Politik | Ausland
28.11.2018

Ukraine/Russland: Aussage gegen Aussage im Streit um Asowsches Meer

Gegenseitige Beschuldigungen - Gerichtstermin für ukrainischen Seemann in Sewastopol. Den Gefangenen drohen sechs Jahre Haft.

Unterschiedlicher könnten die Darstellungen dessen, was am Sonntag in der Straße von Kertsch zum Asowschen Meer passiert ist, nicht sein, so Deutschlands Kanzlerin Merkel.

Gemein ist den allermeisten Reaktionen auf die Schießerei zwischen ukrainischen und russischen Marinebooten der Aufruf an beide Staaten zur Deeskalation und der Appell an Moskau, die festgenommenen ukrainischen Seeleute freizulassen. All das aber gepaart mit dem Zusatz, dass man zunächst eine genaue Rekonstruktion der Geschehnisse brauche.

Indes trat am Mittwoch in ukrainischen Grenzregionen zu Russland und Transnistrien (abtrünnige Region in der Republik Moldau) das Kriegsrecht in Kraft. Der ukrainische Präsident Poroschenko sprach im TV auch von einer russischen Truppenaufstockung an der Grenze und der Gefahr eines „groß angelegten Krieges“.

Russlands Präsident Putin spricht hingegen von orchestierter Provokation. Der russische Geheimdienst FSB untermauert das mit einem Video auf dem drei der gefangenen ukrainischen Seeleute in nahezu identer Wortwahl getrennt voneinander ein Eindringen in russische Hoheitsgewässer gestehen.

„Kriegsgefangene“

Ukrainische Stellen (darunter der Admiral der Marine) zeigten für diese Geständnisse ausdrücklich Verständnis und führten psychischen und physischen Druck ins Rennen. Die ukrainische Staatsanwaltschaft betrachtet die Gefangenen zudem als Kriegsgefangene Russlands, wodurch sie vor jeder Bloßstellung zu schützen seien.

Russland sieht sie als einfache Gefangene, die laut Anklage versucht hätten, „in einer Gruppe die Grenze illegal zu überqueren“. Darauf stehen bis zu sechs Jahre Haft. Der Kreml beruft sich auf die Unabhängigkeit der Gerichte, wodurch man auf die Verfahren nicht Einfluss nehmen könne.

Laut Russland hatte der ukrainische Flottenverband seine angestrebte Durchfahrung der Straße von Kertsch nicht ordnungsgemäß gemeldet. Funkrufe der Marine-Administration von Kertsch seien ignoriert worden. Von Rammmanövern (wie sie auf Videos zu sehen sind) ist keine Rede. Auch nur von Warnschüssen.

Laut ukrainischer Darstellung wurde die Durchfahrt wie gefordert angemeldet. Dann sei man von vier russischen Booten und später zwei Helikoptern eskortiert worden. Die Hafenbehörde in Kertsch habe über Funk aber nicht geantwortet. Als man sich am Abend zum Umkehren entschlossen habe, sei die Lage eskaliert. Die Rede ist nicht von Warnschüssen sondern von gezieltem Feuer mit dem Ziel zu töten.