Nach Skandal: Selenskij macht Geheimdienstchef zum neuen Büroleiter

Zwei Männer sitzen an einem Tisch mit Papieren und Wasserflaschen in einem Büro.
Budanow ist seit 2020 Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes. Dem 39-Jährigen wird eine Reihe gewagter Militäreinsätze gegen Russland zugeschrieben.

Der ukrainische Militärgeheimdienstchef Kyrylo Budanow übernimmt die Leitung des Präsidialbüros in Kiew und wird damit zur neuen rechten Hand von Staatschef Wolodymyr Selenskij. Der 39-Jährige folgt auf Andrij Jermak, der wegen eines Korruptionsskandals zurückgetreten war. 

Budanow gilt wegen erfolgreicher Operationen im Kampf gegen Russland als populärer Strippenzieher in der Ukraine. Auslandsgeheimdienstchef Oleh Iwaschtschenko wird neuer Chef des Militärgeheimdiensts HUR.

Für gewagte Militäreinsätze gegen Russland verantwortlich

Budanow ist seit 2020 Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes. Der Generalmajor ist verantwortlich unter anderem für Sprengstoffanschläge auf die Brücke zu der von Moskau annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim und für Attentate auf Generäle in Moskau. "Es ist für mich eine Ehre und eine Verantwortung, mich in dieser für die Ukraine historischen Zeit auf die entscheidenden Fragen der strategischen Sicherheit unseres Staates zu konzentrieren", teilte Budanow nach seiner Ernennung mit.

"Wir müssen weitermachen - den Feind bekämpfen, die Ukraine verteidigen und für einen gerechten Frieden arbeiten. Lasst uns gemeinsam weiter für eine freie und sichere Zukunft der Ukraine kämpfen! Wir werden durchhalten!"

Geheimdienst soll Russland weiter wirtschaftlich schwächen

Der 56 Jahre alte Generalleutnant Iwaschtschenko hatte die Auslandsaufklärung seit 2024 geführt. Er solle in der neuen Aufgabe weiter an der wirtschaftlichen Schwächung Russlands und an der Einschränkung von Moskaus Militärpotenzial arbeiten, teilte Selenskyj in den sozialen Netzwerken mit. "Wir konzentrieren uns weiterhin darauf, das wirtschaftliche Potenzial Russlands zu schwächen: Je weniger der Aggressor verdient, desto mehr Möglichkeiten gibt es für die Diplomatie. Dies gilt insbesondere für die russischen Ölexporte, die eingeschränkt und billiger werden", sagte Selenskyj. Er äußerte sich auch in Hinblick auf die zahlreichen Drohnenschläge gegen die Energieinfrastruktur des Nachbarlandes.

"Ähnlich verfahren wir auch in Bezug auf die russische Rüstungsproduktion: Je mehr wir die Verbindungen des Aggressors zur Welt und seine Umgehungsstrategien für Sanktionen unterbrechen, desto größer ist das Potenzial für Bemühungen zur Beendigung des Krieges", sagte Selenskyj weiter. Er sei dem Auslandsgeheimdienst für seine Arbeit dankbar. Unklar war, wer künftig die Auslandsaufklärung der Ukraine führt.

Verstärkter Fokus auf Sicherheitsfragen

Selenskyj erklärte, die Ukraine müsse sich verstärkt auf "Sicherheitsfragen, den Ausbau der Verteidigungs- und Sicherheitskräfte sowie den diplomatischen Weg in den Verhandlungen" konzentrieren. "Kyrylo hat spezielle Erfahrung in diesen Bereichen und die nötige Stärke, um Ergebnisse zu erzielen", betonte der ukrainische Präsident.

Die Ukraine, die sich seit fast vier Jahren gegen einen russischen Angriffskrieg wehrt, wird seit Wochen von einem Schmiergeldskandal erschüttert. Auch Jermak war in diesem Zusammenhang in Erklärungsnot geraten. Ende November trat er nach Hausdurchsuchungen zurück. Jermak ist ein langjähriger Vertrauter von Selenskyj und war eine zentrale Figur bei den Verhandlungen mit den US-Amerikanern um ein Ende des Krieges. Er hatte das ukrainische Verhandlungsteam angeführt.

Russland sieht Budanow als "Terroristen"

Als HUR-Chef war Budanow bereits Mitglied der ukrainischen Delegation. An diesem Samstag treffen sich nationale Sicherheitsberater in Kiew, um über die weitere Unterstützung der Ukraine zu beraten. Laut Selenskyj haben 15 Länder, Vertreter der EU und der NATO ihre Teilnahme zugesagt. Das US-Team werde online zugeschaltet, sagte Selenskyj. Am 5. Jänner solle es Gespräche auf Ebene der Generalstabschefs geben, gefolgt von einem Gipfel der "Koalition der Willigen" am Dienstag in Paris. Budanow kommt eine zentrale Rolle bei den Gesprächen zu.

Russland hingegen sieht Budanow als einen der wichtigsten Feinde, der auf der Todesliste Moskaus steht. Selenskyj habe den "Hauptterroristen" zum Chef seiner Kanzlei gemacht, schrieb der prominente Moskauer Politologe Sergej Markow bei Telegram. Die Zeichen stünden damit auf Angriff, meinte er - auch Kremlchef Wladimir Putin sei damit weiter in Gefahr. Russland wirft der Ukraine seit Tagen Versuche vor, eine Residenz Putins mit Drohnen angegriffen zu haben. Kiew weist das als Lüge und russische Desinformation zurück.

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