Trump teilt gegen NATO-Länder aus: "Schockierend" und "dumm"

Nachdem von den NATO-Partnern unisono Widerstand gegen die Forderungen von US-Präsident Trump kam, kritisiert dieser die Länder mit drastischen Worten.
US President Trump signs executive Order for fraud task force

Zusammenfassung

  • Trump kritisiert europäische NATO-Partner scharf, weil sie sich weigern, US-Forderungen zum Schutz der Straße von Hormus nachzukommen.
  • Europäische Regierungen lehnen eine militärische Beteiligung im Iran-Konflikt ab und verweisen auf eigene Zwänge und politische Abwägungen.
  • Trump reagiert mit Trotz und Überheblichkeit auf die Absagen und betont die Stärke der USA.

"Schockierend" und "dumm": Mit drastischen Worten hat US-Präsident Donald Trump am Dienstag gegen die NATO-Partner ausgeteilt. Er war sichtbar wütend, weil ihn zuvor die Europäer bei der Absicherung der Straße von Hormus gegen iranische Angriffe abblitzen ließen. "Ich denke, die NATO macht einen sehr dummen Fehler", sagte Trump.

Widerstand von NATO-Partnern gegen Forderungen von Trump

"Nein", "non" und "no" - aus den europäischen Hauptstädten war Trump unisono Widerstand entgegen geschallt. So einig hatten sich die Europäer in den 14 ersten Monaten seiner zweiten Amtszeit bisher nicht gezeigt. Dabei hatte der US-Präsident die Verbündeten mit Zöllen malträtiert und ihnen mit einem angedrohten Angriff auf Grönland zugesetzt.

Am Sonntag dann verlangte der 79-Jährige plötzlich, die Verbündeten müssten ihm helfen, Öltanker in der Straße von Hormus zu schützen. Womöglich wollte Trump davon ablenken, dass sich der von ihm in Aussicht gestellte Geleitschutz durch die US-Marine bisher nicht bewerkstelligen lässt.

US-Forderung "außerordentlich"

Die US-Forderung an die Verbündeten sei "außerordentlich" gewesen, sagt Philip Gordon von der Denkfabrik Brookings Institution. Der Sicherheitsberater der früheren Vizepräsidentin Kamala Harris ist sich sicher: Trump gehe zu weit, wenn er von den Partnern verlange, für den Schutz von Öltankern Menschenleben aufs Spiel zu setzen - zumal Trump für die Europäer bisher überwiegend Beleidigungen und Beschimpfungen übrig gehabt habe.

Merz laut Trump ein "großartiger Anführer"

Von diesen Tiraden hatte der US-Präsident den deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz bisher ausgenommen und ihn einen "großartigen Anführer" und Freund genannt. Nun aber rügte er auch Deutschland, ohne den Kanzler namentlich zu nennen. Das deutsche "Oberhaupt" - damit meinte Trump offenbar Merz - habe erklärt, sein Land habe nichts mit dem Iran-Krieg zu tun und wolle sich deshalb nicht in der Straße von Hormus engagieren, kritisierte der US-Präsident.

"Wir beteiligen uns nicht an diesem Krieg", hatte Merz am Montag in Berlin betont. Dieses Nein gelte auch für eine militärische Absicherung der Straße von Hormus. "Niemand will aktiv in diesen Krieg ziehen", sagte auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas. Ähnlich äußerten sich Großbritannien, Frankreich, Italien und andere Länder.

Trump habe "einen Krieg begonnen, ohne die Verbündeten zu konsultieren, in der Erwartung, dass sie die Scherben aufsammeln", sagt der Historiker Erwan Lagadec von der George-Washington-Universität. "Das wird nicht funktionieren."

Koalition der Willigen 2003

Vor dem US-Einmarsch im Irak 2003 verbrachte der damalige Präsident George W. Bush Monate damit, eine "Koalition der Willigen" aus mehr als 40 Ländern aufzubauen. Deutschland unter Bundeskanzler Gerhard Schröder und Frankreich unter Präsident Jacques Chirac waren schon damals nicht dabei, was in Washington auf scharfe Kritik stieß.

Trump hatte seinen Parteifreund Bush für den Irak-Krieg immer wieder scharf kritisiert. Zugleich versäumte er es, eine ähnliche Allianz für den Iran-Krieg zu schmieden. Womöglich, weil Trump die Widerstandskraft Teherans unterschätzte und glaubte, der Krieg sei schnell vorbei. Darauf weisen seine Äußerungen aus der vergangenen Woche hin, der Einsatz sei nur "ein kurzer Ausflug" und "so gut wie" beendet.

Die Politologin Liana Fix von der Denkfabrik Council on Foreign Relations sagt, die Europäer hätten bereits mit der militärischen Unterstützung für die Ukraine zu kämpfen und mit wirtschaftlichen Problemen, an denen Trump mit seinen Zöllen nicht ganz unschuldig sei. Der Widerstand gegen die Hilfe für Washington in der Straße von Hormus sei deshalb "keine Vergeltung, sondern es sind einfach sehr reale Zwänge und politische Abwägungen", sagt Fix.

Nach Einschätzung des früheren Harris-Beraters Gordon wollen die Europäer Trump zeigen, dass sie sich nicht länger von ihm herumschubsen lassen. "Ansonsten glaubt er, dass Einschüchterung und Erpressung funktionieren", sagt Gordon.

Trump reagierte trotzig und überheblich auf die Absagen: "Wir brauchen die Hilfe von niemandem!", schrieb er in Großbuchstaben in seinem Onlinedienst Truth Social. Er sei schließlich "Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, des mit Abstand mächtigsten Landes der ganzen Welt".

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