Heutige Aufnahme aus Flüchtlingscamp: Dieses Mädchen floh aus Mossul.

© REUTERS/ALAA AL-MARJANI

Dschihadistenmiliz
02/24/2017

US-General: IS-Kämpfer zwingen Kinder und Behinderte zu Attentaten

Offenbar immer weniger Freiwillige in den Reihen der Dschihadisten in Mossul.

Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) zwingt nach Angaben eines US-Generals Kinder und Menschen mit Behinderung in Fahrzeuge mit Sprengstoff, um im irakischen Mossul Selbstmordattentate zu begehen. General Matt Isler berichtete in Bagdad, der IS setze inzwischen diese Zwangsmethode ein, da es unter den Dschihadisten immer weniger freiwillige Fahrer gebe.

Das sei ein Zeichen dafür, dass auch der IS seine Niederlage inzwischen als unvermeidbar ansehe, sagte Isler. "Wir haben gesehen, wie Kinder in diese Fahrzeuge als Fahrer gesteckt wurden, Menschen, die nicht mehr laufen können", sagte der General. "Ich weiß nicht, ob die das wirklich freiwillig machen."

Opfer in Fahrzeugen festgekettet

Die Islamisten ketteten ihre Opfer in den Fahrzeugen fest. Das erste Mal habe die internationale Anti-IS-Koalition diese Methode beobachtet, als sich die irakischen Sicherheitskräfte dem Fluss Tigris genähert hätten, um den Osten von Mossul zu räumen, sagte der General.

Irakische Truppen rückten in West-Mossul ein

Die irakischen Truppen sind nach eigenen Angaben erstmals seit dem Beginn ihrer Offensive auf Mossul in den Westteil der belagerten Großstadt eingerückt. Im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) seien die Sicherheitskräfte am Freitag in das erste Wohnviertel in West-Mossul vorgedrungen, erklärte ein Kommandant.

Am Donnerstag hatten die irakischen Truppen den Flughafen von Mossul erobert und von dort aus ihre Offensive auf West-Mossul gestartet. Auf dem Vormarsch seien ein Militärstützpunkt und ein Dorf im Südwesten Mossuls eingenommen worden, sagte Generalleutnant Sami al-Aridhi von der Antiterroreinheit CTS. Zudem seien die irakischen Einheiten in das Wohnviertel Al-Maamun vorgedrungen. Auch das Gebiet um den Flughafen, der am Donnerstag eingenommen worden war, stehe nun vollständig unter der Kontrolle der Regierungseinheiten, sagte Brigadegeneral Abbas al-Juburi.
Die irakischen Regierungstruppen hatten im Oktober ihre Offensive auf Mossul - die letzte Hochburg des IS im Irak - begonnen. Im Jänner wurde der IS vollständig aus dem Ostteil der Stadt verdrängt. Am Sonntag starteten die irakischen Streitkräfte mit Unterstützung der US-geführten Anti-IS-Koalition dann auch eine Offensive auf den Westteil Mossuls, der durch den Fluss Tigris vom östlichen Stadtteil getrennt ist. Alle Brücken über den Tigris sind zerstört.

Die IS-Dschihadisten hatten 2014 weite Teile des Irak und Syriens erobert. Im Juni 2014, kurz nach der Eroberung von Mossul, hatte IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi dort in einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte das "Kalifat" des IS in Teilen des Irak und Syriens ausgerufen.

Mehr als 50 Tote bei Selbstmordanschlägen bei Al-Bab in Syrien

Einen Tag nach der Einnahme der nordsyrischen Stadt Al-Bab durch protürkische Rebellen sind bei zwei Selbstmordattentaten mehr als 50 Menschen getötet worden. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete am Freitag, bei einem Anschlag nahe Al-Bab habe es 51 Tote gegeben. Wenig später wurden zwei türkische Soldaten bei einem weiteren Attentat getötet.

Die Rebellen hatten am Donnerstag verkündet, Al-Bab von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) befreit zu haben. Weniger als 24 Stunden nach der "Niederlage" der IS-Kämpfer in Al-Bab habe sich ein Attentäter in Susian acht Kilometer nordöstlich der Stadt mit einem Fahrzeug in die Luft gesprengt, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Der Anschlag richtete sich demnach gegen zwei Kommandoposten der Rebellen, die dabei zerstört wurden.

Laut den für Medien kaum überprüfbaren Informationen der oppositionsnahen Beobachtungsstelle waren die meisten Opfer der Explosion in Susian Zivilisten. Zahlreiche Verletzte schwebten noch in Lebensgefahr. Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand, doch machten die Rebellen die IS-Miliz verantwortlich, die Al-Bab bisher kontrollierte.

Der Rebellenkommandeur Abu Jaafar der Mutassem Brigaden sagte, die türkische Armee, die Rebellen und Einwohner aus Al-Bab hätten sich in Susian getroffen, um "einen Sicherheitsapparat zu organisieren und einen Plan für den Wiederaufbau von Al-Bab aufzustellen". Eine IS-Schläferzelle habe jedoch beschlossen, die Versammlung anzugreifen.

