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Eskalation am Golf: US-Militär greift weitere Ziele im Iran an

Mit den Angriffen sollte der Iran in seiner Fähigkeit eingeschränkt werden, Handelsschiffe in der Straße von Hormus zu attackieren.
Explosions at an unknown location, following what U.S. Central Command (CENTCOM) said were strikes on Iran

Zusammenfassung

  • Die USA griffen weitere iranische Militärziele an, um Teherans Fähigkeit zu schwächen, Schiffe in der Straße von Hormus anzugreifen, während der Iran Gegenschläge gegen US-Einrichtungen in mehreren Golfstaaten meldete.
  • Die erneute Eskalation stellt das jüngste Übergangsabkommen infrage, treibt die Ölpreise nach oben und verschärft den Streit über die Kontrolle und Befahrbarkeit der strategisch wichtigen Straße von Hormus.
  • Die Kämpfe forderten laut iranischen Berichten Tote und Verletzte, während UNO, EU und mehrere Politiker eine rasche Rückkehr zu Verhandlungen und diplomatischen Lösungen forderten.

Die militärischen Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben sich wieder drastisch verschärft. Nach schweren gegenseitigen Raketen- und Drohnenangriffen erklärte die Regierung in Teheran, die strategisch wichtige Straße von Hormus erneut gesperrt zu haben. Dies trieb die Ölpreise in die Höhe. 

Die iranischen Revolutionsgarden teilten am Montag mit, sie hätten als Reaktion auf jüngste US-Angriffe amerikanische Militäreinrichtungen am Persischen Golf ins Visier genommen. Die Rede war von Bahrain und Kuwait. Man habe Radarsysteme in Oman zerstört sowie Treibstoff- und Munitionsdepots auf dem Stützpunkt Prinz Hassan in Jordanien beschossen. 

Das US-Militär erklärte hingegen, die Schifffahrt durch die Meerenge von Hormus laufe weiter. Bei Einsätzen am Sonntag seien iranische Luftabwehrsysteme, Küstenradarstationen, Raketen- und Drohnenstellungen sowie kleine Boote unter anderem von Flugzeugen und Kriegsschiffen aus angegriffen worden.

Das für den Nahen Osten zuständige US-Regionalkommando CENTCOM hatte bereits am Samstag mitgeteilt, binnen drei Nächten mehr als 300 iranische Ziele attackiert zu haben, um die militärische Schlagkraft des Iran zu schwächen. Die Revolutionsgarden erklärten ihrerseits, am Wochenende auch ein Wartungszentrum für Kampfjets in Katar sowie amerikanische Logistikstützpunkte in Oman beschädigt zu haben.

Zwei Tote aus dem Iran gemeldet

Laut der iranischen Nachrichtenagentur ISNA wurde eine Person bei einem US-Angriff in Provinz Isfahan im Bezirk Nain getötet und weitere sieben verletzet. Iranische Medien meldeten in der Nacht auf Montag erneut Explosionen an der Südküste, unter anderem auf der Insel Qeshm und in Bandar Sirik nahe der Straße von Hormus. Beide Orte waren bereits in den vergangenen Tagen mehrfach Ziel von Bombardierungen. Auch die Industrieprovinz Khuzestan im Südwesten des Iran wurde angegriffen. In der Stadt Mahshahr sei ein Wachmann getötet worden, der vor einer landwirtschaftlichen Wasserpumpstation stationiert war, berichtete das Onlineportal „Hammihan“.

Der als Vahid bekannte Netzjournalist berichtete über heftige Explosionen in einer Hafenstadt am Persischen Golf. „In Bandar Abbas schlagen sie ununterbrochen zu, und die Schüler der elften Klasse müssen in einer Stunde in der Schule sein, weil sie eine Prüfung haben“, zitierte er einen Bewohner. „Es ist die größte Ungerechtigkeit gegenüber den Kindern im Süden. Wegen der Explosionsgeräusche haben sie die ganze Nacht kein Auge zugemacht.“

Trump gesteht indirekt Versagen seines Diplomatie-Ansatzes ein

Die erneute Gewalt stellt das im vergangenen Monat geschlossene Übergangsabkommen zwischen Washington und Teheran infrage, das die für den weltweiten Handel mit Öl und Gas wichtige Straße von Hormus eigentlich wieder öffnen und den Krieg beenden sollte, den die USA und Israel am 28. Februar gegen den Iran begonnen hatten. US-Präsident Donald Trump zeigte sich in einem Telefoninterview mit der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntagnachmittag dennoch siegessicher. „Wir setzen ihnen schwer zu“, sagte Trump mit Blick auf die Angriffe gegen den Iran.

