Trumps "Deportationsmaschinerie" ist auch ein gutes Geschäft
Auf Social Media sehen sie aus wie Actionhelden. In Slow Motion führen sie mitten in der Nacht Menschen ab, viele davon in Unterwäsche, deren Gesichter in Großaufnahme. Die Beamten selbst sind dafür vermummt. „Die Dunkelheit ist nicht länger Dein Freund. Wir werden Dich finden“, steht daneben, gerichtet an alle „kriminellen, illegalen Einwanderer“.
Wer ICE nur auf der Social-Media-Präsenz des US-Heimatschutzministeriums erlebt, bekommt nichts mit vom Wirbel rund um die Beamten. Dort wird die Behörde als Wächter der uramerikanischen Freiheiten inszeniert, und die Firma dahinter verdient gutes Geld. 220 Millionen Dollar gab das Ministerium 2025 allein für PR in Sachen ICE aus, ohne Ausschreibung, da sich die USA angeblich im „nationalen Notstand“ befinden. Der Löwenanteil davon ging an die Firma „Safe America Media“ – sie gehört dem Republikaner Michael McElwain und wurde zufälligerweise kurz vor Vergabe des Auftrags gegründet.
Abschiebungen in den USA: Eine Milliarden-Industrie
Die PR-Millionen sind nur ein kleines Stück des Kuchens, den die US-Regierung derzeit verteilt. In Donald Trumps „Big Beautiful Bill“ (BBB), die er im Frühsommer auf den Weg brachte, sind bis 2029 in Summe 170 Milliarden Dollar für Grenzsicherung und Abschiebungen vorgesehen; heuer wurde das ICE-Budget verdreifacht. Damit verfügt ICE über ebenso viele Mittel wie alle übrigen US-Strafverfolgungsbehörden zusammen – oder in etwa so viel, wie Kanada jährlich für sein Militär ausgibt.
Allein zwei Drittel des Geldes fließen in die Inhaftierung von Migranten – und damit an die Betreiber von Privatgefängnissen, wie das Brennan Center for Justice von der US-Universität NYU eruiert hat. Besonders gut im Geschäft sind zwei Unternehmen, CoreCivic und die GEO Group. Beide Firmen stehen – für Beobachter wenig überraschend – Trump nahe, haben seine Wahlkampagnen mit mehreren Millionen Dollar unterstützt. Ihre Verträge lagen schon vor Verabschiedung der BBB vor, was sich erfreulich in den Bilanzen niederschlug; dazu heuerten sie ehemalige hochrangige ICE-Leute an.
"Auf Strafverfolgung ausgerichtete Maschinerie"
Für die Experten des Brennan Center ist das eine äußerst bedenkliche Entwicklung. Da Trump in seiner BBB einen Zielwert von einer Million Menschen vorgegeben hat, die er binnen nur eines Jahres abschieben will, erzeuge das einen äußerst teuren und unkontrollierbaren Stau im System: ICE versuche mit aller Gewalt, Menschen in Haft zu bekommen, dazu schießen private Haftanstalten aus dem Boden. Doch der Justizsektor, der die Rechtmäßigkeit der Fälle bearbeiten soll, bekomme zugleich kaum neue Mittel – obwohl die Immigrationsgerichte schon jetzt mit vier Millionen Fällen im Rückstand seien.
Die Folge sei eine „ausschließlich auf Strafverfolgung ausgerichtete Maschinerie“, die wegen langfristiger Verträge auch die Ära Trump überdauern wird, prognostizieren die Experten. Den Firmen kann das nur recht sein. Sie kassieren pro Häftling im Schnitt 152 Dollar täglich, wie das National Immigration Forum schätzt. Kontrolliert werden sie trotz schon bestehender Vorwürfe – die Rede ist von Zwangsarbeit und sexuellen Übergriffen – aber kaum. „Die Regierung hat die Aufsichtsbehörden des Heimatschutzministeriums ausgehöhlt“, heißt es in der Studie, auch der Kongress wurde ausgebootet.
ICE-Gesichtserkennung
Gutes Geld verdient auch Palantir, seit Trump wieder im Oval Office sitzt. Der umstrittene Konzern, dessen Software sich den Ruf einer Überwachungsdatenkrake erarbeitet hat, war im Afghanistankrieg aktiv und mit Nachrichtendiensten weltweit vernetzt. Seit Kurzem unterstützt die Firma auch ICE mit einem eigenen KI-Programm, etwa für Gesichtserkennung in Echtzeit oder mit interaktiven Karten potenzieller Abschiebungszielen. Kritiker – darunter auch ehemalige Mitarbeiter – fürchten dadurch aber den Aufbau einer Überwachungsdatenbank, in die alle möglichen Informationen fließen – auch jene von unbescholtenen US-Bürgern.
An Palantir-Gründer Peter Thiel – der Trump-Geldgeber hat in der Vergangenheit oft betont, dass Demokratie und Freiheit für ihn nicht vereinbar seien und das Frauenwahlrecht ein Fehler sei – prallen die Vorwürfe ab. Wohl auch deshalb, weil die Trump-Administration ein ureigenes Interesse an seinen Diensten hat: Mehr als ein Dutzend Mitarbeiter des Weißen Hauses und des Heimatschutzministeriums halten nämlich Anteile an der Firma – darunter auch Vizestabschef Stephen Miller, Chefarchitekt von Trumps Einwanderungspolitik.
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