Waffenpause im Ukraine-Krieg: Was ändert sich wirklich?

FILE PHOTO: Locals dance the cold away at a blackout party during electricity an outage in Kyiv
Moskau willigte ein, Angriffe auf Kiew bis Sonntag einzustellen. Für die Menschen macht das keinen Unterschied.

Kremlchef Wladimir Putin hat einer begrenzten Feuerpause bis Sonntag, 1. Februar, zugestimmt – allerdings nicht als allgemeine Waffenruhe, sondern konkret als Stopp von Luftangriffen auf Kiew. 

Auslöser sei eine persönliche Bitte von US-Präsident Donald Trump gewesen, um "günstige Bedingungen“ für Verhandlungen zu schaffen, erklärte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

Damit bekommt Trumps eigene Darstellung einen neuen, politisch heiklen Spin. Trump hatte zuvor behauptet, er habe Putin dazu gebracht, die Angriffe für eine Woche auszusetzen – auch mit Verweis auf die extreme Kälte – laut ukrainischem Wetterbericht sollen kommende Woche Temperaturen bis zu minus 30 Grad möglich sein. 

Moskau widersprach dem Tenor: Der Kreml bestätigte zwar die Bitte Trumps, nannte aber nicht das Wetter, sondern die Verhandlungslogik als Begründung – und begrenzte den Zeitraum bis 1. Februar.

In der Ukraine wird diese "Pause“ vor allem an einer Frage gemessen: Hört Russland auch auf, das Energiesystem zu zerschlagen? Präsident Wolodimir Selenskij erklärte, es gebe keinen formalen Waffenstillstand, Kiew sei aber bereit zu Gegenschritten, etwa bei Angriffen auf russische Raffinerien – wenn Russland tatsächlich von Attacken auf ukrainische Energie-Infrastruktur ablasse.

Massive Schäden

Der Hintergrund ist dramatisch. Die russische Luftkampagne trifft seit Jahren systematisch Kraftwerke, Umspannwerke und Leitungen. Allein seit Oktober 2025 bis Mitte Jänner 2026 seien rund 8,5 Gigawatt Erzeugungskapazität beschädigt worden, berichteten russische wie ukrainische Medien. Was das im Alltag bedeutet, zeigen die jüngsten Angriffswellen: Nach einem massiven Schlag Ende Jänner waren über eine Million Häuser ohne Strom, in Kiew zeitweise Tausende Gebäude ohne Heizung – bei Temperaturen weit unter null.

In dieses Bild passt ein Schicksal, das in Kiew viele erschüttert hat: Die Holocaust-Überlebende Jewhenija („Baba Zhenya“) Besfamilna wurde Mitte Jänner tot in ihrer Wohnung gefunden – Medienberichten zufolge erfroren, nachdem Strom und Wärme in einer Kälteperiode ausfielen. Es ist die brutal konkrete Konsequenz einer Strategie, die Infrastruktur nicht nur "beschädigt“, sondern zum Ziel hat, den Willen der ukrainischen Bevölkerung zu brechen.

Allein in diesem Jahr dürfte Russland mehr als 3.000 Shahed-Drohnen eingesetzt haben. Diese Drohnen wurden anfangs vor allem mit einem GPS-Sender ausgestattet und flogen „dumm“ in Richtung Ziel. Mittlerweile häufen sich Berichte von Shaheds, die von Piloten gesteuert werden und bis zum Ziel etwa zehn Meter über dem Boden fliegen. Meist Hunderte Kilometer weit. Das macht sie für die ukrainische Flugabwehr schwierig zu orten und zu bekämpfen.

Von der kurzen Waffenruhe nicht betroffen ist die gesamte Front, wo nach wie vor mit äußerster Härte gekämpft wird. An nahezu allen Frontabschnitten haben die russischen Streitkräfte die Initiative.

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