Clinton-Party: Die pure Verzweiflung

Clinton-Party: Die pure Verzweiflung
Was eine rauschende Party werden sollte, endete mit einem Präsidenten Donald Trump.

Nervös waren sie alle. Es war diese Nervosität aus Verpflichtung, weil man sich nicht zu sicher sein sollte; und weil immer ein letzter Zweifel bleibt, trotz aller Zuversicht. Das war gegen 19:00 Uhr als die Clinton-Fans nur enttäuscht waren, weil sie nicht ins Jarvits-Center kamen, obwohl sie stundenlang anstanden. "Hoffentlich ist das kein Vorzeichen für ihre Präsidentschaft", sagte da eine noch.

Sie wollte die Glasdecke durchbrechen

Rein ins Javits Center in Manhattan sind letzten Endes fast nur freiwillige Helfer der Kampagne gekommen, draußen standen Food Trucks, große Screens und tausende Menschen, die eigentlich drin sein wollten im Jarvits Center, das sie ausgewählt hatten, weil es eine Glasdecke hat, die Clinton heute durchbrechen wollte.

Um 23:20 Ortszeit dämmert es den Fans langsam, dass das, was sich da seit Stunden schleichend ankündigte, Realität werden könnte. Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten. Nicht die erste Frau, sondern der Mann, der damit prahlt, Frauen ungewollt zwischen die Beine zu greifen. Da hatte er schon Florida, Ohio und North Carolina gewonnen. "Passiert das grad wirklich?", fragt eine, sie ist den Tränen nahe.

Clinton-Party: Die pure Verzweiflung

Sogar Kate Perry war da

Sie hatten eine große Party geplant: Sie hatten die demokratische Elite des Staates eingeladen, um bei der Bloc Party vor dem Javits Center zu sprechen: New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio, Senator Chuck Schumer, Gouverneur Andrew Cuomo. Sogar Popstar Kate Perry. Wer weiß, wer noch aller gekommen wäre, wäre die Party nicht geplatzt. Sie haben sich bemüht, auf Clintons Erfolge verwiesen, aber wirklich Stimmung kam nie auf. Von Anfang an sind die Ergebnisse nicht so, wie es sich die Fans vorstellten.

Um 23:45, als sie in den Nachrichtensendern schon Clintons heraufdräuende Niederlage analysieren, sitzen die meisten bereits am Boden. "Ich fühle mich wie in der Twilight Zone, in einer Parallelwelt." Auf CNN hat Nate Silver Donald Trump eine 80-prozentige Chance auf den Sieg gegeben. Spätestens da ist es allen klar: Es ist vorbei. "Amerika enttäuscht", sagt einer, er ist im Anzug erschienen, "ich hab mich zurecht gemacht für eine Party".

Begräbnisstimmung

Kurz vor 1:00 Uhr hat Trump zwar offiziell noch nicht gewonnen, aber die Fotografen halten den verzweifelten Fans - jenen, die noch da sind - bereits die Kameras vor die Nase. Die Stimmung hier ist eine, die eher an ein Begräbnis erinnert. Eines, wo der Verstorbene ganz unerwartet aus dem Leben geschieden ist, wo sich die Teilnehmer fassungslos fragen, warum sie hier bei einem Begräbnis sind. Wo sie doch schon auf die Geburtstagsparty eingeladen waren.

Clinton-Party: Die pure Verzweiflung
Es ist ein deprimierendes Gefühl, auf der anderen Seite zu sein, wenn Geschichte geschrieben wird.

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