Politik | Ausland
09.09.2017

Umstrittener Islam-Report: "Da wird mit Feindbildern gearbeitet"

Journalist Constantin Schreiber hat sich in deutschen Moscheen umgehört und dem KURIER darüber berichtet.

Islamfeindlichkeit hat Constantin Schreiber bisher eigentlich niemand unterstellt. Der 36-Jährige lebte lange in Syrien, spricht fließend arabisch; seine Erklär-Sendung für Asylsuchende auf n-tv erhielt den Grimme-Preis.

Jetzt, da der zum ARD-Tagesthemen-Moderator aufgestiegene Journalist ein Buch namens "Inside Islam" veröffentlicht hat, hört er diesen Vorwurf öfter. 13 islamische Gotteshäuser hat Schreiber für sein Buch besucht, große, kleine, bekannte wie unbekannte, jedoch bewusst keine, die für Extremismus bekannt sind.

Sein Eindruck? "Ich habe gedacht, Freitagspredigten sind wie christliche Gottesdienste", sagt er im KURIER-Gespräch. "Doch es wird mit klaren Stereotypen und Feindbildern gearbeitet. Keine Predigt war ein Brückenschlag."

Weihnachtsgefahr

Da wird etwa die Predigt eines Imam geschildert, der kurz nach dem Anschlag von Berlin der "Gefahr von Weihnachten" mehr Raum gibt als dem Attentat; da ist von einem anderen die Rede, der Demokratie für ebenso gefährlich hält wie Extremismus. Oder die Predigt eines türkischen Imams, der nach dem Putsch Stimmung für die AKP macht – "eine politische Predigt im Sinne Erdoğans", so Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi.

Freilich sei die Auswahl "nicht repräsentativ", sagt Schreiber, er sei ja kein Wissenschaftler, sondern Journalist. Aber Schlüsse lasse sie zu. So seien "die türkischen Prediger vornehmlich politisch, die arabischen spirituell-konservativ-reaktionär".

Noch mehr überrascht habe ihn, "dass die durchschnittliche Moschee kein repräsentativer Bau ist, sondern im Keller, im Hinterhaus liegt". Die meisten seien unsichtbar, das habe auch die Suche so schwierig gemacht: Die Behörden führen keine Register über die Gotteshäuser.

Diese Weltabgewandtheit spiegle sich auch in den Predigten wider, sagt Schreiber. "Der rote Faden war überall die Warnung vor dem Leben da draußen." Dazu komme die Sprachbarriere; Deutsch konnte er nur mit einem der Imame sprechen.

"Misstrauenskultur"

Irritierend fand Schreiber, dass auch Flüchtlinge, mit denen er sprach, oft verwundert über die Predigten waren. "Sie meinten, solche konservative Predigten von zu Hause nicht zu kennen."

Das bestätigt die Freiburger Islamwissenschaftlerin Johanna Pink, die sich über das Buch jedoch kritisch äußerte. Viele Muslime würden sich selbst "über belanglose, konservativ-moralisierende Predigten" beschweren, darum sei das Buch "verzerrende und einseitige Berichterstattung".

Auch die linke Zeitung taz nannte Schreiber ein "Gesicht der Misstrauenskultur"; der rechtslastige Publizist Hamed Abdel-Samad hieß Schreiber "im "Kreis der bigotten, populistischen Islamophoben" willkommen.

Dass Kritik von links und Beifall von rechts kommen würde, war Schreiber klar, sagt er. Er müsse das aushalten, sagt er: "Ich will einen Anstoß zu einer offenen Debatte darüber geben." Das ist ihm jedenfalls gelungen.