Wie Trump von seinen Grönland-Plänen abgebracht wurde

Donald Trump in Davos
NATO-Chef und Trump-Schmeichler Mark Rutte hat den US-Präsidenten von seinen Plänen abgebracht. Auch die Finanzmärkte und interner Widerstand dürften dazu beigetragen haben.

Er hat lange geschwiegen. NATO-Chef Mark Rutte hat einen mehr als guten Draht zu Donald Trump, das ist weithin bekannt ist, doch in der Grönland-Frage blieb er tagelang auffällig stumm.

Bis Mittwochabend. Da traf sich Rutte gemeinsam mit dem deutschen Kanzler Friedrich Merz mit Trump in Davos, und kurz später verkündete der, dass in Sachen Grönland alles geklärt sei. Was ist da passiert?

Gute Beziehung zu „Daddy“

Noch in Davos sagte Rutte beständig, er arbeite „hinter den Kulissen an dieser Frage, aber er könne „es nicht öffentlich tun“. Der Niederländer gilt als einer der wenigen, auf die Trump hört, zog dafür auch schon Spott auf sich: Vor einiger Zeit nannte er den US-Präsidenten scherzhaft „Daddy“, das wurde ihm als kriecherische Unterwürfigkeit ausgelegt.

Jetzt scheint sich diese Beziehung ausgezahlt zu haben. Was genau die beiden vereinbarten, ist zwar unklar. Es ist aber jedenfalls im Sinne der Dänen und Grönländer:  Rutte hatte zuvor mit beiden Regierungen gesprochen und die Pläne akkordiert. 

Golden Dome auf Grönland

Möglich ist jedenfalls, dass die USA ihre militärische Präsenz wieder auf das Maß ausweiten, das sie einst hatten. Im Zweiten Weltkrieg, als die USA die Insel wegen der NS-Besetzung Dänemarks in der Hand hatten, hatte Washington mit der Errichtung von Militärbasen auf Grönland begonnen. Zum Höchststand waren es 17, mittlerweile gibt es nur mehr eine. Ein Ausbau auf die alte Größe wäre juristisch völlig unproblematisch, ein 1951 geschlossenes Abkommen mit Dänemark erlaubt das – Kopenhagen müsste nur informiert werden, die Grönländer hätten gar nichts mitzureden.

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Mark Rutte und Donald Trump in Davos

Das gilt wohl auch für den Bau des Raketenschutzschild „Golden Dome“, den Trump in Anlehnung an Israels Iron Dome vorschwebt. Er kann auf der Insel auf Basis der verschiedenen Abkommen mit den USA auch stationiert werden – Grönland liegt strategisch genau richtig, um Interkontinentalraketen aus Russland abzufangen.

Heikler ist die Frage, wer die Bodenschätze auf der Insel ausbeuten darf. Hier bedarf es der Zustimmung der grönländischen Regierung und jener Personen, die den Grund und Boden besitzen. Dass die USA das alleinige Monopol auf eine Ausbeutung bekommen, wie Trump es angedeutet hat, ist damit voller Hürden – außer die Regierung in Nuuk gesteht es Washington zu.

Finanzmärkte sackten ab

Mit ein Grund, warum Trump plötzlich von seiner militärischen Drohung abgewichen ist, dürfte die innenpolitische Situation in den USA sein. Von Seiten seiner Bürger kam massiver Gegenwind, in einer Ipsos/Reuters-Befragung lehnten 71 Prozent eine theoretische militärische Übernahme ab. Und selbst 47 Prozent stellten sich gegen den Versuch, Grönland zu kaufen.

Auch im Kongress bekam Trump nicht die Unterstützung, die er wollte. Für ein militärisches Eingreifen in großem Stil braucht der US-Präsident die Zustimmung seines Parlaments, und Stand jetzt hätte Trump die nicht bekommen. Mehr noch, Demokraten und Republikaner brachten sogar gemeinsam einen Gesetzesentwurf ein, der Trump die Mittel für eine Annexion von NATO-Gebiet entzogen hätte.

Den letzten Ausschlag, schreiben US-Medien, dürfte aber die Situation auf den Finanzmärkten gegeben haben. Wie auch schon nach seinen ersten Zollankündigungen reagierten die Börsen sehr verschreckt, zugleich ging in Europa die Idee um, im großen Stil US-Staatsanleihen abzustoßen. Das würde das Vertrauen in die USA massiv beschädigen, was wiederum höhere Zinsen für Washington zur Folge hätte – für Trump, der seine Wirtschaft auf Pump finanziert, ein herber Schlag. 

Die Märkte dankten es Trump dann auch: Am Dienstag hatten US-Aktien den schlimmsten Tag seit Oktober erlebt. Mittwoch schlossen mit Gewinnen.

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