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Politik Ausland
09/24/2012

USA: "Es zählt nur, wie rasch man Geld verdient"

Der Wahlausgang in den USA sei für die Exportwirtschaft eigentlich irrelevant, sagt Österreichs Wirtschaftsdelegierter in New York.

von Anita Staudacher

Barack Obama oder Mitt Romney? Für Österreichs Wirtschaftsdelegierten in New York, Christian Kesberg, ist die kommende US-Präsidentschaftswahl "a g`mahte Wiesn": "Ich bin überzeugt, dass Obama weitere vier Jahre bekommt", sagt er im KURIER-Gespräch. Wegen der großen Ernüchterung in der US-Bevölkerung werde der Sieg zwar nicht mehr so deutlich ausfallen wie gegen John McCain 2008, "aber die Alternative Romney erscheint noch viel unappetitlicher".

Präsident Obama habe viele seiner Anhänger enttäuscht, die sich einen gesellschaftlichen Wandel erhofft hätten. Ein solcher Systemwandel sei in den USA aber aufgrund der unverrückbaren Verfassung und damit des politischen Systems so gut wie unmöglich, glaubt Kesberg. In seiner zweiten Amtszeit werde Obama daher "ein Clinton werden", also noch mehr Kompromisse mit den Republikanern eingehen müssen.

Milliardär Mitt Romney hingegen setze voll auf die Angst der Reichen und Mittelschicht vor dem sozialen Abstieg und die Rückbesinnung auf eine "verlorene Generation", in der der amerikanische Traum noch gelebt werden konnte.

Wirtschaftsfrage

Wie wichtig Wirtschaftskompetenz für die Wahl ist, würden die Europäer anders als die Amerikaner sehen. "Die Wirtschaftsfrage ist ganz simpel: Kein Staat und keine Steuern oder ein wenig Staat und ein wenig Solidarität?" Auch die immens hohe Staatsverschuldung sei nicht so sehr ein Thema wie in Europa. Die Schuldentilgung werde sicher weiter aufgeschoben, im Notfall gäbe es auch noch Spielraum für neue Steuern.

Für österreichische Unternehmen, die zunehmend in die USA expandieren – wie zuletzt voestalpine mit einem neuen Werk – spiele der Ausgang der Wahl keine Rolle, so Kesberg. Die USA profitieren stark vom schwächelnden EU-Raum und der Sorge um den Euro. Vor allem im Automobilsektor ist die Expansion noch nicht zu Ende: "Die Zulieferbetriebe folgen ihren europäischen Kunden". Dies spiegelt sich auch in der Exportstatistik wider.

Die Exporte in die USA erreichten im Vorjahr einen Rekord von 6,4 Mrd. Euro (+29 Prozent), der Bereich Automotive wuchs gar um 60 Prozent. Gute Chancen sieht Kesberg auch im nachhaltigen Bauen sowie in Umwelt- und Medizintechnik. So lohne nd der riesige US-Markt für die Firmen sein kann, die Eintrittsbarrieren sind hoch, die Konkurrenz groß: "Was hier zählt, ist nicht die Qualität des Produkts, sondern wie rasch damit Geld verdient wird."

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