Politik | Ausland
23.06.2017

Türkei: Regierung will Evolutionsunterricht streichen

Nächster Schritt in Richtung Gottesstaat? Weil die Evolution zu "kontrovers und kompliziert" sei, will das Bildungsministerium den Evolutionsunterricht streichen.

Wie ein hochrangiger Beamter des Bildungsministeriums in einem Video mitteilte, soll an türkischen Schulen in Zukunft die Evolution nicht mehr unterrichtet werden. Auf dem Video, das auf der Homepage des Bildungsministeriums veröffentlicht wurde, sagte Alpaslan Durmus, Evolution sei umstritten, kontrovers und zu kompliziert. "Wir glauben, dass dieses Unterrichtsfach das Verständnis der Schüler übersteigt."

Deshalb werde ein Kapitel über die Evolution aus den Schulbüchern der neunten Klasse entfernt. Ebenfalls könnte die Zeit, die in den Unterricht des Säkularismus - Trennung zwischen Staat und Kirche - investiert wird, deutlich gekürzt werden.

Weiters solle sich der Unterricht künftig mehr der Bedeutung türkischer Wissenschaftler annehmen. Die Rolle Europas im Geschichtsunterricht solle ebenfalls nicht mehr im Fokus stehen.

Den Vorschlag dazu gab es bereits vor Monaten (mehr dazu finden Sie hier), mit Ende des Fastenmonats Ramadan nächste Woche, sollen die Vorschläge allerdings umgesetzt werden.

Konservative Muslime glauben nicht an die Evolution

Während Regierungskritiker nun fürchten, dass die Unabhängigkeit des Staates von der türkischen Regierung untergraben wird und Religion noch mehr Einfluss gewinnt, als sie ohnehin schon hat, freuen sich viele konservative Muslime - sie lehnen die Evolutionstheorie ab, weil sie der Schöpfungsgeschichte widerspricht. Das ganze erinnert stark an die USA, in denen ebenfalls regelmäßig gefordert wird, die Evolutionstheorie nicht mehr zu unterrichten - dort fordern es allerdings konservative Christen bzw. Kreationisten.

Gottesstaat?

Die Gegner der Regierung werfen Präsident Recep Tayyip Erdogan regelmäßig vor, er wolle aus der Türkei einen Gottesstaat machen. Erdogan selbst bestreitet dies ebenso regelmäßig. Der Präsident des türkischen Parlaments, Ismail Kahraman, forderte hingegen bereits im vergangenen Jahr die komplette Abschaffung des Säkularismus in der Verfassung: "Wir sind ein muslimisches Land. Als Konsequenz müssen wir eine religiöse Verfassung haben", sagte der ranghohe AKP-Politiker und ergänzte: "Säkularismus darf in der neuen Verfassung keine Rolle mehr spielen."