Schon wieder in die Parade gefahren: Ukrainischer Drohnenangriff vor Putins Wirtschaftsgipfel
Es ist längst ein Stück Putin'scher Folklore. Seit 1997 lädt Wladimir Putin Wirtschaftstreibende aus aller Welt für drei Tage zum Wirtschaftsforum nach Sankt Petersburg.
In besseren Zeiten tummelten sich 20.000 DAX-Vorstände, Staatsoberhäupter und eben Wirtschaftstreibende drei Tage lang in Putins Heimatstadt. Davon mag in Jahr vier des Ukraine-Krieges nicht mehr viel übrig sein – offiziell angesagt waren zuletzt die Präsidenten von Uzbekistan und Tansania – aber immerhin: Auch einige westliche Firmen sollen dieses Jahr wieder nach St. Petersburg kommen, sogar eine offizielle US-Delegation soll vorbei schauen, wenn auch unter der Leitung eines einigermaßen obskuren US-Beamten namens Rodney Mims Cook Jr, seines Zeichens Vorsitzender der "Kommission der Feinen Künste".
Just in dieser PR-Parade Putins krachten in der Nacht auf Mittwoch zahlreiche ukrainische Drohen. Das darf – unabhängig vom angerichteten Schaden – getrost als weiterer Erfolg für die Ukraine gewertet werden. 1.100 Kilometer von der Ukraine entfernt haben ukrainische Drohnen einmal mehr bewiesen, dass keine russische Stadt mehr vor ihren Angriffen sicher ist. Zerstört wurde offenbar ein Öllager im Hafen der Stadt, laut russischen Angaben wurden mehrere Menschen verletzt, getötet wurde niemand. Insgesamt griffen mehr als 345 ukrainische Drohnen russisches Staatsgebiet an – so viele jedenfalls hat Russland eigenen Angaben zufolge abgeschossen.
Es war der zweite Großangriff ukrainischer Drohnen auf eine russische Metropole binnen weniger Wochen, nachdem die Ukraine Putin schon bei der Siegesparade zum Kriegsende am 8. Mai mit Drohnenangriffen verschont hatte, um nur eine Woche mit einem massiven Angriff zu beweisen, dass man ihm sehr wohl in die Parade fahren hätte können, wenn man das nur gewollt hätte.
Luftkrieg über der Ukraine
Und doch ist es angesichts der Zerstörungen, die Russland auch in den letzten Tagen in der Ukraine anrichtet, vor allem ein PR-Erfolg.
An der Front gibt es seit Wochen kaum ein Vor oder Zurück. Dort wird der Krieg für Putin immer mehr zur Pattstellung, mit zuletzt leichten Vorteilen für die Ukraine sogar, die inzwischen ein Drohnenplus an der Front geschaffen hat.
Der Luftkrieg über der Ukraine hingegen, nimmt in den letzten Wochen unangenehme Fahrt auf – auch hier mit leichten Vorteilen für die Ukraine, allerdings nur in Sachen Schlagzeilen.
Denn auch wenn die Ukraine inzwischen über Drohnen verfügt, die über 1000 Kilometer tief in russisches Gebiet vordringen können: Im nun entbrannten Luftkrieg ist Russland der Ukraine doch deutlich überlegen.
Seit dem ukrainischen Drohnenangriff auf Moskau scheint es in der Wahl der Mittel kein Halten mehr zu geben.
22 Tote und 130 Verletzte zählte die Ukraine alleine in den letzten 48 Stunden nach russischen Angriffen auf die zivile Infrastruktur. Dabei setzte Russland nicht nur vergleichsweise billige Shahed-Drohnen ein, sondern auch wieder ballistische Raketen.
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