Iran-Krieg: Von Trumps Frieden ist weiterhin nichts zu sehen
Seit 8. April gilt zwischen dem Iran und den USA eine brüchige Waffenruhe. Das Regime in Teheran gibt sich siegessicher.
Zwischen Aussichten auf ein baldiges Ende des Iran-Krieges und neuerlichen Militärschlägen lagen am Dienstag nur wenige Stunden. „Wir befinden uns in den letzten Zügen dessen, was ein sehr, sehr gutes Abkommen sein wird“, zeigte sich Donald Trump zuversichtlich. Ein Abschluss der Verhandlungen mit Teheran, so der US-Präsident, sei in den kommenden „zwei oder drei Tagen“ möglich.
Kurz darauf, in der Nacht auf Mittwoch, bombardierte das US-Militär erneut den Iran.In drei Angriffswellen innerhalb von vier Stunden sollen 20 Ziele unter Beschuss genommen worden sein, darunter Luftabwehrsysteme, Kontrollstationen und Radaranlagen. Auch zivile Infrastruktur wurde offenbar getroffen: Laut iranischen Medien sind 20.000 Menschen im Süden des Landes ohne Wasserversorgung.
US-Hubschrauber wurde abgeschossen
Auslöser war der Absturz eines US-Hubschraubers, der am Montag von einer iranischen Drohne getroffen worden war. Die Suche nach den beiden Besatzungsmitgliedern wurde zum Wettlauf gegen die Zeit, ihre Rettung zu einem aufsehenerregenden Einsatz: Die zwei Militärs wurden nämlich, nachdem sie zwei Stunden in den Gewässern vor der Küste des Oman getrieben waren, mithilfe eines unbemannten Drohnenbootes gerettet.
Konkret handelte es sich um eine Seedrohne vom Typ „Corsair“, die Teil einer Spezialeinheit der US Navy ist. Laut US-Zentralkommando (Centcom) war es der erste Einsatz dieser Art.
Die Antwort des Iran auf die US-Bombardements ließ nicht lange auf sich warten: Am Mittwoch feuerten die Revolutionsgarden mit Raketen und Drohnen auf US-Militärstützpunkte in Kuwait, Bahrain und Jordanien. Berichte über Verletzte oder größere Schäden lagen nicht vor.
Dennoch zeigt der Vorfall erneut, wie brüchig die Waffenruhe ist, die eigentlich seit dem 8. April gilt. Beide Seiten versuchen einerseits auf militärische Provokationen zu reagieren und andererseits eine große Eskalation zu vermeiden. Erst am Sonntag war es zu Beschuss zwischen dem Iran und Israel gekommen, den der US-Präsident nur schwer eindämmen konnte. „Es ist eine sehr heikle Lage“, fasst Hamidreza Aziz von der Stiftung Wissenschaft und Politik im Wall Street Journal zusammen. „Dieses Gleichgewicht ist nicht stabil, da die Gefahr von Fehleinschätzungen und einer ungewollten Eskalation besteht.“
Heruntergespielt
Wohl auch deshalb hatte Teheran zunächst versucht, den Helikopter-Abschuss als Unfall darzustellen. Auch Trump hatte den Vorfall eigentlich heruntergespielt („no big deal“). Nach einem Gespräch mit Verteidigungsminister Pete Hegseth und Generalstabschef Dan Caine änderte er jedoch seine Meinung.
Auch in Bezug auf die stockenden diplomatischen Bemühungen vollzog Trump, der laut CNN schon 38-mal verkündet haben soll, ein Abkommen stehe kurz bevor, am Mittwoch eine Kehrtwende: „Sie haben zu lange gebraucht, um einen für sie großartigen Deal auszuhandeln, jetzt müssen sie die Konsequenzen tragen!“, drohte er auf Truth Social.
Später erwog er auf Fox News Angriffe auf Kraftwerke und Brücken im Iran. Ein Sprecher von Irans Außenministeriums erklärte wiederum, der Iran müsse Gespräche mit Washington nach „wiederholten Verstößen gegen die Waffenruhe“ überdenken. Unterdessen traf am Mittwoch eine katarische Delegation in Teheran ein.
Kommentare