Taiwan: Präsident Lai bei Großmanöver an Küste
Zusammenfassung
- Taiwans Präsident Lai Ching-te überwachte bei einem zehntägigen Großmanöver an der Küste die Abwehr eines möglichen chinesischen Angriffs.
- Die Übung dient dazu, mit echten Truppen, Gelände und Ausrüstung die Führungskoordination, Reaktionsfähigkeit und Heimatverteidigung zu testen.
- Erstmals erprobt Taiwan dabei auch neue Verfahren wie US-orientierte Befehlsabläufe, gedrosseltes mobiles Internet und die Einbindung von Journalisten in die Truppe.
Taiwans Präsident Lai Ching-te hat bei einem laufenden Großmanöver die Übung zur Abwehr eines chinesischen Angriffs an der Küste überwacht. Dabei bestieg er am Samstag ein Raketenschnellboot und verfolgte den Einsatz von niedrig fliegenden Angriffsdrohnen. Mit dem zehntägigen Manöver probt das demokratisch regierte Land die Abwehr einer möglichen Invasion durch China.
Lai bestieg auf einem Marinestützpunkt in der südlichen Stadt Kaohsiung ein Schnellboot und richtete eine Botschaft an die Soldaten. „Der Zweck der Übung ist es, mit echten Truppen, in echtem Gelände und mit echter Ausrüstung die Koordination der Führung, die Reaktionsfähigkeit im Kampf und die Fähigkeiten zur Heimatverteidigung zu testen“, sagte er. Angesichts „externer Bedrohungen und Herausforderungen“ werde die Regierung die Verteidigungsfähigkeit weiter stärken. Die Regierung in Peking betrachtet die Insel als Teil des eigenen Staatsgebiets und hat eine gewaltsame Eroberung nie ausgeschlossen.
An den Übungen nahm auch die Küstenwache teil, die im Kriegsfall die Marine unterstützen soll. Zum Einsatz kamen dabei auch Katamarane. Diese basieren auf wendigen Schnellbooten der Marine, die vom taiwanischen Militär wegen ihrer Bewaffnung mit Anti-Schiffs-Raketen als „Flugzeugträger-Killer“ bezeichnet werden.
Mobiles Internet gedrosselt
Das Großmanöver hatte am Mittwoch begonnen und konzentriert sich auf die Abwehr eines schnellen Angriffs, der Kommandozentralen und Logistik lähmen könnte. Erstmals setzt Taiwan dabei auf Methoden nach US-Vorbild, bei denen untergeordnete Offiziere die erhaltenen Befehle vor ihren Vorgesetzten wiederholen müssen, um Missverständnisse auszuschließen.
Neu ist auch die gezielte Drosselung des mobilen Internets, um die Kommunikation bei knappen Ressourcen zu erproben, sowie die Einbettung von Journalisten in die Truppe, um den Informationsfluss im Kriegsfall zu testen. Präsident Lai wird von Peking als „Separatist“ angesehen. Seine wiederholten Gesprächsangebote wurden zurückgewiesen.
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