Politik | Ausland
25.07.2014

Von Nazis und Ultra-Nationalisten

Der Krieg mobilisiert auf beiden Seiten dubiose Elemente.

Während sich Tausende aus den umkämpften Gebieten in der Ostukraine in Sicherheit bringen, ziehen die Kämpfe dort Menschen eines besonderen Schlages an: Söldner und Freiwillige, Abenteurer mit krausen Weltvorstellungen – auf beiden Seiten dieses Konfliktes. Diese Woche meldeten russische Medien, pro-russische Separatisten hätten im umkämpften Lugansk einen schwedischen Freiwilligen gefangen genommen. Es handelt sich dabei um Mikael Skilt, einen bekennenden Neonazi, der nach eigener Darstellung in der Ukraine kämpft, um seine "weißen Brüder" gegen "zionistische Imperialisten" zu unterstützen. Er ist ausgebildeter Scharfschütze und kämpfte in den Reihen des Azow-Bataillons, einer Einheit der Nationalgarde, die dem Innenministerium untersteht.

Die Nationalgarde besteht aus einer Vielzahl an Einheiten, die sich aus Freiwilligen rekrutieren, vom Innenministerium ausgerüstet, trainiert und zur Unterstützung der maroden Armee eingesetzt werden.

Das Azow-Bataillon aber nimmt eine besondere Rolle ein – und eine, die besonnenen Ukrainern zunehmend Sorgen bereitet. Es ist wohl kein Zufall, dass ein schwedischer Neonazi genau hier anknüpfte. Angelobt werden die Kämpfer der Einheit unter der gelb-schwarzen Runen-Fahne der Organisation "Sozial-Nationaler Zusammenschluss" (SNA), eine Neonazi-Gruppe, die offen "Herrenrassengedanken" pflegt.

Kriegsblind

Der Link der Organisation zum politischen Establishment ist dabei Oleg Ljaschko, der bei den Präsidentenwahlen 8,3 Prozent erreichte. Auf der Liste seiner "Radikalen Partei" für den Stadtrat von Kiew stehen gleich vier Mitglieder der SNA. Auf einem Video ist Ljaschko zudem zu sehen, wie er einen gefangenen Separatisten misshandelt. Zwar besteht das Azow-Bataillon nicht nur aus SNA-Mitgliedern, die Kommandantenebene aber rekrutiert sich durchwegs aus deren Rängen sowie der Skinheadgruppe "Misanthropic Division".

Das allgemeine politische Chaos und die Kriegswirren setzen sich auch in der Berichterstattung ukrainischer Medien fort. Die Schattierungen und Grautöne des Begriffs "Patriotismus" gehen dabei teils verloren. Und so sind es zuweilen die liberalen Medien-Aushängeschilder der Revolution wie Hromadske-TV, die mehr als unkritisch über die anti-demokratische Ideologie der Azow-Kommandanten berichten. So saß ein Befehlshaber des Bataillons einmal mit Leibchen mit der Aufschrift "Black-Corps", Schwarzes Korps, im Studio. "Das Schwarze Korps" war die Zeitung der SS.

Auf der anderen Seite dieses Konflikts, in Russland, wird das genüsslich ausgeschlachtet – wenngleich nicht weniger dubiose Gestalten und Ideen hinter dem pro-russischen Aufstand stehen. Da ist etwa der Militärchef der Separatisten, Igor Girkin, ein aus Moskau stammender Militarist und Monarchist mit angeblich besten Verbindungen zu Russlands Militärgeheimdienst GRU. Unter seinem Kommando stehen neben tschetschenischen Söldnern vor allem russische Ultra-Nationalisten, Traditionalisten, Kosaken sowie einige lokale Kämpfer. Was Letztere vereint, ist der 2006 vom russischen Ultra-Nationalisten Mikhail Smolin geprägte Begriff der "russischen Einheit", der zufolge die Ukraine eine "Krankheit" und Ukrainer an sich "süd-russische Separatisten" sowie "Verräter an der orthodoxen Zivilisation" seien. Und in dieser Art werden schon gemäßigte ukrainische Patrioten in russischen Medien dargestellt – und diese stellen in den Rängen der ukrainischen Kräfte nach wie vor die breite Mehrheit.