Politik | Ausland 21.12.2012

"Was wir brauchen, ist ein Lebenszeichen"

APA10736920-2 - 21122012 - WIEN - ÖSTERREICH: ZU APA-TEXT AI - Die Söhne des in Syrien verhafteten Jamal Orabi (auf einem Bild i… © Bild: APA/HERBERT NEUBAUER

Erstmals seit der Verhaftung des Österreichers Jamal Orabi in Aleppo spricht die Familie – und hofft auf Druck seitens der österreichischen Regierung.

Gefasst treten sie vor die Journalisten im Café Landtmann in Wien. Die Kinder des vor einer Woche in Syrien verhafteten Jamal Orabi. Nach einer Woche Rätselraten und Bangen hat sich die Familie entschlossen, an die Öffentlichkeit zu gehen. „Wir sind heute hier, weil dieser mutige Mann nun unsere Hilfe benötigt und wir ihn nicht im Stich lassen werden“, steht in einem Appell, den ein Sohn des Österreichers syrischer Abstammung verliest. Seit einer Woche gibt es kein Lebenszeichen des Verhafteten.

Vergangenes Wochenende war Jamal Orabi in Aleppo abgeführt worden (der KURIER berichtete). Er hatte dort seine Schwester besucht – im Zuge einer Reise für die österreichische Hilfsorganisation Humanic Relief. Jamal Orabi hatte für die Organisation, für die er seit Anfang 2012 arbeitet, einen Krankenwagen, Nahrung und medizinische Hilfsgüter in die Region geliefert. So, wie schon einige Male zuvor, wie ein Sprecher der NGO sagt. Laut der Familie hatte der 47-Jährige bei seinen Reisen in die Region auch jeweils immer seine Schwester in Aleppo besucht. Auch, als die Stadt bereits umkämpft gewesen sei. Probleme habe es aber nie gegeben.

Bis vergangenen Sonntag. Laut Angaben der Familie war Jamal Orabi von Angehörigen des Militärgeheimdienstes im Haus seiner Schwester im Viertel New Aleppo, einem Vorort im Westen der Stadt, aufgesucht worden. Mit der Erklärung, es gebe „nur einige Fragen“ zu klären, sei er mitgenommen worden. Vermutet wird, dass er nach wie vor in der Region um Aleppo festgehalten wird. Auf Anfragen der Familie als auch von Humanic Relief hätten die syrischen Behörden bisher nicht reagiert. Die Schwester habe zudem wiederholt versucht, ihren Bruder zu besuchen – was ihr verwehrt worden sei.

Die Familie appelliert jetzt, dass sich sowohl das österreichische Außenministerium als auch namentlich Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer für die „sofortige Freilassung unseres Vaters“ einsetzen.

Seitens des Außenministeriums hieß es am Freitag gegenüber dem KURIER, dass man genau das bereits seit Tagen tue. Die im libanesischen Exil sitzende österreichische Botschaft in Damaskus – da die Botschaft in Syrien geschlossen ist, sitzen die Diplomaten in Beirut – sei in Kontakt mit den syrischen Stellen, so ein Sprecher des Ministeriums. Bereits mehrfach hätten die Diplomaten mit dem syrischen Botschafter in Beirut, der aus der Region um Aleppo stamme, gesprochen. Noch gebe es aber weder eine offizielle Bestätigung der Verhaftung, noch Angaben über den Aufenthaltsort Jamal Orabis.

Für die Familie waren die vergangenen Tage ein Martyrium. „Alles, was wir brauchen“, so ein Sohn Orabis, „ist ein Lebenszeichen.“

Erstellt am 21.12.2012