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Politik Ausland
06/25/2022

Ukraine: Ganz Sjewjerodonezk von Russen besetzt

Russland: Mit der Einnahme der Stadt sei "der Versuch des Feindes vereitelt worden, das Industriegebiet des Unternehmens Sjewjerodonezk "Asot" in ein Zentrum des Widerstands zu verwandeln".

Die Stadt Sjewjerodonezk in der Ostukraine ist nach Angaben ihres ukrainischen B√ľrgermeisters Olexander Strjuk vollst√§ndig von russischen Truppen besetzt. "Sie versuchen, ihre eigene Ordnung herzustellen. Soweit ich wei√ü, haben sie eine Art Kommandanten ernannt", sagt Strjuk im ukrainischen Fernsehen. Wo Strjuk sich aufh√§lt, wurde nicht genannt.

Die ukrainischen Truppen haben sich zu gro√üen Teilen aus dem schwer umk√§mpften Sjewjerodonezk zur√ľckgezogen. Sie h√§tten andere Stellungen bezogen, sagte Strjuk am Samstag der ukrainischen Nachrichtenseite 24tv zufolge. Zahlen und Details nannte er nicht. Die Truppen h√§tten die Chemiefabrik "Asot" verlassen. Dort hielten sich demnach noch Zivilisten auf.

"Vollständig befreit"

Die ukrainische Armee hatte am Freitag ihren R√ľckzug aus der Stadt angeordnet. Das sollte einige Tage in Anspruch nehmen. Sjewjerodonezk z√§hlte bisher zu den letzten Teilen des Gebietes Luhansk, die noch nicht von russischen und pro-russischen K√§mpfern erobert waren.

In der Stadt leben heute noch einige Tausend Menschen. Nach Darstellung der pro-russischen Separatisten sollen inzwischen mehr als 800 Zivilisten das Chemiewerk verlassen haben, wie die russische Nachrichtenagentur Interfax meldete. Zuletzt gab es unterschiedliche Angaben, wie viele Menschen in der Fabrik Schutz vor den Angriffen gesucht haben.

Das ukrainische Milit√§r best√§tigte den R√ľckzug aus Sjewjerodonezk, der zuletzt umk√§mpften Stadt in der Ostukraine sp√§ter. "Nach dem R√ľckzug von Einheiten unserer Truppen hat sich der Feind in Sjewjerodonezk festgesetzt", teilte der Generalstab am Samstagabend in Kiew mit. Dies sei auch in zwei Vororten der Fall sowie in Syrotyne, einem Dorf westlich von Metjolkine.

Das russische Verteidigungsministerium in Moskau vermeldete: Pro-russische K√§mpfer der Volksrepublik Luhansk h√§tten mit Unterst√ľtzung russischer Truppen Sjewjerodonezk "vollst√§ndig befreit", sagte Sprecher Igor Konaschenkow der Staatsagentur TASS zufolge. Mit der Einnahme der Stadt sei "der Versuch des Feindes vereitelt worden, das Industriegebiet des Unternehmens Sjewjerodonezk "Asot" in ein Zentrum des Widerstands zu verwandeln". Das Industriegel√§nde werde derzeit von Einheiten der Luhansker Separatisten kontrolliert, sagte Konaschenkow.

Russland nahm nach Angaben der Ukraine in der Nacht auf Samstag Ziele in allen Landesteilen unter schweren Beschuss genommen. "48 Marschflugk√∂rper. Nachts. In der ganzen Ukraine", schrieb einer der Berater von Pr√§sident Wolodymyr Selenskyj, Mychajlo Podoljak, auf Twitter. "Russland versucht weiter, die Ukraine einzusch√ľchtern, Panik zu sch√ľren und die Menschen in Angst zu versetzen." Von russischer Seite lag zun√§chst keine Stellungnahme vor.

Raketen teils abgefangen

Aus dem Norden meldete die Ukraine am Samstag Raketenangriffe nahe den Städten Schytomyr, Tschernihiw und Charkiw. Die russischen Streitkräfte hätten fast 30 Raketen auf eine militärische Infrastruktureinrichtung bei Schytomyr abgefeuert, teilte Gouverneur Witalij Bunetschko mit. Knapp zehn Raketen seien abgefangen und zerstört worden. Mindestens ein Soldat sei bei dem Angriff getötet worden.

In der Region Tschernihiw sei die Kleinstadt Desna unter massiven Raketenbeschuss geraten, teilte Gouverneur Wjatscheslaw Tschaus mit. Es habe keine Verletzten, aber Sch√§den an der Infrastruktur gegeben. In Desna befindet sich ein Ausbildungszentrum f√ľr die ukrainische Infanterie. Auch die Region Charkiw wurde nach Angaben des ukrainischen Generalstabs von Raketenangriffen getroffen.

In der Westukraine wurden ukrainischen Angaben zufolge bei einem russischen Raketenangriff auf eine Milit√§ranlage in Jaworiw vier Menschen verletzt. Die russischen Streitkr√§fte h√§tten sechs Raketen vom Schwarzen Meer aus abgefeuert, sagt der Gouverneur der Region Lwiw, Maxym Kosyzkyj, in einer Videobotschaft. Vier Raketen h√§tten den St√ľtzpunkt getroffen, zwei seien von der ukrainischen Luftabwehr abgefangen und zerst√∂rt worden. Im M√§rz waren bei einem russischen Angriff auf ein Ausbildungslager des ukrainischen Milit√§rs nahe Jaworiw nach Beh√∂rdenangaben 35 Menschen get√∂tet und mindestens 130 verletzt worden.

In der s√ľdukrainischen Stadt Mykolajiw und deren Umland schlugen nach Angaben von B√ľrgermeister Olexander Senkewytsch f√ľnf russische Raketen ein. Die Zahl der Opfer werde noch gekl√§rt, teilte er mit.

Russland hat den Angriffskrieg, den die Regierung in Moskau als "milit√§rische Spezialoperation" bezeichnet, am 24. Februar begonnen. Anfangs rechneten viele Experten damit, dass die Ukraine nach wenigen Tagen besiegt sein w√ľrde. Doch schlugen die Ukrainer die russischen Truppen etwa vor den Toren der Hauptstadt Kiew zur√ľck. Russland verst√§rkte seine Angriffe daraufhin auf den Osten des Landes, wo es trotz heftiger Verluste zuletzt immer mehr Gebiete einnehmen konnte. Westliche Wirtschaftssanktionen gegen Russland, russische Gaslieferbeschr√§nkungen sowie die Blockade ukrainischer Getreideexporte lasten auf Volkswirtschaften weltweit.

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