Warum Trump Grönland gar nicht "haben“ müsste

FILE PHOTO: Pituffik Space Base in Greenland
Trotz Donald Trumps Rückzieher in Davos bleibt die Zukunft der größten Insel der Welt fraglich. Denn schon jetzt könnten die USA dort militärisch massiv ausbauen – die Frage ist nur, warum sie das nicht tun.

Am Mittwoch war die Erleichterung spürbar. Als Donald Trump in Davos sagte, die USA würden Grönland nicht mit „militärischer Gewalt“ an sich reißen, ging ein kleiner Seufzer durchs Publikum. Und durch ganz Europa.

Seit Tagen hatten sich Politik und Experten die Köpfe zerbrochen, wie Trump von seinen Expansionsfantasien abzubringen ist. Geschafft haben das letztlich NATO-Chef Mark Rutte, der einen guten Draht zum US-Präsidenten hat, und die erschrockenen Finanzmärkte. Die waren nämlich ordentlich eingebrochen, nachdem Trump seine Grönland-Annexionsidee herausposaunt hatte.

Was war das Ziel?

Gelöst ist das Grönland-Problem damit aber noch lange nicht. Zum einen ist völlig unklar, wie der neue Rahmenvertrag, auf den Trump sich mit Rutte geeinigt hat, aussehen soll. Dazu kommt die Frage – und das ist wohl die zentrale – was die ganze Volte eigentlich sollte: Die USA haben nämlich bereits schon jetzt die Möglichkeit, so viele Soldaten auf Grönland zu stationieren, wie sie wollen – ohne dass Dänemark oder die Grönländer allzu viel dagegen tun können.

Die Option steht den USA seit knapp acht Jahrzehnten offen, und Trump weiß das auch. Er erwähnte es sogar in Davos: „Wir haben Grönland nach dem Krieg an Dänemark zurückgegeben. Wie dumm waren wir doch“, sagte er. Das ist zwar historisch irreführend, weil die Insel nie zu den USA gehörte, doch strategisch-militärisch hat Washington Grönland seit dem Zweiten Weltkrieg im Griff. Damals hatten die USA sie unter Schutz gestellt, weil man eine Besetzung durch die Nazis befürchtete; Dänemark war seit 1940 in Hitlers Hand. 1951 machten Washington und Kopenhagen den Schutzschirm vertragfest – das Agreement gilt bis heute.

Umso irritierender ist für Beobachter, warum Trumps Leute die darin vorgesehenen Möglichkeiten nicht einfach nutzten. Der Vertrag erlaubt es den USA, auf Grönland unbeschränkt militärisch tätig zu sein. Derzeit haben die USA nur eine Militärbasis auf der Insel, während des Kalten Krieges waren es 17 – eine Rückkehr zu diesem Stand wäre völlig unproblematisch.

Stationierung von Nuklearwaffen

Washington müssten in dem Fall Dänen und Grönländer lediglich über Truppenbewegungen informieren, und selbst bei „wesentlichen Änderungen“ müsste man sich nur beraten. Nur bei der Stationierung von Nuklearwaffen hätte Dänemark ein Einspruchsrecht, da dies nach dänischem Recht in Friedenszeiten verboten ist. Praktisch – da sind sich Beobachter einig – hätten Dänen und Grönländer wohl keine Bedenken.

Anfragen dazu gelangten in Kopenhagen aber nie ein, wie die dänische Regierung nun mitteilte. Auch dort fragt man sich darum, was der Druck aus Washington hätte bezwecken sollen – denn auch die Mutmaßung, es gehe Trump um Bodenschätze, steht auf tönernen Füßen.

Auch da waren die USA bisher untätig: „Bislang wurden noch keine größeren amerikanischen Anstrengungen unternommen, um in den Abbau von Bodenschätzen in Grönland zu investieren“, heißt es in einer Studie des German Marshall Fund – Grönland selbst habe das aber durchaus angeboten.

Keine chinesische Präsenz auf Grönland

Auch das Argument, China reiße sich die Insel unter den Nagel, hält nicht. Peking hat bisher keine ernsthafte Präsenz auf Grönland, die dänische Regierung untersagte bisher alle Vorstöße, Infrastruktur zu kaufen. Bei Mineralerkundungsprojekten verloren die Chinesen meist das Interesse – wegen der strengen Umweltauflagen.

Das ist einer der Gründe, warum es sich für Trump auszahlen würde, Grönland selbst in der Hand zu haben. Hürden beim Abbau von Bodenschätzen wären dann leichter aus dem Weg zu räumen. Ähnlich ist das auch bei den „Freedom Citys“, die seit einiger Zeit herumgeistern: Einige Tech-Milliardäre aus Trumps Umfeld träumen von einem zweiten, libertären Silicon Valley auf Grönland – nur ohne staatliche Regulierung. Jeff Bezos, Bill Gates und Michael Bloomberg investierten schon 2019 in Erkundprojekte auf der Insel, mittlerweile sind auch Peter Thiel und Sam Altman in diversen Firmen engagiert. Dass Kopenhagen damit einverstanden wäre, ist wohl illusorisch.

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