwei schwere Erdbeben in Venezuela

Aftermath of an earthquake in Caracas

Zwei schwere Erdbeben in Venezuela

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Zwei schwere Erdbeben in Venezuela

Powerful earthquakes strike Venezuela

Zwei schwere Erdbeben in Venezuela

Aftermath of an earthquake in Caracas

Zwei schwere Erdbeben in Venezuela

Powerful earthquakes strike Venezuela

Zwei schwere Erdbeben in Venezuela

Powerful earthquakes strike Venezuela

Zwei schwere Erdbeben in Venezuela

Aftermath of an earthquake in Caracas

Zwei schwere Erdbeben in Venezuela

„Bei uns in der Nähe sind zwei Hochhäuser eingestürzt, am Nachbargebäude fehlen Wände“, ergänzte sie. Ihr Hochhaus sei aber weitgehend verschont geblieben. In ihrer Wohnung seien Möbel umgestürzt und Bilder von den Wänden gefallen, alles sei voller Scherben. Die Erschütterungen seien so stark gewesen, dass sie und ihr Mann zunächst gar nicht aus dem Zimmer gekommen seien. Zusammen mit Nachbarn seien sie dann schließlich auf die Straße gerannt. Zwei Bewohner hätten aus dem Aufzug befreit werden müssen. Nach den Beben sei stundenlang der Strom ausgefallen, auch das Mobilfunknetz habe nicht funktioniert.

„Als wir nach draußen liefen, sah es aus wie in einem Horrorfilm“, sagte eine Anrainerin in Caracas. Eine andere Augenzeugin berichtete, sie habe kurz vor den Erschütterungen eine Warnung auf ihrem Mobiltelefon erhalten. „Als ich es in die Hand nahm, spürte ich zuerst ein leichtes Zittern. In weniger als zwei Sekunden fing dann alles an, sich zu bewegen.“

Erinnerungen an schweres Erdbeben vor 1967

Von heftigen Erschütterungen erzählte auch ein Bewohner aus der Nähe der Stadt Maracay, die rund 100 Kilometer von dem Epizentrum entfernt ist. „Ich saß im Auto und der Wagen hat sich hin und her bewegt als handle es sich um ein Blatt Papier“, sagte er. Mindestens zwei Häuser in der Umgebung seien eingestürzt, darunter ein relativ neues. „Ich habe schon Erdbeben erlebt, aber noch keins wie dieses“, ergänzte der Mann. „Es war schlimm, wirklich schlimm.“ Er habe sich an das schwere Erdbeben von 1967 erinnert gefühlt, bei dem in Venezuela damals mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen waren.

„Äußerst alarmierende Situation“

„Wir haben es mit einer äußerst alarmierenden Situation zu tun“, sagte Innenminister Diosdado Cabello im Fernsehen. Er rief die Menschen dazu auf, an sicheren Orten zu bleiben. Nach schweren Erdbeben seien normalerweise Nachbeben zu erwarten, die bereits beschädigte Gebäude zum Einsturz bringen könnten, warnte der Minister. Um Explosionen zu verhindern, hätten die Behörden angeordnet, die Gaszufuhr zu unterbrechen. Auch der Schulbetrieb und viele nicht notwendige Aktivitäten sollten laut Regierung zunächst ausgesetzt werden.

Ölindustrie scheint verschont geblieben zu sein

Die Schlüssel-Infrastruktur der Ölindustrie des Landes schien von den Beben zunächst nicht betroffen zu sein. Der Katastrophenschutz in Maracaibo nahe dem bedeutenden Ölzentrum am Maracaibo-See meldete keine Schäden. Zudem blieb die El-Palito-Raffinerie nahe dem Epizentrum offenbar unbeschädigt.

Der britische Ölkonzern Shell erklärte, alle Mitarbeiter im Land seien wohlauf. Ein längerer Stromausfall könnte Insidern zufolge jedoch die Rohölproduktion beeinträchtigen. Das venezolanische Ölministerium, der staatliche Ölkonzern PDVSA und dessen wichtigster ausländischer Partner Chevron äußerten sich zunächst nicht.

Rodriguez will um Hilfe bitten

Präsidentin Rodriguez, die das Land seit dem Sturz von Präsident Nicolas Maduro durch die USA im Jänner führt, kündigte an, multilaterale Organisationen um finanzielle Hilfe für den Wiederaufbau zu bitten. 

Der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele, schrieb auf der Plattform X, es stünden 300 Rettungskräfte und Sanitäter sowie 50 Tonnen Hilfsgüter bereit, um in die venezolanische Hauptstadt Caracas gebracht zu werden. Der Präsident der Dominikanischen Republik, Luis Abinader, erklärte spezialisierte Such- und Rettungsteams der Streitkräfte würden in der Früh nach Venezuela aufbrechen. Auch BrasiliEl Salvador die Dominikanische Republik Hilfe an. 

Der indische Premierminister Narendra Modi erklärte, Indien sei bereit, „jede nur mögliche Hilfe zu leisten“. Der chinesische Außenamtssprecher Guo Jiakun sagte, China wolle „entsprechend den Bedürfnissen“ Venezuelas helfen.

Trump: Werden für unsere neuen Freunde da sein

US-Präsident Donald Trump sicherte dem südamerikanischen Land schnelle Hilfe zu. Er habe alle US-Behörden angewiesen, sich darauf vorzubereiten, schnell zu helfen, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Die beiden Erdbeben seien von „massivem Ausmaß“ gewesen und hätten zu einer „verheerenden Zahl Toter“ geführt, schrieb Trump. Er machte dabei keine Angaben dazu, auf welche Informationen sich seine Aussage zur Opferzahl stützte.

„Wir werden für unsere neuen und großartigen Freunde da sein“, schrieb Trump - wohl mit Blick auf die Übergangsregierung in Caracas. Weiter erklärte er in Bezug auf das wahrscheinliche Ausmaß der Folgen: „Die ersten Berichte sind nicht gut!!!“

Die US-Botschaft in Caracas rief amerikanische Staatsbürger auf, sichere Zufluchtsorte aufzusuchen. Das US-Außenministerium richtete nach eigenen Angaben einen Krisenstab ein, um in Absprache mit der venezolanischen Regierung Such- und Rettungsmannschaften sowie humanitäre und medizinische Hilfe zu schicken.

Erdbeben auch in Japan

An der Ostküste der japanischen Insel Honshu wurde in der Region Tohoku ein Erdbeben der Stärke 6,9 ​​gemessen. Es lag in einer Tiefe von etwa 50 km, laut der japanischen Wetterbehörde wurde keine Tsunami-Warnung ausgerufen. In den Atomanlagen wurden keine Auffälligkeiten festgestellt. Die East Japan Railway teilte mit, dass einige Züge, darunter der Tohoku-Shinkansen, vorübergehend eingestellt wurden.

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