Ukraine: Erste Waffenruhe nach mehr als vier Jahren Krieg in Kraft getreten

Ob die Waffenruhe hält, gilt allerdings als ungewisse. Der ukrainische Geheimdienst hat die Bevölkerung zur Vorsicht aufgerufen.
Orthodoxer Pfarrer an der Front

Anlässlich des orthodoxen Osterfestes im Ukraine-Krieg am Samstag eine knapp eineinhalb-tägige Waffenruhe in Kraft getreten. Der russische Präsident Wladimir Putin setzte sie für insgesamt 32 Stunden an - und zwar von Samstagnachmittag 16.00 Uhr Ortszeit (15.00 Uhr MESZ) bis Mitternacht am Sonntag (23.00 Uhr MESZ), damit die Christen in der Ukraine und Russland das orthodoxe Osterfest feiern können.

Indes warnten beide Seiten vor Verstößen gegen die Waffenruhe. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte bei Telegram mit, er und Oberbefehlshaber Olexandr Syrskyj hätten die Bedingungen festgelegt für ukrainische Reaktionen auf eine etwaige Verletzung der Feuerpause. "Solange es keine russischen Angriffe in der Luft, zu Lande oder auf See gibt, wird es auch keine Reaktionen unsererseits geben." Auch Moskau hat angekündigt, auf mögliche Verstöße von Kiews Truppen zu reagieren. Bei vergangenen Feuerpausen hatten beide Kriegsparteien immer wieder Verstöße beklagt.

Vorschlag für dauerhaften Waffenstillstand

Zudem erneuerte Selenskij seinen Vorschlag, aus der Waffenruhe einen dauerhaften Waffenstillstand zu machen. "Ein Waffenstillstand zu Ostern könnte auch der Beginn einer echten Bewegung in Richtung Frieden sein - von unserer Seite liegt ein entsprechender Vorschlag vor", sagte er. Die Initiative für eine Verlängerung der Waffenruhe sei der russischen Seite übergeben worden, sagte er.

Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte bereits am Freitag erklärt, dass die Kampfhandlungen nach Ablauf um Mitternacht am Sonntag wieder aufgenommen würden, wenn Selenskyj keine Entscheidung treffe, sich auf die russischen Bedingungen für einen Frieden einzulassen. Er meint damit, dass Kiew seine Truppen aus dem ostukrainischen Gebiet Donbass abziehen soll. Moskau kontrolliert bisher den größten Teil des Gebiets, verlangt aber für ein Kriegsende auch die letzten Kilometer inklusive der für Kiew strategisch wichtigen Städte Kramatorsk und Slowjansk. Selenskyj lehnt solche Gebietsabtretungen als Geschenk an die russischen Besatzer kategorisch ab.

Indes kam es unter Vermittlung der Vereinigten Arabischen Emirate am Samstag zu einem Gefangenenaustausch zwischen Kiew und Moskau. Beide Seiten bestätigten die Rückkehr von je 175 Kriegsgefangenen und 7 Zivilisten. Russland und die Ukraine haben bereits wiederholt Kriegsgefangene ausgetauscht, zuletzt im März.

Zudem gibt es seit Beginn des Iran-Kriegs eine Verhandlungspause. Kiew und Moskau hatten sich zwar für eine rasche Wiederaufnahme der Gespräche ausgesprochen. Einen Termin für trilaterale Verhandlungen gibt es aber nicht.

Ukrainischer Geheimdienst mahnt zur Vorsicht

Der ukrainische Geheimdienst SBU warnte die Menschen davor, den Ankündigungen Putins zu vertrauen und mahnte zur Achtsamkeit. "Trotz der Erklärungen des Aggressorstaates über eine sogenannte Waffenruhe geben die feindlichen Geheimdienste ihre Pläne nicht auf, arbeiten weiterhin gegen die Ukraine und greifen auf informationspsychologische Spezialoperationen, Provokationen, Terroranschläge und Sabotageakte zurück", hieß es in einer in Kiew veröffentlichten Mitteilung des SBU.

Der Geheimdienst gab an, dass russische Agenten gezielt Konflikte zwischen Vertretern verschiedener Konfessionen und Religionsgemeinschaften schüren wollten. Und es gebe Versuche des Feindes, "Ukrainer für die Vorbereitung von Terroranschlägen und die Steuerung von Luftangriffen auf die zivile Infrastruktur unseres Staates zu rekrutieren", hieß es.

Der SBU rief die Menschen vor dem Osterfest auf, verdächtige Personen und Gegenstände oder Auffälligkeiten zu melden und besonders beim Besuch von Großveranstaltungen wachsam zu sein. Wichtig sei zudem, den Luftalarm bei Angriffen nicht zu ignorieren, bei Gefahr Schutzräume aufzusuchen und sich an die Ausgangssperre zu halten.

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