Politik | Ausland
08.07.2017

Justin Trudeau, Popstar der Weltpolitik

Kanadas Premier fällt gerne auf - als "Anti-Trump" mit bunten Socken.

Während es in Hamburgs Straßen krachte und Demonstranten gegen Trump, Putin und Co. protestierten, wurde einer wie ein Popstar empfangen: Kanadas Premierminister Justin Trudeau. In Jeans, T-Shirt und bunten Socken sprang er auf die Bühne des "Global Citizen Festival" in der Hamburger Barclaycard-Arena, wo ihn das Publikum mindestens so euphorisch empfing wie die eigentlichen Stars – Shakira und Coldplay, die für den Kampf gegen Armut auftraten.

Auch Trudeau, der sich als Feminist bezeichnet und in seiner Rede betonte, wie wichtig es sei, Frauen und Mädchen zu stärken, will in Hamburg ein Zeichen setzen – als "Anti-Trump". Diese Rolle beherrscht der frühere Lehrer, Barkeeper und Schauspieler zumindest in sozialen Medien perfekt. Während der unberechenbare US-Präsident gerne andere beflegelt, verteilt sein kanadischer Konterpart virtuelle Glückwünsche an Minderheiten, zeigt sich auf Instagram beim Beten in der Moschee oder Tanzen auf der kanadischen Regenbodenparade. Seine Selfies mit Familie, Schülern oder Hochzeitsgesellschaften, die er "zufällig" crashte, bringt die Internetgemeinde regelmäßig zum Hyperventilieren. Fast schon legendär, sein Faible für bunte Socken, die er gerne präsentiert – wie beim Pop-Festival in Hamburg.

Neue Sorte Politiker

Mit seiner Art steht Trudeau für eine neue Sorte von Politikern. Er setzte seine Art und seinen Stil geschickt ein, sagt die deutsche Politberaterin und Stil-Expertin Antje Brügmann. "Er fällt damit auf, tut aber niemanden weh. Die Menschen schätzen es, wenn Politiker nicht so dressiert daherkommen. Trudeau belebt das Geschäft." Und im Gegensatz zu ihm wurden Hamburgs Bürgermeister Olaf Schulz ausgebuht - er kam im Anzug.

Ob Trudeaus lockere Art auf dem internationalen Parkett angemessen ist? "Es kommt darauf an, wem man gegenüber sitzt: Wenn das der Staatschef ist, der seit Generationen ein Land führt, dann würde ich vielleicht nicht die bunten Socken nehmen, nur die dezent gemusterten. Oder ich sage als Politiker: So bin ich eben. Je mehr Kontroversen ich bewusst eingehe, desto mehr muss ich aber damit rechnen, dass ich gegen rudern muss."

No-GOs

Ein absolutes No-GO wären kurze Hosen, so die Expertin: "Wenn es ein offizieller Anlass ist, muss ein Politiker-Mann immer lange Hosen tragen." Was bei Frauen gar nicht geht: Spaghetti-Träger, Mini-Röcke oder ein zu tiefer Ausschnitt. Das musste auch Kanzlerin Angela Merkel erleben. "Wieviel Dekolleté darf eine Kanzlerin zeigen?" - fragte die Zeitung Welt, als Merkel 2008 bei der Operneröffnung in Oslo ein tief ausgeschnittenes Kleid trug. Abgesehen von diesem Fauxpas, ist die Kanzlerin seit einigen Jahren perfekt gestylt. Dafür ist eine Schneiderin aus Hamburg verantwortlich, erklärt Brügmann. "Es gibt wohl keine Frau in Deutschland, die diesen besonderen Merkel-Blazer trägt." Auch dessen Farben hat sie mittlerweile je nach Anlass perfektioniert: Schwarz-Gold trug sie bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland, Royalblau beim Besuch eines U-Bootes. Beim G20-Gipfel wählte sie die Farbe Rot.