Politik | Ausland | US-Wahl
08.11.2016

Prominente Auslandsösterreicher über die US-Wahl

Wie österreichische Promis, die in den USA leben, den Wahlkampf zwischen Trump und Clinton erleben.

Kurt Gutenbrunner kommt aus Wallsee in Niederösterreich. So wie der Geburtsort heißt auch das edle Restaurant des Star-Kochs in New York: Das Wallsé ist mit einem Michelin-Stern dekoriert, in dem auch österreichische Küche wie Tafelspitz kredenzt wird. Seit 1996 lebt Gutenbrunner im Big Apple. Vier Lokale nennt der Restaurateur in der Megacity mittlerweile sein Eigen. Der KURIER hat ihm und zwei weiteren Exil-Österreichern einige Fragen zum Wahlkampf gestellt:

Wie erleben Sie den Wahlkampf in den USA?

"Dafür, dass er schon so lange dauert, geht der Wahlkampf noch immer nicht genügend in die Tiefe. Er ist inhaltlich zu leer. Zu wenig Themen, die uns wirklich betreffen, werden aufgearbeitet (klare Definition Immigration, Zukunft der Energie und des Handels sowie Ausbildung der Kinder fehlt). Das liegt an der Rhetorik der Kontrahenten aber auch an den Medien, die eigentlich nur auf das Theater, auf die Show aufspringen, statt wirklich kritisch nachzufragen."

Wie empfinden Sie die Stimmung im Moment?

"Obwohl ich glaube, dass es eine der wichtigsten Wahlen ist, fehlt mir die Begeisterung, die bei der Wahl 2008 enorm durch das Land gegangen ist. Viele Leute haben einfach schon genug davon, weil es jeden Tag der selbe „Schmarrn“ ist. Bedauerlicherweise kein Kaiserschmarrn."

Wer wird ihrer Meinung nach Präsident? Oder: Wer sollte ihrer Meinung nach Präsident werden?

"Meiner Meinung nach wird Hillary Clinton Präsidentin. Weil ich glaube, dass sie das bessere Programm hat und weil mit ihr die Chance besteht, dass man Themen aus der Obama-Politik Stichwort: Gesundheitswesen/Ausbildung fortführen und verbessern kann."

Was würden Sie dem Präsident Trump/ Clinton bei einem Dinner kochen?

"Ein Wiener Schnitzerl, what else? Und einen Strudel als Nachspeise."

Komponist Peter Wolf

Der Musiker empfiehlt Bob Dylan für Hilary und Donald

Schon seit 1975 lebt Musiker Peter Wolf (63) in den USA. Der aus Wien stammende Star-Komponist hat sich ganz bewusst für den American Way of Life entschieden. Mit seiner Ehefrau Lea und zwei Kindern lebt er ein sorgenfreies Leben in einer Villa in Malibu.

Sein Fazit zum Wahlrennen zwischen Trump und Clinton: "Meine Frau und ich lieben dieses Land, daher ist es schlimm zu sehen, wie dieser Wahlkampf geführt wird. Beide Kandidaten beschimpfen sich vehement und die Presse – die Mainstream-Media – ist total voreingenommen."

Wie empfinden Sie die Stimmung im Moment?

"Wir glauben - und hoffen - auf eine "Aufbruchs Stimmung". Positiv denkend kann - und darf - es nur besser werden."

Er selbst könne nicht einschätzen, wer gewinnt: "Wahlprognosen scheinen überhaupt nicht zuverlässig zu sein. Sogar von Wahlmanipulation ist die Rede." Den Kandidaten empfiehlt er den Song seines Nachbarn in Malibu: Bob Dylan (75) mit "The Times They Are a-Changin’".

Grafikdesigner Stefan Sagmeister

Der Typograf und Künstler hält nichts vom "kotzbraunen" Trump und ist sich sicher, dass Clinton gewinnt.

Stefan Sagmeister ist einer der bekanntesten Grafiker weltweit - er hat Plattencover für die Rolling Stones entworfen, gestaltet internationale Ausstellungen wie die "Happy Show" und stammt aus Vorarlberg. Nach einem Studium in Wien, arbeitete er in Hongkong für die Werbeagentur Leo Burnett. 1993 übersiedelte der heute 54-Jährige nach New York, um seine eigene Agentur zu gründen. Der Bregenzer führt eine riesige Firma direkt am Broadway.

Wie erleben Sie den Wahlkampf in den USA?

"Dies ist sicherlich ein Wahlkampf in dem sich die beiden Kandidaten in praktisch allen Bereichen von einander unterscheiden. Die Kandidatin ist qualifiziert, der Kandidat nicht."

Wie empfinden Sie die Stimmung im Moment?

"Ich selber bin gerade in Mexico City, unter meinen Freunden in New York ist die Stimmung gut, weil es sehr danach aussieht, dass Trump verlieren wird."

Wer wird ihrer Meinung Präsident? Oder: Wer sollte ihrer Meinung Präsident werden?

"Clinton soll und wird Präsident werden."

Welche Farbe würden sie als Grafikdesigner Trump bzw. Clinton zuweisen?

"Clinton würde ich Blau zuweisen, weil das die populärste Farbe in den USA ist. Für Trump: Kotzbraun."