Politik | Ausland
20.08.2018

Trump-Anwalt Giuliani: "Wahrheit ist nicht Wahrheit"

New Yorker Ex-Bürgermeister und Trump-Advokat streitet in TV-Interview die Existenz objektiver Fakten ab.

Rudy Giuliani, der Anwalt von Donald Trump, hat mit einer eigenwilligen Begründung erklärt, warum er wenig von einer Befragung des US-Präsidenten in der Russland-Affäre hält.

Hintergrund: Sonderermittler Robert Mueller und seine Mitarbeiter untersuchen, ob es neben einer mutmaßlichen Einmischung Russlands in die US-Präsidentschaftswahl 2016 auch Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und den Russen gegeben hat. Außerdem wird untersucht, ob Trump die Ermittlungen behindert haben könnte. Trump müsste unter Wahrheitspflicht aussagen. 

Es gebe nun einmal unterschiedliche Wahrheiten, sagte Giuliani in einem Interview mit dem TV-Sender NBC. "Wahrheit ist nicht Wahrheit", sagte er. "Ich werde mich nicht dazu drängen lassen, ihn (Trump, Anmerkung) aussagen zu lassen, nur damit er in eine Meineidsfalle tappt", sagte der Trump-Anwalt und Ex-Bürgermeister von New York außerdem.

In dem kontroversiellen Gespräch mit NBC-Moderator Chuck Todd brachte Giuliani als Beispiel die Frage, ob Trump mit dem ehemaligen FBI-Chef James Comey über den damaligen nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn gesprochen hatte. "Donald Trump wird sagen: 'Ich habe mit Comey nicht über Flynn gesprochen'. Comey wird sagen: 'Wir haben sehr wohl darüber gesprochen' - also sagen Sie mir, was die Wahrheit ist."

Comey hatte erklärt, Trump habe ihn in einem Vier-Augen-Gespräch aufgefordert, von Flynn abzurücken. Trump hat das zurückgewiesen. Gegen Flynn wurde damals wegen Kontakten zu Russland ermittelt. Am Ende musste Flynn gehen.

Giulianis Verständnis von Wahrheit machte NBC-Moderator Todd einigermaßen fassungslos. Auch Ex-FBI-Chef Comey meldete sich danach auf Twitter zu Wort. "Wahrheit existiert und Wahrheit zählt", schrieb er.