Zoll-Schlappe, miese Umfragen: Was von Trumps Rede zu erwarten ist

Vor seiner Rede zur Lage der Nation: Der US-Präsident will das Ruder vor den Herbstwahlen herumreißen und seine Wirtschaftskompetenz betonen.
U.S. President Trump delivers first State of the Union address to a joint session of Congress in Washington

Der Zeitpunkt für seine „Rede zur Lage der Nation“ hätte für US-Präsident Donald Trump kaum heikler sein können: Nachdem das Höchstgericht vergangenen Freitag sein ursprüngliches Zoll-Regime gekippt hatte – erste Firmen wie Fedex wollen die Rückerstattung der Summen schon einklagen – und inmitten neuer Umfrage-Tiefpunkte für seine Amtsführung wendet sich der US-Staatschef in der Nacht zum Mittwoch (MEZ) vor beiden Parlamentskammern an die Mitbürger.

Diese leiden weiterhin unter der starken Teuerung. Dabei hatte Trump im Wahlkampf versprochen, diese in den Griff zu bekommen. Vor den entscheidenden Teil-Kongresswahlen Anfang November wurde daher erwartet, dass der Präsident die Wirtschaft in den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellen würde.

Vize Vance gab die Richtung vor

Das zumindest hatte US-Vizepräsident JD Vance in einem TV-Interview am vergangenen Wochenende angedeutet. Man werde „viel über die Bedeutung der Rückverlagerung von Jobs in unser Land, die Rückverlagerung der Produktion und all die großartigen Fabriken, die gebaut werden, hören“, meinte Trumps Stellvertreter.

Prügel für Demokraten

Kathleen Hall Jamieson, Kommunikationswissenschaftlerin an der University von Pennsylvania, erwartet sich „eine Art Wahlkampfrede, in der die Demokraten die Bösewichte sind, die Republikaner, die er mag, die Helden und er der Retter nicht nur der Nation, sondern der ganzen Welt“. Ähnlich argumentierte Trump tatsächlich bei seiner Rede an die Nation knapp vor Weihnachten 2025: Er habe ein „totes“ Land von seinem demokratischen Vorgänger Joe Biden übernommen mit Millionen kriminellen Ausländern im Land, einer woken Gesellschaft und einer ausufernden Inflation.

FILE PHOTO: U.S. President Biden welcomes Italy's Prime Minister Meloni at the White House

US-Präsident Trumps Feindbild: Vorgänger Joe Biden

Drehen konnte er die Stimmung in Amerika mit diese Rede nicht. In einer Umfrage in den letzten Jännertagen, aus der der britische Guardian zitiert, gaben 55 Prozent der Befragten an, dass Trump das Land zum Schlechten verändere – 13 Prozentpunkte mehr als bei einer Umfrage zum selben Zeitpunkt während seiner ersten Amtszeit. Den Zustand der Nation bezeichneten 57 Prozent als schwach oder sogar sehr schwach.

In einer anderen Erhebung von CNN sank die generelle Zustimmung für die präsidentiellen Leistungen auf 36 Prozent. Das ist ein Minus von 12 Prozentpunkten im Vergleich zum Februar 2025. Dramatisch war der Einbruch bei den Latinos (minus 19 Prozentpunkte), was wohl mit dem harten Vorgehen der ICE-Beamten gerade gegen diese Bevölkerungsgruppe zusammenhängt. Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) meinten, dass sich Trump nicht genug auf die drängenden Probleme konzentriere. Das sei sein schlechtester Wert in dieser Kategorie in beiden Amtszeiten.

Republican presidential nominee and former U.S. President Donald Trump campaigns in Pittsburgh

Trumps MAGA-Bewegung hat mit den außenpolitischen Akzenten ihres Präsidenten wenig an der Kappe

Diese Zahl speist sich wohl aus den nach wie vor hohen Preisen wie auch aus diversen außenpolitischen Akzenten (Ukraine, Gaza, Iran, Venezuela etc.), die Trump setzte und die bei seiner MAGA-Bewegung gar nicht gut ankommen.

Ukrainekrieg: Jahrestag

Vor diesem Hintergrund wird mit Spannung erwartet, ob der US-Präsident den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine thematisieren wird. Bei seiner Ansprache vor dem Weihnachtsfest kam dieser jedenfalls mit keinem Wort vor. Ihn auch bei seiner jetzigen „Rede zur Lage der Nation“ auszublenden, würde schon ein bezeichnendes Licht auf Trump werfen – immerhin ist es exakt der vierte Jahrestag der russischen Invasion im Nachbarland.

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