Kurz nach dem schweren Anschlag in Susian teilte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim mit, zwei türkische Soldaten seien bei einem Selbstmordanschlag in Al-Bab getötet worden, als sie in der schwer zerstörten Stadt nach Sprengsätzen suchten. Die ganze Stadt sei noch voller Bomben und improvisierter Sprengsätze, sagte Yildirim.

Die türkische Armee und verbündete syrische Rebellen hatten die IS-Hochburg Al-Bab über Wochen belagert. Die Jihadisten leisteten jedoch heftigen Widerstand, so dass die Offensive lange kaum Fortschritte machte. Seit der türkischen Intervention in Nordsyrien wurden 71 Soldaten getötet, die meisten von ihnen vor Al-Bab.

Am Donnerstag dann verkündeten die Rebellen die Einnahme der gesamten Stadt, doch blieben Zweifel an der Siegesmeldung. Die Beobachtungsstelle erklärte, IS-Kämpfer seien weiter in der Stadt präsent. AFP-Reporter hörten am Donnerstagnachmittag vereinzelt Schusswechsel, während die Rebellen weiter die Stadt durchkämmten.

Die vollständige Vertreibung aus Al-Bab wäre ein schwerer Rückschlag für die Extremistengruppe, die auch in ihrer letzten irakischen Hochburg Mossul unter Beschuss steht. Die türkische Regierung hat angekündigt, nach Al-Bab die syrische IS-Hauptstadt Raqqa ins Visier zu nehmen. Doch laufen noch Gespräche mit den USA, wer an der Operation beteiligt wird.

Bei Angriffen der syrischen Luftwaffe am Stadtrand von Aleppo wurden unterdessen 32 Rebellenkämpfer getötet, wie die Beobachtungsstelle mitteilte. Die Regierungstruppen hatten die Großstadt im Dezember nach monatelangen Kämpfen zurückerobert, doch bleiben die Aufständischen in Rashidin und anderen westlichen Vororten Aleppos präsent.

Laut der Beobachtungsstelle reagierte die Armee mit dem Bombardement auf den Raketenbeschuss der Rebellen. Eigentlich gilt seit Ende Dezember eine von Russland und der Türkei vermittelte Waffenruhe zwischen Regierung und Rebellen. Die IS-Miliz und andere Dschihadistengruppen sind davon ausgenommen.

Mosul: Der schwierige Kampf um die letzte IS-Hochburg im Irak

Der Kampf um Mosul könnte zur entscheidenden Schlacht gegen die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) im Irak werden. Mosul ist die letzte irakische Stadt, die zumindest noch teilweise unter Kontrolle der IS-Miliz steht. Im Jänner wurde der IS bereits vollständig aus dem Ostteil der Stadt verdrängt. Im Westteil Mosuls steht der Armee aber ein schwieriger Einsatz bevor.

Der westliche Teil der Stadt ist kleiner, aber dichter besiedelt als der Osten. Die Straßen rund um das historische Zentrum sind eng und für große Militärfahrzeuge oft nicht passierbar. Nach Schätzungen von US-Beamten halten sich in Mosul noch rund 2000 Jihadisten auf. Zudem sind in West-Mosul schätzungsweise noch 750.000 Zivilisten eingeschlossen.

Der IS hatte Mosul im Sommer 2014 in einer Blitzoffensive erobert, ohne dass die irakische Armee nennenswerten Widerstand leistete. Die zweitgrößte irakische Stadt war einst eine Hochburg der Anhänger von Machthaber Saddam Hussein. Nach dessen Sturz schlossen sich viele von ihnen dem IS an, der in Mosul sein "Kalifat" ausrief.

Die Stadt am Tigris ist von großer strategischer Bedeutung, nicht nur wegen ihrer Ölfelder und Raffinerien. Durch Mosul führen auch wichtige Routen zur syrischen Grenze, in die Türkei sowie nach Bagdad. Die Stadt war einst ein wichtiges Handelszentrum und vor allem für ihre Stoffproduktion bekannt. Sie beherbergt auch zahlreiche Bauwerke aus dem 13. Jahrhundert.

Mosul ist eine ethnisch und religiös gemischte Stadt. Neben Arabern, Kurden und Turkmenen lebten bis zum Einmarsch des IS auch etwa 35.000 Christen in der Stadt. Die meisten von ihnen flohen aber angesichts der Unterdrückung durch die sunnitischen Extremisten.

Die IS-Kämpfer setzten in Mosul eine kompromisslose Auslegung der religiösen Gesetze der Scharia durch. Sie verbrannten tausende Bücher und seltene Handschriften. Außerdem zerstörten sie dutzende Statuen und sprengten den Schrein von Nabi Yunus, der von Muslimen und Christen als Grab des Propheten Jonas verehrt wurde.

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