Starmer-Kontrahent zieht ins britische Parlament ein
Andy Burnham spricht vor einer Menschenmenge in ein Mikrofon.
Es war ein Ergebnis, mit dem selbst Andy Burnham nicht so ganz gerechnet hat: Als die Wahlleiterin am Freitag um 3.07 Uhr Früh das Ergebnis der Nachwahl im nordenglischen Makerfield verkündete, kniff der Labour-Kandidat im ersten Moment ungläubig die Augen zusammen: „24.927 Stimmen.“ Das bedeutete 55 Prozent der Wähler.
Der herausragende Wahlsieg ist schon deshalb signifikant, weil die britische Labourpartei bei Regionalwahlen in den vergangenen Monaten zuletzt dramatische Verluste einstecken musste. Noch vor sechs Wochen war Labour in Makerfield von der rechtspopulistischen Reform-UK-Partei auf den zweiten Platz verdrängt worden.
Doch so sehr sich Premierminister Keir Starmer über einen Labour-Erfolg per se freuen müsste, so sehr dürfte er diesen Moment gefürchtet haben. Denn mit Andy Burnham zieht nun Starmers größter Konkurrent als Abgeordneter ins Parlament.
Als Bürgermeister von Manchester hat der 56-Jährige in den vergangenen neun Jahren die nordenglische Stadt als international attraktiven Wirtschaftsstandort positioniert. Doch davor hatte er bereits wiederholt Premierminister-Ambitionen. 2010, nach Gordon Browns Rücktritt, landete er im Führungswettkampf jedoch noch auf Platz vier; fünf Jahre später war er deutlich erfolgreicher, kam aber immer noch hinter Jeremy Corbyn auf den zweiten Platz.
Dritter Versuch
Nun – nach Labours Blamage bei den Gemeinderatswahlen im Mai und Starmers kontinuierlich sinkenden Beliebtheitswerten – witterte Burnham seine nächste Chance.
Als Bürgermeister saß Burnham bis dato jedoch nur im Rathaus von Manchester, nicht im britischen Parlament – ein notwendiges Kriterium, um den amtierenden Premier herauszufordern.
Britischer Premier Keir Starmer
Wie hoch aber auch Parteikollegen Burnhams Chancen derzeit einschätzen dürften oder sich zumindest einen Führungswechsel wünschen, zeigte sich in Josh Simons Rücktritt als Parlamentsabgeordneter von Makerfield. Damit wurde eine Nachwahl ausgelöst, die Burnham eine Rückkehr ins Parlament ermöglichen könnte. Angesichts Labours Abwärtsspirale war das natürlich ein riskantes Unterfangen. Doch Burnhams unermüdlicher Wettkampf, sein Aufruf, „Vertrauen zu haben“ und dass „eine Stimme für mich, eine Stimme für eine Labour-Veränderung“ ist, konnte nicht nur enttäuschte Labour-, sondern auch frühere Konservative, Grüne und Reform-Wähler überzeugen.
Die weitaus größere Hürde steht Burnham aber noch bevor. Starmer ließ wiederholt wissen, dass er seinen Posten nicht kampflos aufgeben wird. Freitagmittag appellierte er einmal mehr an die Abgeordneten, Partei und Land nicht durch unüberlegte Handlungen „ins Chaos zu stürzen“.
Doch davon lässt sich Burnham nicht abschrecken. Bei der Afterparty in Makerfield soll er zu Oasis’ „Half the World Away“ besonders inbrünstig mitgesungen haben. Die zentrale Zeile im Lied der Manchester-Band: Here I go. Los geht’s.
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