Investition in Ruinen: Trumps Plan für das "gestohlene Öl" in Venezuela
Fischer auf dem Maracaibo-See
Venezuela sitzt auf einem Schatz. Die größten Erdölvorkommen der Welt liegen unter seinen Böden. Doch das Land ist bettelarm. Millionen Menschen sind arbeitslos, Millionen haben das Land verlassen. Der Wandel lässt auf sich warten – könnte aber näher rücken als gedacht.
Zumindest verspricht das Donald Trump. Der US-Präsident hat einen Plan: Kapitalstarke amerikanische Ölkonzerne sollen 100 Milliarden Dollar in Venezuela investieren. Sie sollen das Öl mit Hochdruck fördern und – möglicherweise – Teile der Gewinne im Land lassen.
Wenn Trump weniger diplomatisch wird, spricht er Klartext: Es gehe darum, das „gestohlene Öl“ zurückzuholen. Er meint die Enteignungen von 2007, als der damalige Präsident Hugo Chavez US-Konzerne wie ExxonMobil und ConocoPhillips aus dem Land drängte. Trump nennt das „einen der größten Diebstähle amerikanischen Eigentums in der Geschichte unseres Landes“.
Schwieriger als gedacht
Johannes Benigni, Ölexperte aus Wien, ist skeptisch. Venezuelas Öl ist schwer und zäh – die Förderung kostet Unsummen. Hinzu kommt: Ohne Vertrauen und Rechtssicherheit werden Konzerne nicht investieren. Benigni warnt: „Die Amerikaner müssten wirklich massiv investieren, um in Venezuela wieder Öl fördern zu können. Sie müssten Logistik und Lieferketten neu aufbauen. Solange unklar ist, wie es politisch weitergeht, werden die Konzerne zögerlich bleiben.“
Der gigantische Ölschatz Venezuelas lagert im östlichen Orinoko-Gürtel und im Nordwesten bei Maracaibo. Doch die Förderanlagen sind veraltet. Die eigentlichen Probleme liegen nicht unter, sondern über der Erde: Jahrelanges Missmanagement, schwere Korruption, mangelnde Investitionen und ein Machtapparat, der sich nicht freiwillig auflöst.
Das Ergebnis dieser toxischen Mischung ist verheerend. Die Infrastruktur im Ölsektor – Venezuelas wichtigste Einnahmequelle – ist vollkommen marode. Zwei Zahlen verdeutlichen das Ausmaß: Venezuela förderte vor Jahren noch 3,5 Millionen Barrel Rohöl pro Tag. Heute sind es weniger als eine Million. Das Land ist faktisch pleite.
Veraltete Förderanlagen
Wie es dazu kam
2007 enteignete Präsident Hugo Chavez ausländische Ölkonzerne aus den USA und Europa. Sie mussten die Mehrheit ihrer Projekte an Venezuela abtreten. US-Unternehmen wie ExxonMobil und ConocoPhillips verließen das Land und erstritten vor internationalen Schiedsgerichten Milliarden – Geld, das sie bis heute nicht erhalten haben. Verschärft wurde die Lage durch ein striktes US-Embargo seit 2019. Es brachte Venezuelas Ölexporte – einst der Hauptlieferant der USA – fast vollständig zum Erliegen.
Der Wendepunkt
Dann kam der 3. Jänner 2026. US-Spezialeinheiten entführten Nicolás Maduro, Venezuelas linksgerichteten Langzeitmachthaber. Seine Stellvertreterin Delcy Rodríguez übernahm – und erfüllt seitdem auffallend oft Washingtons Wünsche.
Interimspräsidentin Rodriguez mit US-Energieminister Wright
Rodríguez hat Hunderte politische Gefangene freigelassen und Wahlen in Aussicht gestellt. Vor allem aber verabschiedete sie ein neues Gesetz: Ausländische Ölkonzerne dürfen wieder investieren. Sie können Förderanlagen und Infrastruktur besitzen. Auf dem Papier klingt das vielversprechend. Doch die Konzerne bleiben vorsichtig. Wird dieses Gesetz Bestand haben? Wie sieht die politische Zukunft aus? Und bleibt Rodríguez mit den alten Netzwerken am Ruder – oder kommt es zu einem echten Regimewechsel?
Chevron macht Anfang
Der texanische Ölkonzern Chevron hat eine Sonderposition. Das Unternehmen blieb 2007 im Land, ordnete sich der staatlichen Öl- und Gasgesellschaft Petróleos de Venezuela (PdVSA) unter und erhielt später von Washington Sanktionsausnahmen und Sonderlizenzen.
Jetzt wagte Chevron den ersten Schritt: Das Unternehmen kündigte öffentlich an, in Venezuela durchzustarten und die Produktion in zwei Jahren um 50 Prozent steigern zu wollen. Die Konkurrenz dürfte folgen. Soeben erhielten fünf internationale Konzerne US-Förderlizenzen für Venezuela. Es gibt allerdings Bedingungen: Die Erlöse fließen zunächst auf US-Treuhandkonten. Russland, China und der Iran dürfen an den Investitionen nicht beteiligt werden.
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