Experte über Trump-Vorgehen: "Das ist schlechter Stil"
Die Spannungen rund um die Straße von Hormus und die Rolle Europas nach den Unterstützungsforderungen von US-Präsident Donald Trump standen am Montagabend im Mittelpunkt der ZiB2. Dazu war der Sicherheitsexperte Nico Lange zu Gast bei Armin Wolf.
Lange sieht hinter Trumps Forderung nach europäischer Unterstützung vor allem zwei Motive. Zum einen habe der US-Präsident die Konsequenzen seines militärischen Vorgehens unterschätzt. Zum anderen gehe es ganz nüchtern um Geld und Verantwortung. Trump versuche nun, die Last der militärischen Sicherungsmaßnahmen zu verteilen. Zugleich verhandle Trump nach einem für ihn typischen Muster. Wenn der Iran mit der Blockade der Meerenge drohe, laute die Botschaft: "Andere haben da ein viel größeres Problem, sollen die sich doch kümmern, wenn die die frei haben wollen." Das sei "typisch Trump".
"Schlechter Stil"
Dass viele europäische Spitzenpolitiker betonen, es sei "nicht unser Krieg", schließt ein Engagement laut Lange nicht aus. "Es kann ja beides richtig sein." Zwar sei es "ein Krieg, der völkerrechtlich nicht legitimiert ist". Gleichzeitig liege es im Interesse Europas, freie Schifffahrt zu sichern. Erwachsene Geopolitik bedeute daher nicht, sich zurückzulehnen, sondern "gemäß der eigenen Interessen zu handeln". Diese lägen klar bei stabilen Handelswegen.
Dass Trumps Vorgehen bei europäischen Partnern auf Kritik stößt, hält Lange allerdings für völlig nachvollziehbar. Der US-Präsident habe den Krieg begonnen, ohne zuvor eine internationale Koalition aufzubauen oder Verbündete einzubinden. Langes Urteil dazu fällt deutlich aus: „Das ist schlechter Stil, mindestens mal.“
Wege zur Unterstützung – ohne Kriegseintritt
Lange betont, Unterstützung müsse nicht automatisch Kriegsbeteiligung heißen. Es gebe "Mittel und Wege in der Region zu helfen, ohne dass man die Schwelle zum Kriegsbeitritt überschreitet". Er verweist etwa auf technische Hilfe oder militärische Ausrüstung zur Sicherung von Energieinfrastruktur. Darüber hinaus gehe es um langfristige strategische Beziehungen. Europa könne davon profitieren, enge Kontakte zu den Golfstaaten auszubauen, die auch künftig eine zentrale geopolitische Rolle spielen würden. Gleichzeitig warnt Lange davor, die Beziehungen zu Washington leichtfertig zu belasten. Schließlich sei Trump weiterhin eine zentrale Figur bei entscheidenden sicherheitspolitischen Fragen – etwa bei Verhandlungen über die Zukunft der Ukraine und die Sicherheit Europas.
Am Ende gehe es auch um Deeskalation. Es gebe "fieberhafte Gespräche", um Gesprächskanäle zwischen Washington und Teheran zu öffnen. Der Experte weist darauf hin, dass der Präsident mit diesem Krieg etwas tue, das eigentlich nicht zu seinem bisherigen Verhalten passe. „Trump macht etwas sehr Ungewöhnliches, was gegen seine bisherige Persönlichkeit spricht mit diesem Krieg.“ Auf ein rasches Ende durch innenpolitischen Druck in den USA würde Langenicht setzen: "Deswegen würde ich nicht auf die Berechenbarkeit von Trump durch den Zwang der Midterm-Elections setzen."
Kommentare