Trump, Iran, Eskalation: Kann ein Krieg noch verhindert werden?
Kann ein US-Schlag gegen den Iran noch verhindert werden? Am Freitag wollen US-Sondergesandter Steve Witkoff, Jared Kushner und der iranische Außenminister Abbas Araqchi diese Frage in Istanbul ausloten.
Auch Vertreter regionaler Staaten wie Saudi-Arabien, Katar und Pakistan werden erwartet. Bereits jetzt werden hinter den Kulissen mögliche Kompromisslinien ausgelotet.
Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben sich erheblich verschärft. Die USA haben ihre Marinepräsenz vor der iranischen Küste verstärkt. Zudem ist die iranische Führung innenpolitisch unter Druck geraten, nachdem schwere Unruhen im Dezember – ausgelöst durch Wirtschaftskrise und Währungsverfall – im Jänner brutal niedergeschlagen wurden.
Worum geht es am Freitag genau? Und welche Positionen beziehen die anderen Staaten in der Region? Der KURIER beantwortet die wichtigsten Fragen.
Welche Forderungen stellt Donald Trump an den Iran?
Die US-Verhandler werden mit drei Kernforderungen im Gepäck nach Istanbul reisen: Teheran soll seine gesamte Uran-Anreicherung stoppen – die Türkei erklärte sich bereits bereit, das angereicherte Uran des Iran zu übernehmen.
Außerdem solle der Iran sein Raketenprogramm stoppen oder begrenzen. Dass die Islamische Republik hierbei über erhebliche Schlagkraft verfügt, zeigte sie im Zwölf-Tage-Krieg gegen Israel.
Zudem soll der Iran die Unterstützung seiner Verbündeten in der Region beenden – gemeint sind Gruppen wie die Hisbollah im Libanon, die Houthis im Jemen oder schiitische Milizen im Irak.
Aus iranischer Sicht besteht derzeit nur begrenzte Kompromissbereitschaft beim Atomprogramm. Zugeständnisse bei Raketen und regionalem Einfluss gelten als unwahrscheinlich. Beide gelten als Lebensversicherung des Regimes – aus Sicht der USA, Israels und mehrerer arabischer Staaten als Unterstützung von Terrorgruppen.
Was ist dann der Sinn von Verhandlungen?
Es ist denkbar, dass Donald Trump ein Abkommen zur Beschränkung des iranischen Atomprogramms als gigantischen Erfolg feiert.
Seinem bekannten Verhandlungsstil folgend stellt er zunächst maximale Forderungen, um sich später mit einem Kompromiss zufriedenzugeben, der von Beginn an sein Ziel war.
Klar ist jedoch: Trotz massiver US-Militärpräsenz wäre ein Enthauptungsschlag gegen den Iran hochriskant. Tausende Raketen könnten Richtung Israel und US-Stützpunkte abgefeuert werden.
Zwar klären US-Satelliten, Drohnen und Geheimdienste den Iran intensiv auf, doch alles gleichzeitig auszuschalten gilt als illusorisch.
Wie verhalten sich die Anrainerstaaten?
Vor allem in Katar und Saudi-Arabien dominiert die Furcht vor einem iranischen Vergeltungsschlag, der kritische Infrastruktur treffen könnte – auch durch Drohnenangriffe aus dem Jemen.
Die Türkei sorgt sich wegen kurdischer Stämme im Nordwesten des Iran und kündigte Maßnahmen an der Grenze und im iranischen Staatsgebiet an, um eine Massenflucht zu verhindern.
Staaten wie Ägypten und Oman bemühen sich intensiv, USA und Iran an einen Tisch zu bringen. Mehrere Länder erklärten, ihren Luftraum nicht für Angriffe freizugeben – ob sie US-Jets tatsächlich abschießen würden, bleibt fraglich.
Israel, das sich seit Tagen auf einen möglichen Angriff vorbereitet, hofft auf einen vernichtenden Enthauptungsschlag in Teheran. Laut Axios lehnte Israel vor drei Wochen einen limitierten US-Schlag ab, da dieser nur symbolisch gewesen wäre und massive Vergeltung nach sich gezogen hätte.
Was geschieht währenddessen vor und im Iran?
Die Versorgungsflüge der USA gehen weiter, immer mehr Flugabwehrsysteme werden stationiert.
Satellitenaufnahmen zeigen, dass der Iran seine Atomanlagen verstärkt und zusätzliche Flugabwehr installiert hat.
Beide Seiten geben sich kampfbereit, sollte das Treffen in Istanbul scheitern.
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