Politik | Ausland
20.12.2012

Versorgung für Zivilisten kollabiert

Ein Österreicher berichtet. Der Helfer im KURIER-Interview über Not, Probleme und Hilfe in dem geschundenen Land

Es gibt keine Sicherheiten in Syrien. Weder für Aktivisten der Opposition noch für Regimetreue. Nicht für Kämpfer, nicht für Zivilisten. Und auch nicht für internationale Helfer. Es gibt keine sicheren Zonen, keine Gebiete, die voll und ganz unter der Kontrolle der Opposition wären. Auch wenn sich die syrische Armee mehr und mehr auf Damaskus und Aleppo konzentriert und das weite Land der Opposition überlässt – die Lufthoheit haben nach wie vor Assads Streitkräfte. Und während der Krieg tobt, sind es die Zivilisten, die in einem täglichen Überlebenskampf feststecken: Mangel an Nahrung, Heizmaterial, medizinischer Grundversorgung.

Seit Monaten versucht die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ in Syrien Kliniken aufzubauen – ohne Genehmigung der Regierung. Drei sind es bisher. Unterstützung geht auch an den Roten Halbmond, der mit dem Assad-Regime eng verbunden ist. Als stillschweigende „Duldung“ bezeichnet daher Franz Luef den rechtsfreien Raum, in dem „Ärzte ohne Grenzen“ auf beiden Seiten des Konflikts in Syrien aktiv und um Unabhängigkeit bemüht ist. Der Österreicher war von September bis Mitte Dezember in Syrien – und hat den Aufbau eines Spitals bei Aleppo koordiniert.

Seit einem halben Jahr umkämpft

Aleppo ist seit einem halben Jahr schwer umkämpft. Worauf die Hilfsorganisation abzielt, ist nicht nur die Versorgung von Kriegsverwundeten, sondern auch die Aufrechterhaltung eines Mindestmaßes an Infrastruktur. „Es gibt Menschen, die haben ein Krebsleiden und reisen durchs gesamte Land, um einen Arzt zu finden, der sie behandeln kann“, sagt Luef.

Die einst gute medizinische Infrastruktur Syriens sei kollabiert. Es seien die Probleme einer Wohlstandsgesellschaft, die jetzt ins komplette Nichts fallen würde. Diabetiker, Herzkranke, Menschen, die gewohnt waren, zum Arzt zu gehen, finden keinen und kämpfen buchstäblich ums tägliche Überleben. Während es an Kleidung, Nahrung oder Babymilch mangelt. Es sei dieser tägliche Kampf, der schon viel zu lange dauere, der die Hoffnung auf ein baldiges Ende dieses Krieges ablöse, beschreibt Luef die Stimmung.