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Politik Ausland
04/08/2020

USA: Corona trifft Schwarze schlimmer als Weiße

Infektionsraten mehr als doppelt so hoch: Diskriminierung wird zum Problem für Trumps Wahlkampf.

von Dirk Hautkapp

Als noch normaler Wahlkampf war, also in den Zeiten vor dem Coronavirus, ließ Donald Trump keinen Gelegenheit aus, um sich Amerikas Schwarzen als Heilsbringer anzudienen. Höchste Beschäftigtenquote unter Afroamerikanern, niedrigste Arbeitslosenquote – diese Versatzstücke fehlten nie, wenn der US-Präsident ans Mikrofon trat, um seine von Experten als übertrieben bezeichnete Bilanz zu preisen.

Hinter Joe Biden

Dabei ignorierte Trump geflissentlich, dass seine Zustimmungswerte in dieser Bevölkerungsgruppe etwa im Vergleich zu seinem demokratischen Mitbewerber Joe Biden beständig schlecht sind.

Ob sich das bis zum Wahltag ändert, ist nun noch fraglicher geworden. Nach ersten Auswertungen zeichnet sich bei der Analyse der Corona-Toten (rund 13.000) und -Infizierten (über 400.000) in den Vereinigten Staaten ein Trend ab, der enormen gesellschaftlichen Sprengstoff birgt: Danach sind Afroamerikaner gemessen an der Gesamtbevölkerung überproportional vom „unsichtbaren Feind“ betroffen, wie Trump das Virus unverändert nennt.

Dramatische Zahlen

Im Südstaat Louisiana, wo 30 Prozent der Bevölkerung schwarz sind, stellen Schwarze 70 Prozent der Infizierten und Toten; vor allem im Großraum New Orleans. In Chicago sind die Verhältnisse laut Lori Lightfoot nahezu deckungsgleich. Die erste schwarze Bürgermeisterin der Stadt sagt: „Diese Zahlen rauben einem den Atem.“

Trump hilflos

Auch aus Detroit, North und South Carolina und dem Großraum Las Vegas werden prekäre vorläufige Statistiken gemeldet, die nach Erklärungen verlangen und Trump in Bedrängnis bringen können. „Ich kann mich damit überhaupt nicht anfreunden“, sagte der Präsident etwas hilflos bei seiner ritualhaften Nachmittags-Pressekonferenz im Weißen Haus.

Trumps Experten-Duo, die Mediziner Anthony Fauci und Deborah Birx, kündigten im Laufe dieser Woche landesweite Analysen an, um die Corona-Betroffenheit nach Rassen und Ethnien genauer beurteilen zu können. Aber vor allem Fauci ließ schon jetzt keinen Zweifel daran, dass soziale Ungleichheit und strukturelle Benachteiligung, die letztlich auf Rassismus und Sklavenzeit zurückgehen, überall in Amerika die wichtigsten Faktoren sein werden, um die Diskrepanz zwischen Schwarzen und Weißen zu erklären.

Hauptlast auf Schwarzen

Zwei Facetten: Zu einer Zeit, in der die Regierung der Nation weitgehend Homeoffice auferlegt und Ausgehverbote angeordnet hat, sind es vorzugsweise Schwarze, die im Arbeitsheer an vorderster Front stehen, um etwa die Service-Industrie (Lebensmittel-Fabriken, Supermärkte, Versandhandel) und öffentliche Dienstleistungen (Müllabfuhr etc.) aufrechtzuerhalten. Entsprechend höher ist bei ihnen das Risiko, sich zu infizieren. Einmal erkrankt, haben es Schwarze nach Angaben von Bürgerrechtsorganisationen mangels Krankenversicherung und finanzieller Rücklagen schwerer, sich in das ohnehin an der Kapazitätsgrenze arbeitende Gesundheitssystem zu integrieren.

Der Präsident steht unter Druck. Sollten am Ende der Krise Schwarze im Verhältnis die größten Opferzahlen verzeichnen und die größten Lasten zu tragen haben, könnte ihm eine wichtige Wählergruppe wegbrechen.

 

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