Politik | Ausland
17.08.2018

US-Pastor Brunson: Wie er zu Trumps und Erdogans Spielball wurde

US-Präsident Trump droht Türkei mit weiteren Sanktionen, sollte Andrew Brunson nicht freikommen. Doch wer ist dieser Mann?

Eigentlich war es ein Routinetermin, als Andrew Brunson am 7. Oktober 2016 nach 25 Jahren in der Türkei neuerlich sein Visum verlängern lassen wollte.

Doch anstatt der erwarteten Aufenthaltsgenehmigung bekam der US-amerikanische Pastor Handschellen angelegt.

Er wurde in ein Gefängnis gebracht, zwei Monate später stand die Anklage.

Der heute 50-Jährige soll Mitglied einer bewaffneten Terrororganisation sein, spioniert und die kurdische PKK unterstützt haben sowie an der Planung des Putschversuches gegen Präsident Erdogan im Juli 2016 beteiligt gewesen sein. 

Ihm drohen 35 Jahre Haft. Erst diesen April fand die erste Anhörung statt, in der Brunson alle Vorwürfe zurückwies - seine Aussagen sind nach Ansicht von Experten glaubwürdig. Und auch erst diesen April begann sich US-Präsident Donald Trump für Brunson zu interessieren. Dieser steht seither im Zentrum eines immer größer werdenden Konflikts zwischen den USA und der Türkei.

Sanktionen

Die USA unterstrichen ihre Forderung, die "Geisel" Brunson freizulassen, am Donnerstag mit der Androhung weiterer Sanktionen gegen die Türkei. Sie haben bereits Importzölle auf Stahl und Aluminium erhöht und Sanktionen gegen zwei türkische Minister verhängt. Ankara reagierte u. a. mit dem Boykott von US-Elektronik, konnte den "Wirtschaftskrieg" (Zitat Erdogan) mit dem NATO-Verbündeten und den damit einhergehenden Verfall der Landeswährung Lira aber nicht stoppen.

Erdogan hat wiederholt die Auslieferung des türkischen Predigers Fethullah Gülen im Austausch für Brunson gefordert. Gülen, der im US-Exil lebt, steckt nach seiner Ansicht hinter dem Putschversuch. Brunson soll laut Erdogan zu dessen Organisation gehören.

Brunson, Sohn zweier Missionare aus einem kleinen Ort im sogenannten amerikanischen "Bible Belt" (Bibelgürtel), war 1993 mit seiner Familie in die Türkei gezogen. In Izmir baute er eine kleine protestantische Gemeinde auf, die gerade einmal 25 Mitglieder hat, und lernte fließend Türkisch zu sprechen.

Missionierung ist in der Türkei zwar seit 2003 nicht mehr verboten, wird aber weiter nicht gern gesehen.

Schlechte Gesundheit

Brunson räumt ein, dass er in den vergangenen Jahren mehrmals in die türkischen Kurdengebiete gereist war, allerdings nur, um dort Flüchtlinge zu betreuen. Die Vorwürfe, er plane einen christlichen Kurdenstaat, seien haltlos: "Ich glaube an die territoriale Einheit der Türkei und unterstütze sie", sagte er während der Anhörung im April.

Seit Ende Juli befindet sich Brunson unter Hausarrest, nachdem sich seine Gesundheit im Gefängnis drastisch verschlechtert und er 25 Kilo abgenommen hatte. Ob es dabei bleibt, entscheidet sich bis zur nächsten Anhörung im Oktober. Bis dahin bleibt Brunson Trumps und Erdogans Spielball.