Türkei: Oppositioneller Bürgermeister festgenommen

Laut Berichten hat die Polizei die Wohnungen, Büros und Geschäfte von Mitarbeitern der Stadtverwaltung durchsucht.
Eine Menschenmenge schwenkt türkische Flaggen und hält Schilder bei einer Kundgebung.

Zusammenfassung

  • Bürgermeister von Bursa und über 50 weitere Personen aus der CHP wegen Korruptionsvorwürfen festgenommen.
  • Razzien und Ermittlungen gegen CHP-Mitglieder in mehreren Provinzen wegen Verdachts auf Bildung einer kriminellen Vereinigung.
  • CHP sieht sich nach Wahlerfolgen 2024 verstärkt politischem Druck und Vorwürfen der Regierung Erdoğan ausgesetzt.

Türkische Behörden haben bei einer Razzia erneut einen Bürgermeister der größten Oppositionspartei CHP festgenommen. Insgesamt wurden mehr als 50 Personen, darunter der Bürgermeister von Bursa, Mustafa Bozbey, wegen Korruptionsvorwürfen festgenommen, wie der staatliche Sender TRT berichtete.

Die Polizei durchsuchte demnach Wohnungen, Büros und Geschäfte unter anderem von Mitarbeitern der Stadtverwaltung der viertgrößten Stadt des Landes. Die Behörden führten die Razzia zeitgleich in fünf türkischen Provinzen durch. Die Ermittlungen wurden TRT zufolge wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung eingeleitet.

Erdoğan verlor bei Kommunalwahlen Kontrolle über Bursa

Am Montag sei zudem ein Bürgermeister der CHP in der westtürkischen Provinz Usak wegen Korruption und Ausschreibungsbetrugs verhaftet worden.

Die CHP, der bei den Kommunalwahlen 2024 ein Überraschungserfolg gelungen war, steht seit geraumer Zeit unter Druck. Sie sieht sich als Opfer einer politisch motivierten Kampagne der Regierung unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Dieser hatte bei den Kommunalwahlen die Kontrolle über mehrere wichtige Großstadtgemeinden verloren, darunter auch Bursa.

Im März 2025 war der Istanbuler Bürgermeister Ekrem İmamoğlu wegen Terror- und Korruptionsvorwürfen festgenommen und abgesetzt worden. Das löste landesweite Proteste aus. İmamoğlu galt als aussichtsreicher Herausforderer von Erdoğan bei künftigen Wahlen.

Kommentare