Beobachter haben sich mehr erwartet – sie sehen das Ende des "Reformers" Franziskus und bezeichnen ihn als "Bewahrer" .

© APA/AFP/POOL/VINCENZO PINTO

Politik Ausland
02/24/2019

Vatikan-Missbrauchsgipfel: "Es war eine vertane Chance"

"Es sind nur leere Wort": Missbrauchsopfer-Verbände kritisieren Rückschritt.

von Irene Mayer-Kilani

Papst Franziskus hat in seiner Ansprache zum Ende des viertägigen Missbrauchsgipfels im Vatikan ein hartes Durchgreifen gegen Kindesmissbrauch versprochen. Doch wie dies aussehen soll, ließ der Pontifex offen.

„Der Weg zur Bekämpfung dieses Problems sei noch lang,“ bekannte Franziskus. Die Kirche werde mithilfe von Experten beraten, wie Kinder zu schützen sind, wie solche Katastrophen vermieden werden können, wie man sich um die Opfer kümmern kann. Dazu hatte Franziskus mehrere Punkte genannt, um Missbrauch zu verhindern.

Allerdings kündigte er keine konkreten Schritte an. Doch genau das war es aber, worauf Opferverbände gehofft hatten. Die Enttäuschung steht Sprecher Peter Isely und einigen Mitgliedern des Opferverbandes „Ending of Clergy Abuse“ ins Gesicht geschrieben. Seit Tagen hielt Isley vor dem Petersplatz Stellung. Nun lässt er seine Wut heraus: „Der Text des Papstes enthält nichts, nur leere Worte. Keine konkreten Maßnahmen. Er sagt sogar, dass sich die Kirche die Frage stellt, was zu tun ist. Sie fragen sich das allerdings seit 20 Jahren.“

„Fiasko“

Von einer Null-Toleranz-Politik kann keine Rede sein, kritisiert Francesco Zanardi von einem italienischen Missbrauchsopferverband. „Wir hätten uns mehr vom Papst erwartet: Die Kirche ist kein Opfer, sondern ein Täter“, so Zanardi, der das Gipfeltreffen als Rückschritt bezeichnet. Er kündigte an, weiterhin die Namen der Kirchenmänner zu veröffentlichen, die Missbrauch begangen haben. Und die Liste sei sehr lang.

Der deutsche Kirchenrechtler Thomas Schüller bezeichnete die päpstliche Rede als „ganz schlimm“, sogar als „Fiasko“: „Es war eine vertane Chance“, so der Direktor des Instituts für Kanonisches Recht an der Uni Münster. Sie markiere das Ende des Pontifikats in dem Sinne, dass Franziskus nicht als „Reformpapst“ in die Geschichte eingehen werde, sondern als „Bewahrer“. Franziskus habe das Problem der Kirche relativiert, indem er Missbrauch als gesellschaftliches Phänomen dargestellt habe.

Die Liste der Kritiker ließe sich fortsetzen. Tenor: Mangel an Konkretem; keine Antworten auf brennende Fragen wie das Verschwinden eines Dossiers über pädophile Kirchenmänner; fehlende Tateinsicht – viel eher habe der Papst versucht, die Kirche in die Opferrolle zu rücken.

Schwacher Trost

Nur ein schwacher Trost ist ein angekündigtes Lehrschreiben: Der Vatikan wird ein „Motu proprio“, eine kirchenrechtliche Entscheidung des Papstes, zum Schutz von Minderjährigen veröffentlichen. Pater Federico Lombardi, der den Krisengipfel im Vatikan moderierte, kündigte zudem ein Gesetz und Richtlinien für den Vatikanstaat selbst an. Die Glaubenskongregation werde zudem ein praktisches Handbuch veröffentlichen, damit weltweit jeder Bischof sich seiner Verantwortung und Pflicht bewusst werde.

"Task Force"

Eine „Task Force“ solle zudem Diözesen und Bischofskonferenzen weltweit unterstützen, die nicht genug Ressourcen für den Kampf gegen Missbrauch hätten.

Am Vortag des Anti-Missbrauchsgipfel hatte die langjährige mexikanische Vatikanjournalistin Valentina Alazraki harsche Kritik an den Bischöfen geübt. „Wenn sie sich nicht radikal auf die Seite der Kinder schlagen, müssen sie uns zurecht fürchten, denn dann werden wir Journalisten Ihre schlimmsten Feinde sein“, drohte Alazraki. Unter Hinweis auf den Skandal um den Gründer der Legionäre Christi, den Mexikaner Marcial Maciel, sprach sie von systematischer Geheimhaltung und Vertuschung. Der Ordensgründer hatte über Jahrzehnte Seminaristen und eigene, mit mehreren Frauen gezeugte, Kinder missbraucht.

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