Offene Kämpfe zwischen Islamisten und Gemäßigten

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Foto: Reuters/STRINGER In der Defensive – verschanzte Kämpfer in der nordsyrischen Stadt Aleppo.

In dem Bürgerkrieg entsteht eine neue Front: Zwischen gemäßigten und islamistischen Brigaden.

Während die syrischen Rebellen an allen Fronten mit der vorrückenden Armee beschäftigt sind, tun sich jetzt tiefe Gräben zwischen El-Kaida nahen Gruppen und gemäßigten Einheiten auf. Gräben, die jetzt in blutigen Kämpfen ausarten.

In der nordwestlichen Provinz Idlib kam es am Sonntag den zweiten Tag in Folge zu schweren Kämpfen zwischen Einheiten, die unter dem Schirm der Freien Syrischen Armee (FSA) agieren, und Islamistischen Brigaden. Über Tote und Verletzte lagen zunächst keine Berichte vor. Aber vermutet wird, dass eine große Gruppe unlängst aus dem Irak eingesickerter Kämpfer hinter dem Angriff steckt. Leute, die Angaben jordanischer Rebellen zufolge mit der El Kaida in Verbindung stehen, die über ihren irakischen Ableger zunehmend an Einfluss in Syrien gewinnt. Und das in einem Ausmaß und einer Auslegung, die auch bereits Vertreter der an sich schon als extremistisch eingestuften Al-Nusra-Front kritisch sehen.

Die letzte Eskalation hatte vergangene Woche ihren Anfang genommen. Da hatte die Führung der FSA eine Stellungnahme veröffentlicht, in der sie eindeutig die Blockade von Bezirken in Aleppo verurteilt, die von Regierungseinheiten gehalten werden, und islamistische Gruppen dafür kritisiert. Islamisten hatten zuvor den einzigen Übergang zwischen dem eingekesselten Westen der Stadt und dem Osten geschlossen – eine wichtige Schleuse für Nahrungsmittel. Die Folge waren Hungerrevolten nahe des Übergangs. Die FSA hatte in ihrem Statement darauf gedrängt, den Posten für den Transport von Nahrungsmitteln wieder zu öffnen.

Rache

Die Reaktion der Islamisten darauf ließ nicht lange auf sich warten: Wenige Tage später wurde ein hoher Kommandant der FSA, Kamal Hamami, in der west-syrischen Provinz Latakia von einer Islamistischen Brigade mit El-Kaida-Verbindungen getötet. Ein FSA-Vertreter erhielt eigenen Angaben zufolge darauf hin einen Anruf, in dem ein Vertreter der Einheit gedroht habe, dass man so wie Mamami die ganze FSA-Führung töten werde.

Die Eskalation zwischen Islamisten und Gemäßigten kommt zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Zwar bietet sie der FSA die Möglichkeit, sich von Islamisten abzugrenzen, wodurch ihre Chancen auf rasche westliche Waffenlieferungen steigen. Aber schon derzeit ist die Armee von Machthaber Assad in der Offensive. In und um Homs hält diese bereits seit Wochen an. Bei den schweren Kämpfen in der Region wurde am Sonntag die unter UNESCO-Schutz stehende Kreuzritterburg Crac de Chevalier bombardiert. Anscheinend hatten sich Rebellen darin verschanzt.

(kurier) Erstellt am
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