Vorige Woche hatte Trump den Waffenstillstand für beendet erklärt, sich jedoch offen für weitere Gespräche gezeigt. Der iranische Chefunterhändler Mohammad Baqer Qalibaf schrieb am Sonntag auf der Plattform X: „Die Ära einseitiger Abkommen ist vorbei. Wir haben euch gesagt: Haltet euer Wort oder zahlt den Preis. Die Realität holt euch ein.“ Der Iran versucht seit Längerem, eine dauerhafte Gebührenpflicht für die Passage der Straße von Hormus durchzusetzen, über die vor dem Krieg ein Fünftel des weltweiten Öls und Flüssiggases transportiert wurde.

Rund 20 Schiffe durch die Meerenge eskortiert

Die neu geschaffene iranische Behörde für die Meerenge erklärte am Sonntag, die Durchfahrt sei wegen „illegaler Aktivitäten“ des US-Militärs derzeit nicht möglich. Die USA betonten hingegen, ihre Streitkräfte sicherten die Freiheit der Schifffahrt. US-Vertretern zufolge wurden in den vergangenen 24 Stunden rund 20 Schiffe durch die Meerenge eskortiert. Der Preis für die Rohölsorte Brent stieg am Montag um 4,3 Prozent auf 79,31 Dollar je Barrel. Höhere Treibstoffpreise gelten vor den Kongresswahlen in den USA im November als politisch hochgradig brisant für Trump.

Der Iran sieht sich nach eigenen Angaben nach den jüngsten kriegerischen Ereignissen bei Verstößen der USA gegen das Mitte Juni zwischen beiden Ländern geschlossene Rahmenabkommen nicht mehr an die Vereinbarung gebunden. „Jedes Mal, wenn die andere Seite ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen ist, haben wir unsere ebenfalls nicht eingehalten“, sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmail Baghaei, am Montag vor Journalisten in Teheran. „Wir werden weiterhin so vorgehen“, warnte er. Der Iran ist laut Baghaei weiter mit den Vermittlerstaaten Katar, Pakistan und dem Oman in Kontakt, um eine weitere Eskalation zu verhindern: „Es ist die Rolle der Vermittler, ihre Bemühungen fortzuführen, um eine Eskalation der Spannungen zu verhindern.“ Es habe „in den vergangenen Tagen“ Kontakte mit den drei Vermittlern gegeben, fügte er hinzu.

Guterres besorgt

UNO-Generalsekretär António Guterres teilte auf der Plattform X mit, er sei zutiefst besorgt über die „erhebliche Eskalation“. Eine Rückkehr zu umfassenden Kampfhandlungen hätte katastrophale Folgen für die Sicherheit der Region und die Weltwirtschaft. „Ich rufe den Iran und die USA nachdrücklich auf, die Verhandlungen unverzüglich wieder aufzunehmen und offene Fragen auf diplomatischem Wege zu lösen.“

Auch Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) zeigte sich über die neuerliche Eskalation besorgt. „Ich halte es für sehr wichtig, dass man jetzt wieder versucht, der Diplomatie den Vorrang zu geben“, sagte sie beim EU-Außenministerrat in Brüssel. Europa sei bereit, hier Verantwortung zu übernehmen. Die EU werde dies am heutigen Montag beim Treffen mit den Vertretern der Golfstaaten diskutieren, die unmittelbar betroffen seien. Meinl-Reisinger sprach allen Staaten, die von iranischen Angriffen betroffen seien, ihr Mitgefühl aus, die Angriffe seien inakzeptabel. Auch ihr deutscher Amtskollege Johann Wadephul (CDU) meinte in Brüssel, der Iran und die USA sollten rasch an den Verhandlungstisch zurückkehren.

Analysen zu aktuellen Entwicklungen

„Der Iran betrachtet die Kontrolle über die Straße von Hormus als ein wichtiges strategisches Ziel, und seine Führung ist der Ansicht, dass ein Kriegsende ohne die Kontrolle über die Meerenge eine schwere strategische Niederlage bedeuten würde“, heißt es in einer Analyse des Critical Threats Project (CTP), das von den in Washington ansässigen Denkfabriken Institute for the Study of War (ISW) und American Enterprise Institute betrieben wird.

Mit der Tötung einflussreicher Generäle und hochrangiger Politiker haben die Revolutionsgarden, Irans mächtige Militärorganisation, nach gängiger Experteneinschätzung ihre Macht in der Islamischen Republik weiter ausgebaut. Die neue Führung sei sich bewusst, dass gegenüber den USA ein gewisses Maß an Pragmatismus erforderlich ist, schrieb der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz in einem Gastbeitrag für die Zeitung „Israel Hayom“.

Teheran sei heute eher bereit, konsequent militärische Gewalt einzusetzen, schrieb Citrinowicz. Es handle sich um eine Führung, die „bei der Bewältigung der Krise pragmatischer vorgeht, ideologisch jedoch nicht gemäßigter ist“. Washington müsse sich entscheiden: die Konfrontation in der Straße von Hormuz zu verschärfen oder eine Vereinbarung zu akzeptieren und sich darauf zu konzentrieren, Teheran am Bau einer Atomwaffe zu hindern.

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